25. Februar 2020 Johannes Wolters

Die INDAC-Kritik von Fabian Rau zu „Sonic the Hedgehog“ von Regisseur Jeff Fowler

Eine Origin-Story über einen seit Jahrzehnten beliebten Videospiel-Helden mit vielen kleinen Anspielungen!

In der Verfilmung um die Videospielreihe des ikonischen Sega-Charakters, muss sich Sonic auf der Erde mit seinem neuen menschlichen Freund Tom zusammentun um dem wahnsinnigen Dr. Robotnik das Handwerk zu legen – Dieser hat es auf die Fähigkeiten des superschnellen blauen Igels zur Erlangung der Weltherrschaft abgesehen… Wem es in unserer heutigen Welt noch nicht hektisch genug zugeht, der ist bei Sonic The Hedgehog genau richtig.
Das Markenzeichen des Maskottchen des Gamepuplisher Sega sind übermenschliche Geschwindigkeit, welche im aktuellen Film zuhauf zur Geltung kommt. Zugegeben, die Sequenz in welcher die Zuschauer das eigentlich überschnelle Geschehen verlangsamt aus Sonics Perspektive zu sehen bekommen ist nicht besonders originell und wurde bereits von Filmen und Serien wie Matrix, X-Men und the Flash vorgeführt – macht aber dennoch Spaß, da Sonics Charakter genau dem entspricht wie man ihn sich durch die Videospielvorlage vorstellt: positiv, neugierig, gewitzt und frech.

Als Person die mit dem damaligen Videospieltitel von Sega aufgewachsen ist (eigentlich Nintendo-Kind;) ) konnte ich den Film als kurzweilige und sehr familienfreundliche Unterhaltung mit wenig Längen genießen, auch wenn der Plot dem typischen Hollywood-Schema entsprach und dementsprechend vorhersehbar war. Die musikalische Untermalung fiel durch das Festhalten an Altbewährtem stellenweise sehr „schmalzig“ aus, nur einmal im Film, als das legendäre „Green Hill Zone“-Level-Theme als Pianoversion ertönt, stellt sich bei alten Hasen des Franchises  ein episches Gänsehautgefühl ein. Ingesamt kann man, im Gegensatz zu einigen anderen bisher Erfolgten (Super Mario Bros., Postal… welche allerdings dennoch Kultstatus genießen), von einer gelungenen Videospieladaption sprechen.  Grund dafür das Gelingen sind auf jedenfall auch die im Nachhinein und von tobenden Protesten der Fanbase begleiteten Änderungen des Characterdesigns. Das hat dem Film gut getan und die Fans von damals und heute besänftigt, auch weil man Diese endlich einmal erhörte – was leider nicht selbstverständlich ist bei Filmproduktionen dieser Art (siehe Ninja Turtles, Dragonball Evolution zB.).  Die Fans wurden ernst genommen und die dadurch erfolgte Komplettrenovierung des erst befremdlich wirkend dargestellten Igels
(uncanny valley Effekt) hat sich ausgezahlt. Insgesamt haben die Animationen und die Darstellung des CGI mit den Realfilmaufnahmen harmoniert.

Wer sich wundert, warum Dr. Robotnik, von Sonic auch dreisterweise als „Eggman“ betitelt, der Videospiel-Vorlage nur vaage ähnelt, dem sei Geduld empfohlen, welche ausreichend belohnt wird. Das verrückte und massiv exzentrische Genie Robotnik wird von keinem geringeren als Comedy-Legende Jim Carrey dargestellt. Und man kann ohne Übertreibung behaupten – er ist zurück!  Jim Carrey hatte bei dem Dreh sehr große Freiheiten und künstlerischen Spielraum, welchen er auch in vollen Zügen auskostet und ausgelebt hat.  Kinder der Neunziger fühlen sich bei der Darstellung von Dr. Robontnik sofort an Carreys Charaktäre wie „Ace Ventura“ und „the Riddler“ aus „Batman Forever“ erinnert. Jim Carrey spielt einen klassischen Jim Carrey: wahnsinnig und zum totlachen. Tatsächlich hat er diesen Film ein gutes Stück weit getragen und seine Auftritte sind jedesmal zum feiern.

Zu kritisieren ist vor allem die deutsche Synchronisation. Der Film hätte keine weitere „Aufmerksamkeit“ benötigt, die vermutlich durch das Verpflichten eines bekannten deutschen Youtubers als Synchronstimme des Titelheldens motiviert war. Die schaupielerische Leistung von Julien Bam als Sonic wirkt leider nicht immer professionell und entschleunigt den Film durch Zaghaftigkeit sogar stellenweise, weswegen man diese Aufgabe lieber weiterhin erfahrenen Synchronsprechern überlassen sollte. Was vor der Kamera mit schnellen Schnitten und sichtbaren Gestiken beim Sprechen funktioniert, muss nicht zwangsläufig als bloße Stimme bei einem animierten Character klappen.

Von Sonic The Hedgehog ist eine leichte, kinderfreundliche Action-Komödie mit Färbungen von „Coming Out Age“ und „Fish out of the water“ Szenarien zu erwarten – nicht überragend, aber definitiv nicht schlecht und daher genießbar. Eine Origin-Story über einen seit Jahrzehnten beliebten Videospiel-Helden mit vielen kleinen Anspielungen auch für eingefleischte Nerds, wie die Verweise auf vermeintliche „Extra-Lifes“, das Örtchen „Green Hill“, benannt nach dem ersten Level des Original Games. (Für Meme-Fans sollte der versteckte „Sanic“ ebenfalls ein Schenkelklopfer sein.) Das Paraodieren von Marvels bekannten Comicheft-Intro vor jedem MCU Film in Form von Sega-Gametiteln war schon nahezu nostalgisch.  Spätestens wenn sich Sonic das erste mal im Film zu dem vom Game bekannten rasenden, blauen Ball zusammenrollt um mörderische Kampffahrzeuge
aus dem Weg zu räumen, sollte das zu seeliger Befriedigung für Kenner sorgen. Schlichtweg ein Wort – Cool. Besonders die beiden Endcredit Szenen könnten zu freudiger Schnappatmung bei Fans führen und sind darüber hinaus ein übergroßer Wink mit dem Zaunpfahl, dass es sich bei diesem Film lediglich um die Vorbereitung zu einem handfesteren Sequel handelt, worauf ich persönlich eben durch den Inhalt dieser Endszenen sehr viel Lust hätte.

Fabian Rau

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Comment (1)

  1. Marc Wehe

    Lieber Fabian,
    vielen Dank für deine Kritik die meiner Meinung sehr zutreffend ist. Ich bin mit Nintendo, aber auch Sega und somit auch sonic und weiteren Titeln groß geworden und diese Umsetzung gefällt mir gut. Schade das die dt. Synchro wieder nicht überzeugen konnte.
    ich hoffe das es noch die ein oder andere Verfilmung geben wird und ich wette wenn die fan Gemeinde erhört bleibt und ggf. mit einbezogen wird werden diese ähnlich ansprechend.

    Brgds
    Marc

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