18. Juli 2019 Johannes Wolters

Das INDAC Interview mit Andreas Hykade, dem Leiter des Animationsinstituts und der FMX zum Positionspapier der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart

Beitrag von Johannes Wolters, INDAC

Am 24. Mai 2019 wurde eine von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht – ein Positionspapier mit dem Titel Animation als Beispiel für eine erfolgreiche Clusterentwicklung in der Region Stuttgart und Baden-Württemberg. Ein Positionspapier für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung.

Die Studie wurde von Dittmar Lumpp und Susanne Schosser erstellt und greift auf Meinungen, Fakten und Einschätzungen von renommierten Persönlichkeiten aus dem Bereich Animation und VFX im Raum Baden Württemberg zurück. Unter ihnen Professor Andreas Hykade, renommierter Filmemacher, Leiter der FMX und des Animationsinstituts sowie frisch gewähltes Mitglied der Academy of Motion Pictures Arts And Sciences, Prof. Sabiha Ghellal, Experience & Game Design Professor an der Hochschule für Medien, Stuttgart, Armin Pohl, der CEO von Mackevision, Prof. Bernhard Eberhardt, (HDM Stuttgart), Professor Jan Adamczyk, (HDM Stuttgart), Prof. Dr. Alexander Roos, (HDM Stuttgart), Stefanie Larson, Leiterin des AMCRS, Professor Ulrich Wegenast, ITFS, Professor Volker Helzle, Head of Research & Development, Filmakademie Baden-Württemberg und viele, viele andere mehr.

Die Studie enthält wesentliche kritische Ansätze und beschreibt in vielen Beiträgen ein Auseinanderklaffen zwischen Anspruch, Wahrnehmung und Wirklichkeit der Realität in Sachen Animation und VFX in Baden Württemberg und bemüht sich um lösungsorientierte Ansätze um eine attraktive Zukunft für den Standtort Stuttgart/Baden Württemberg zu erarbeiten.

Dabei lassen sich die meisten Probleme, die die Studie formuliert und betrachtet von der regionalen Szene nahtlos auf Bundesebene heben. Dies macht dieses bemerkenswerte Positionspapier zum wichtigsten Beitrag zur Entwicklung der deutschen Animation und VFX Industrie und Community des letzten Jahrzehnts und gehört damit zur Pflichtlektüre für alle Beteiligten, die in diesem weiten Feld tätig sind.

Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, dass diese Studie über ihre Aussagen selbst hinaus eben diese Beteiligten dazu bewegen möchte, sich zu äußern und in sachlicher und förderlicher Art und Weise Argumente miteinander auszutauschen, die zu einer wirtschaftlichen Weiterentwicklung beitragen. „Wir freuen uns auf eine lebhafte und spannende Diskussion unserer Vorschläge und Anregungen.“, so formuliert es das Positionspapier. Dazu möchte die INDAC Initiative beitragen und hat deswegen in den vergangenen Wochen angefangen, eine Reihe von Interviews mit den Beteiligten zu führen, um so eine solche Diskussion weiter anzuregen und zu befördern,indem wir hier den geäußerten Meinungen  über den INDAC Blog eine entsprechende, für alle sichtbare Plattform geben. Wir möchten hiermit alle Leser und Interessierten ermuntern, uns ihre Meinungen, Einsichten und Argumente mitzuteilen, damit wir sie hier auf dem Blog veröffentlichen können.

Andreas Hykade, gerade frischgebackenes Mitglieder der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences,  ist ein weltweit renommierter Animator und Filmemacher. Selbst ein Absolvent der Ausbildungsstädte  ist Hykade als Nachfolger von Thomas Haegele der Leiter des Animationsinstituts in Ludwigsburg, außerdem leitet er die geschicke der FMX in Stuttgart.

 

Warst Du vom End-Ergebnis des Positionspapier überrascht?

