18. Dezember 2019 Johannes Wolters

Die INDAC-Filmkritik zu „Spies in Disguise“ (dt. „Spione Undercover“) von Lennart Stenzel

Ein Weltklasse-Spion im Körper einer gewöhnlichen Taube. Klingt seltsam? Funktioniert aber gut.

Blue Sky’s neuster Animationsfilm „Spies in Disuise“ bietet eine ordentliche Portion Action, Humor und einigeschöne Bilder, und, was wahrscheinlich am wichtigsten ist, eine recht gelungen dargestellte Partnerschaft zwischen den beiden Hauptcharakteren. Die Konversationen und Slapstick-Einlagen des überheblichen Meisterspions Lance Sterling und des etwas durchgeknallten jungen Wissenschaftlers Walter Beckett sorgten zumindest bei mir für einige Lacher, vor allem nach der Transformation des Agenten in eine (wenn auch farblich nicht sehr unauffällige) Taube.

Die Umsetzung des Vogels, der ja einen zentralen Aspekt des Films darstellt, gelingt dem Team von Blue Sky übrigens sehr gut. Das Federkleid sieht schick aus aus und verhält sich meistens den Szenenentsprechend realistisch, beispielsweise, wenn sich Sterlings Brust aufplustert. Auch die allseits bekannte stockende Art von Tauben zu laufen und ihr erweitertes Sichtfeld wurden berücksichtigt. Sowieso wurden die Figuren des Films alle einwandfrei animiert und auch der Look lässt nichts zu wünschen übrig. Es gab viele schön anzusehende Schauplätze und gut inszenierte Szenen. Was mir persönlich besonders gefiel war das Design der Hauptfigur Lance Sterling. Nicht nur erkennt man das Vorbild (und gleichzeitigen Synchronsprecher) Will Smith auf den ersten Blick, auch hat er sogar in seiner menschlichen Form durch die großen Augen und die zusammenlaufende Nase-Mund-Partie schon gewisse Ähnlichkeiten zu seiner Vogel-Version. Walter Beckett sieht dagegen etwas generisch aus und wirkt optisch ein wenig zu hip für seine Rolle als verschrobenes Genie. Das Design des Bösewichts Killian wiederum (ich musste seinen Namen nachträglich googeln, er bleibt nicht wirklich hängen) ist angemessen düster und, nun ja, böse. Ansonsten lässt sich über ihn leider nicht viel sagen. Seine Rolle und Hintergrundgeschichte bleiben relativ grob und er wirkt eher wie eine Notwendigkeit für den Plot des Films.

Lennart Stenzel

Lennart Stenzel

Auch die drei anderen Tauben, mit denen die Helden unterwegs sind, treten nur in wenigen Szenen überhaupt in Aktion und auch dann meist nur für kurze Gags. Dies gilt übrigens auch für einige andere Figuren; man merkt, dass der Film sich hauptsächlich um das Zusammenspiel aus Sterling und Beckett dreht. Das ist wohl die einzige größere Kritik, die ich nach dem Film hatte: Sowohl die übergeordnete Story, als auch viele der Charaktere bleiben die meiste Zeit nebensächlich und man fiebert nur wenig mit den Helden mit, wie sie wohl das nächste Problem lösen. Stattdessen lässt man sich (zugegebenermaßen unterhaltsam) von Szene zu Szene tragen und wartet auf die nächsten Gags mit Sterling und Beckett, die der Film allerdings in den meisten Fällen solide liefert. Dadurch, und auch durch den ansprechenden Look und die einwandfreien Animationen, wiegen diese negativen Punkte insgesamt nicht allzu schwer. Wenn man sich als Zuschauer auf einen witzigen und actiongeladenen Animationsfilm mit eher wenig emotionalem Tiefgang in der Story einstellt, wird man auf jeden Fall gut unterhalten

Lennart Stenzel, Berlin

Concept and 3D-Artist | Illustrator

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