29. Dezember 2015 Johannes Wolters

Austellung in Tübingen: Animation und Avantgarde. Lotte Reiniger und der absolute Film

In Kooperation mit dem Filmmuseum Düsseldorf zeigt das Stadtmuseum Tübingen im Erdgeschoss eine Ausstellung zu Lotte Reinigers Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Die Ausstellung unter dem Titel „Animation und Avantgarde. Lotte Reiniger und der absolute Film“ ist noch bis 6. März 2016 zu sehen.

Der Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ gilt als Hauptwerk von Lotte Reiniger (1899-1981). Unterstützung bei der Produktion des Films erhielt sie von Künstlerkollegen, allesamt bedeutende Vertreter der Avantgarde. Die Ausstellung stellt erstmals Lotte Reinigers Hauptwerk sowohl abstrakten als auch expressionistischen Filmen der Avantgarde gegenüber und zeigt ihre vielfältigen Berührungspunkte.

Katalog, Bildband Begleitprogramm
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, den das Stadtmuseum Tübingen und das Filmmuseum Düsseldorf herausgegeben haben. Der Wasmuth Verlag veröffentlicht anlässlich der Ausstellung einen Band mit Standbildern, sogenannten Filmstills, aus den frühen Filmen Lotte Reinigers. Während der Ausstellung bietet das Stadtmuseum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmen, Vorträgen und Workshops an.

Station in Düsseldorf
Vom 24. September 2016 bis zum 1. Januar 2017 ist die Ausstellung im Filmmuseum Düsseldorf zu sehen.

Der weltweit erste Animationsfilm
Der Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1923-1926) gilt als Hauptwerk von Lotte Reiniger. Der erste abendfüllende Trickfilm der Welt kam 1926 in die Kinos. Er erzählt die Geschichte des Prinzen Achmed, der eine Prinzessin rettet. Lotte Reiniger hat alle Protagonisten als Scherenschnittfiguren geschnitten und auf einem Tricktisch virtuos animiert. Bis heute haben „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ nichts an ihrer Faszination verloren.

Verortung in der Filmgeschichte
Lotte Reiniger war mit bedeutenden Vertretern der Avantgarde, darunter Paul Wegener und Walter Ruttmann, freundschaftlich eng verbunden. Gemeinsam haben sie am 1919 gegründeten Institut für Kulturforschung in Berlin an der Entwicklung des Films gearbeitet. Auch bei der Produktion der „Abenteuer des Prinzen Achmed“ erhielt Lotte Reiniger Unterstützung von ihren Künstlerkollegen. Die Ausstellung stellt erstmals Lotte Reinigers Hauptwerk den modernen und experimentellen Filmen der Avantgarde gegenüber. Sie vergleicht „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ beispielsweise mit dem Film „Golem, wie er in die Welt kam“ von Paul Wegener oder den abstrakten Filmen von Walter Ruttmann. Dabei geht sie der Frage nach ihren Berührungspunkten und Parallelen nach und stellt ihre jeweiligen Besonderheiten heraus. Die Ausstellung zeigt, wie eng die vordergründig völlig unterschiedlichen filmischen Positionen zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflusst haben.

Experimentelle und moderne Elemente
Lotte Reinigers Silhouettenfilme weisen experimentelle und moderne Merkmale auf: Die Künstlerin benutzte neueste Technik wie die Multiplan-Kamera, die sie mit ihren Scherenschnitten kombinierte. Auch was die Ästhetik betrifft, hat sich Lotte Reiniger an der strengen formalen Reduktion der Avantgarde orientiert. Effekte wie Rauch, Licht oder Farbe setzte sie im Film wirkungsvoll ein. Ihre Filme zeichnen sich aber auch durch expressionistische Stilmittel aus. Dazu gehören starke Hell-Dunkel-Kontraste, eine übersteigerte Gestik sowie Elemente des Mysteriösen und des Horrors. Zudem hat Lotte Reiniger die Gefühle ihrer Protagonisten visualisiert und die Kulissen kontrastreich gestaltet, um Stimmungen und Gefühle zu verstärken.

Zwischen Expressionismus und absolutem Film
Filmbeispiele und Filmstills verdeutlichen die außergewöhnliche Position von Lotte Reiniger zwischen Expressionismus und absolutem Film: Durch ihre virtuose Technik hat die Künstlerin ihr eigenes Spiel von Licht und Schatten entworfen. Bemerkenswert für die Zeit des Stummfilms ist auch, wie sehr die einzelnen Einstellungen und die begleitende Musik in ihren Filmen eine ästhetische Einheit bilden. Zu ihrem Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ hat Wolfgang Zeller die Filmmusik komponiert.

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