Ich kannte lediglich die Artikel, an denen ich selbst mitgewirkt habe. Aber ich habe das Positionspapier mit großem Interesse gelesen, vor allem, weil die unterschiedlichsten Personen mit unterschiedlichen Positionen zu Wort kommen. Vieles finde ich richtig, bei manchem bin ich mir nicht ganz sicher, wie es im Detail gemeint ist. Aber Alles ist diskussionswürdig.

Das Papier erwähnt leicht ironisch, dass es nach 30 Jahren durchaus Zeit ist für eine erste Bestandsaufnahme in Sachen Animation/VFX Förderung ist. Wie bewertet Du als Leiter des Animationsinstituts wie auch der FMX die gegenwärtige Situation?

Ich bewerte die Situation mittlerweile kritisch. Zwar wurde Vieles erreicht, jedoch blieben die Entwicklungen hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht haben wir, die deutschen Animationsschaffenden, uns die Situation auch zu schön gemalt – ich beziehe mich da ausdrücklich mit ein. Es ist gemütlich im Feenland. Jedoch, die Situation stagniert und verschlechtert sich teilweise. Deshalb können wir auf keinen Fall so weitermachen wie bisher und sollten uns nun Alle ehrlich machen. Das heißt, dass wir aufhören müssen, ständig Selbstpromotion zu betreiben, sondern vielmehr anfangen müssen, unsere Prozesse kritisch zu hinterfragen, um daraus zukünftige Perspektiven zu entwickeln. Das tut weh, ist aber notwendig.

Teilst Du die übrigen Ergebnisse des Papiers?

Wie gesagt – zum großen Teil „Ja“. Es geht mir hier jedoch nicht darum, dass „meine“ Positionen sich durchsetzen, sondern ich wünsche mir rege Diskussion und Anteilnahme. Jeder Kommentar, gerne auch kritisch, kann jetzt sinnvoll sein. Ich hätte dabei nur eine Bitte: Die Kommentare und Vorschläge sollten einen Absender mit Namen haben. Darüber sollte im demokratischen Diskurs Konsens herrschen.

Gibt es Grund zur Selbstkritik seitens des Animationsinstituts? Besteht Handlungsbedarf? Warum erst jetzt?

Selbstkritik ist ein ständiger Prozess im Animationsinstitut – nur dadurch konnte sich das Institut so gut entwickeln. Wir evaluieren in den einzelnen Bereichen im jährlichen und halbjährlichen Rhythmus unsere Prozesse und entwickeln darauf basierend das Animationsinstitut inklusive FMX weiter. So wurde während meiner Zeit als Leiter des Instituts z.B. das zukunftsweisende Thema „Geistiges Eigentum“ („Intellectual Property“ / IP) etabliert und ins Curriculum und die FMX integriert. Die Studierenden entwickeln mittlerweile nicht nur einen besonderen Stil, sondern auch eigene perspektivische Ideen. Und das Institut hilft Ihnen dann dabei, die Brücke zur verwertbaren IP zu schlagen. Serien wie „Patchwork Pals“ von Angela Steffen oder „Animanimals“ von Julia Ocker, beide Alumna des Animationsinstituts, sind daraus hervorgegangen. Wir tun in diesem Bereich also einiges und wollen das Thema auch weiter ausbauen.

Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir wollen dringend eine Studienvertiefung „Character Animation“ etablieren, damit es perspektivisch genügend mehr qualifizierte Animatorinnen und Animatoren im Land gibt. Nur so können wir diesen wichtigen Arbeitsschritt „Animation“ zukünftig im Land halten. Außerdem wollen wir dringend den Bereich Forschung & Entwicklung ausbauen, da technologische Innovationen in Filmproduktionen immer relevanter werden. Und wir wollen den Bereich VFX ausbauen sowie Animation/Effects-Producing stabilisieren. Und die Ausbildung internationalisieren. All das muss aber finanziert werden, so dass wir gerade dabei sind, für diese Anliegen bei der Politik zu werben.

Jedoch kann eine Ausbildungsstätte allein den Personalbedarf nicht lösen, wenn wir zukünftig alle Produktionsschritte im Land abbilden wollen. Wir brauchen dringend auch mehr talentierte Autorinnen und Autoren, mehr wagemutige Produzentinnen und Produzenten, mehr Visual Artists, mehr Storyboarder, mehr VFX-Artists, mehr Technical Director, viel mehr Animatorinnen und Animatoren …. und vor allem Filmschaffende, die sich um den Vertrieb kümmern. Alle Kunst- und Filmschulen müssten sich, im besten Fall ein Stück weit untereinander abgestimmt, erweitern, damit perspektivisch alle Arbeitsschritte aufwändiger Animations- und VFX- Produktionen im Land stattfinden können.

Warum erst jetzt? Ich weiss nicht. Hat wohl mit dem Feenland zu tun. Aber besser jetzt als nie.

Die Animation selbst verläßt derzeit mehr und mehr die Bundesrepublik. Die Biene Maja wird in Australien animiert, Drache Kokosnuss hat indische Animatoren beschäftigt und die kommende Produktion „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ wurde unter anderem in China hergestellt, eine Tatsache die bei der Bewerbung des Films in der Pressearbeit (bewusst?) unerwähnt bleibt. Die MFG selbst hat auf diesen Umstand diplomatisch in ihrer eigenen Broschüre Filmfacts hingewiesen: „Labor-intensive tasks such as clean-ups and in-betweens have been outsourced to non-European studios for financial reasons …„Davon profitiert z.B. das chinesische Studio Sophie in Shenzen, das in seinem Showreel neben Fritzi-Eine Wendewundergeschichte auch auf seine Mitarbeit an Filmen und Serien wie Ritter Rost, Die Häschenschule, Drache Kokosnuss usw. hinweist.  Daraus ergeben sich hier für mich an Dich mehrere Fragen: Empfindet man als Künstler, Mensch und Lehrer nicht sowohl kulturell sondern auch rein moralisch ein massives Unbehagen, dass auch mit Hilfe der von der MFG geleisteten Förderung ein Film über den friedlichen Zusammenbruch der sozialistischen DDR aus „kapitalistischen“ Gründen seitens der Produzenten im kommunistischen China mithergestellt wird, also dem Land, das bis heute das Massaker auf und rund um dem Tianmen-Platz von 1989 leugnet.

Einmal abgesehen davon, dass all dies Suggestivfragen sind, schlage ich vor, zu den einzelnen Produktionen die jeweils Verantwortlichen zu fragen.

Wenn da aber keine moralischen Probleme gesehen werden, warum leistet sich das Land Baden Württemberg noch die Ausbildungsstätten wie das Animationsinstitut etc in ihren bisherigen Formen? Müssen wir deutschen Animationsstudenten und Artists nicht klipp und klar erklären, dass die Arbeit an deutschen Produktionen nunmehr absehbar im Ausland stattfinden wird und ein Auswandern in diese Länder nach Abschluß des Studiums unabdingbar wird? Warum sollten sie noch in Deutschland ausgebildet werden?

Ganz so schwarz sehe ich es noch nicht. Es werden insgesamt mehr und mehr Animations- und VFX-Schaffende auf immer höherem Niveau ausgebildet – viele von ihnen finden gute Arbeit – oft jedoch im Ausland. Eins stimmt deshalb: Wenn es uns perspektivisch nicht gelingt, alle Arbeitsschritte, die zur Produktion aufwändiger Langfilm- und Serienproduktionen im Animations und VFX-Bereich nötig sind, am Standort Deutschland zu etablieren, dann stellt sich die Frage, ob wir hier nicht unsere größten Talente für das Ausland ausbilden. Gerade deshalb ist die Entwicklung neuer IPs als Lokomotive für den gesamten Prozeß unerlässlich.

Hat das Animationsinstitut selber sich Ziele gesetzt in Sachen Animation/VFX? Wie sehen die aus? In welchen zeitlichen Dimensionen planen man/frau die Entwicklung?

Ich habe die Ziele bereits oben beschrieben. Wenn wir nächstes Jahr damit beginnen, dauert es bis zu 6 Jahren bis die Ausbildung abgeschlossen ist und das Ganze Früchte trägt. Eine lange Zeit also. Andere Player als die Schulen sind an den Stellen gefragt, wo es schneller gehen muss. Gemeinsames Engagement bei Gründeraktivitäten kann dabei ein Schritt sein.

Im Positionspapier heisst es einer Stelle: „Die bisherige Zersplitterung der Zuständigkeiten in den Landesministerien blieb ein enormes Wachstumshindernis“. Die Studie kritisiert die schwierige Kompetenzlage der einzelnen Ministerien in Baden-Württemberg hinsichtlich der Problemstellungen in Sachen Animation und VFX, auch bedingt durch die Existenz des AMCRS Clusters. Wie siehst Du die Wahrscheinlichkeit einer mögliche Solidarisierung der zuständigen Ministerien nicht nur hinsichtlich der innerregionalen Fragen, sondern auch im Bezug auf die ähnlichen Problematiken in anderen Bundesländern, die sich in diesem Bereich engagieren mit dem Ziel die Situation in Baden-Württemberg wie auch im Rest der Bundesrepublik zu verbessern?

Da müsste man zunächst einen größtmöglichen Konsens innerhalb der nationalen Animations- und VFX-Branche erzeugen und dann dicke politische Bretter bohren. Diese vereinenden Kräfte kann ich im Augenblick nicht erkennen. Ein Grundproblem scheint mir zu sein, dass alle Player im Kern stets ihre Eigeninteressen verfolgen. Und die darüber hinausreichenden Instanzen, die es gibt – wie z.B. „Animation Germany“ oder die „AG Animationsfilm“ sind jeweils nicht mit ausreichenden Mitteln finanziert, haben eine verengte Agenda und machen sich zudem gegenseitig Konkurrenz.

Offensichtlich erlaubt das gegenwärtige System die Entstehung von immergleichen Produktionen im Kinobereich, die keinerlei Erfolge an der Kasse bei der Öffentlichkeit zu erzielen haben. Gleichzeitig ringen renommierte deutsche TV Serien um die Finanzierung, auch wenn sie ihr Können mit renommierten Preisen und Auszeichnungen vielfach unter Beweis gestellt haben. Wie kann es gelingen neue Talente im Land zu behalten und ins Spiel zu bringen, wie gelingt eine fundierte Bewertung von Projekten, von Budgets, von Geschichten und IPs?

In unserem Artikel im Positionspapier, „Die Entwicklungen im kommerziellen Animationsfilm – und warum Deutschland von der Seitenlinie aus zusieht“ haben wir einen Vorschlag zum Procedere gemacht: Die Reputation des künstlerischen Kernteams einer geplanten Produktion sollte ein Hauptkriterium bei Förderentscheidungen sein. Dabei kann die Liste der internationalen Auszeichnungen, die das künstlerische Kernteam miteinbringt, einen „Gradmesser“ darstellen. Das Ganze wäre auch sehr ökonomisch: In jedem Land sitzen dutzende, teilweise hunderte, Jurorinnen und Juroren, die sich in ihrer Tätigkeit nur einer Frage widmen: Was hat künstlerische Qualität? Die Vorgabe „Reputation des künstlerischen Kernteams“ würde automatisch zu höherer Qualität führen und wäre Ansporn für Produzentinnen und Produzenten, das bestmögliche Kreativteam ins Boot zu holen. So wäre sicher gestellt, dass am Ende wirkliche Qualitätsarbeit entsteht. Filmemacher wie Gil Alkabetz, Jakob Schuh, Max Lang, Bin-Han To oder Jan Lachauer und Filmemacherinnen wie Angela Steffen, Verena Fels, Regina Welker oder Julia Ocker (die Liste lässt sich erweitern) haben seit ihrer Studienzeit nur Qualitätsarbeit abgeliefert, was durch zahlreiche, teilweise hunderte, internationale Auszeichnungen belegt ist. Meine Theorie ist: Man muss diesen außergewöhnlichen Künstlerinnen und Künstlern nur die nötigen Rahmenbedingungen liefern, dann kommt automatisch etwas Gutes dabei raus. Etwas, das die Herzen und Hirne von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weltweit bewegen kann. Und was dadurch international marktfähig ist.

Ist Character Animation wirklich eine Lösung der bestehenden Probleme? Ist nicht vielmehr die Ausbildung von Animation Producern und Animation/Visual Storytelling nicht viel dringlicher?

Ja, beides ist ebenfalls sehr wichtig. Und noch viel mehr. Siehe oben.

Wie solidarisiert man die einzelnen Gruppen gemeinsam einer besseren Zukunft zuzuarbeiten? Wie schafft man eine Basis, wo konkurrierende Produzenten, Studios, Filmförderer, Lobbyisten und andere Alpha-Tiere konstruktiv zusammenarbeiten können ohne ihre eigenen Motivationen aufgeben zu müssen?

Man formuliert gemeinsame Anliegen und schafft die Strukturen, um diese umzusetzen.

Reicht eine Art „Halbtagsstelle“ aus, um ein Cluster wie das AMCRS sinnvoll zu betreiben?

Nein. Das AMCRS muss dringend weiterentwickelt und ausgebaut werden. Ich werde versuchen, zu dieser Diskussion meinen Beitrag zu leisten.

Ich weiß nicht, ob das alles abdeckt, vielleicht wäre es richtig noch zu ergänzen: Welche Frage würdest Du Dir in diesem Zusammenhang gerne sich selbst und allen anderen Beteiligten genauso stellen, um die Situation positiv voranzutreiben?

Die Fragen, die ich an die deutschen Animations- und VFX-Schaffenden stellen möchte, lautet: Was denkt Ihr? Was denken Sie?

Das würde mich auch interessieren. Ich leite die Frage weiter! Danke für das Gespräch!

 

Nächstes Interview in dieser Reihe erscheint auf dem INDAC Blog

am kommenden Montag, den 22. Juli 2019

Die Interviewpartner sind dann die relevanten Ministerien des Landes Baden-Württemberg.

Relevante INDAC – Interviews hierzu:

INDAC Interview mit Dr Walter Rogg, Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH

 

 

INDAC Interview mit Dirk Beinhold, Akkord Film

 

 

 

 

 

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Comment (1)

  1. Martin Lickleder

    „Ein Cargo-Kult (auch Cargokult) ist eine millenaristische, politische, religiöse Bewegung aus Melanesien. Die Gläubigen leben von der Erwartung der durch symbolische Ersatzhandlungen herbeigeführten Wiederkehr der Ahnen, die westliche Waren mit sich bringen sollen. (…) Westliche Versuche, den Cargo-Kult zu untergraben, indem Führern die Produktion der Güter in Fabriken vorgeführt wurde, scheiterten (…), da auch hier klar zu erkennen war, dass die Oberschicht der Gesellschaft keineswegs identisch mit den hart Arbeitenden in den Fabriken war. “ (Wikipedia)

    Auch die einheimische Animationsindustrie hat bisweilen etwas von einem Cargo-Kult: Sender, Förderer, aber oft auch die Produzenten selbst legen das Gewicht hauptsächlich auf die vermeintlich „magischen“, in unserer schriftorientierten Kultur prestigeträchtigen Produktionsschritte „Bibel“ (sic!) und „Skript“ (das sage ich als Animations-Autor und Ex-Redakteur, der seit über 20 Jahren auf seine Weise „von der Seitenlinie aus zusieht“). Dabei erscheint es fürs Gelingen eines so viel- und kleinteiligen Unterfangens wie einer Serienproduktion entscheidender, was (um im Cargo-Kult-Bild zu bleiben) „in der Fabrik“ passiert: Storyboard, Layout, Character Animation, Sprachaufnahme – und vor allem auch eine (durchaus auch buchstäblich räumlich) möglichst enge Zusammenarbeit, bei der alle Räder ineinandergreifen. Das ist möglich (sh. „Patchwork Pals“, „Animanimals“ et al.) – aber Fachausbildung tut Not.

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