3. März 2020 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Gerrit Behnken zu Pixars „ONWARD – Keine halben Sache“ + Gerrits Kommentar zur MULAN Footage Präsentation

Gerrit Behnken

Pixar hat mich mit Onward ähnlich überrascht wie seinerzeit Inside Out. Der Plot ist simpel, jedoch fantastisch umgesetzt und beschäftigt sich ebenfalls mit dem Erwachsenwerden und der persönlichen Entwicklung eines jugendlichen Protagonisten.
Es werden auch hier wieder sehr emotional tiefgreifende Themen behandelt, mit denen sich die meisten Zuschauer identifzieren werden können, wie beispielsweise den Schwierigkeiten des Teenielebens und was es heißt erwachsen – oder in diesem Falle – ein Mann zu werden.
Ich denke gerade Jungs und Männer erleben diesen Film auf eine ganz eigne Weise, da die Beziehung zwischen Vater und Sohn, bzw. einer männlichen Bezugsperson, besonders intensiv thematisiert wird.
Auch hier sehe ich Parallelen zu Pixar’s Inside Out (dt. Alles steht Kopf), der sich mit der Gefühlswelt der Teenagerin Riley beschäftigt. Nichsdestotrotz spricht der Film keineswegs nur ein männliches Publikum an! Das Thema Fantasy begeistert heute schließlich längst nicht mehr nur nerdige Jungs á la Stranger Things oder The Big Bang Theory, sondern findet gleichermaßen weibliche Fans, wodurch Onward durch alle Demografien, Altersgruppen und Geschlechter hindurch großen Anklang finden wird.
Visuell bewegt sich Pixar mit Onward auf gewohntem Terrain. Die Characteranimation und die Welt sehen wie immer hervorragend aus, wobei keine neuen Meilensteine gesetzt werden. Auch das Characterdesign ist solide und ansprechend, wenn auch nicht besonders originell, was gerade bei Ian deutlich wird. Sein Characterdesign gleicht Linguini (Ratatouille) und Walter Beckett (Spies in Disguise) fast auf’s Haar – abgesehen vom blauen Teint und den Elfenohren – wobei Ian genauso wie Walter von Tom Holland gesprochen wird.
Neben Holland spricht in der englischen Originalfassung Chris Pratt (Guardians of the Galaxy) den großen Bruder Barley, was die Hauptbesetzung perfekt macht.
Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte hat für mich gut funktioniert, war glaubhaft und bot neben vielen Gags auch sehr emotionale Momente.
Eine klare Filmempfehlung!

Der circa 11-minütigen Ausschnitt aus Disney’s nächster Neuverfilmung eines Zeichentrickklassikers, nämlich Mulan, sah visuell ansprechend aus, hat mich persönlich jedoch nicht gefesselt.
Ich bin zwar kein großer Fan der vorhergehenden Disney-Version („das Orginal“), doch wenn man beide Filme objektiv vergleicht, wird schnell deutlich, dass die Suspension of Disbelief (zu deutsch: die Aussetzung der Ungläubigkeit), die bei dieser Art von Film vorausgesetzt wird, sehr auf die Folter gespannt wird.
Das Original stellt Mulan im Laufe des Films glaubhaft als jungen Mann dar, der ein ganzes Bataillon hinters Licht führt und zusammen mit ihren Kameraden in die Kriegskunst eingewiesen wird, was zum Teil sicherlich dem Mangel an Detail zu verdanken ist, der ein Zeichentrickfilm mit sich bringt. Im Remake hingegen sticht Mulan sehr durch ihre femininen Gesichtszüge hervor und ist obendrein scheinbar von Grund auf extrem kampferprobt und agil. So fiel es mir zum Beispiel extrem schwer nicht mit den Augen zu rollen, als eine Kampftrainingsstunde zur Akrobatikshow mutiert und sie im späteren Verlauf Pfeilen problemlos ausweicht.
Weiterhin scheint man sich im Remake von den tierischen und fantastischen Charakteren wie Mushu, der Grille Cri-Kee und dem Hund Kleiner Bruder distanziert zu haben, was jedoch nicht heißen muss, dass der Film ohne sie nicht funktionieren wird.
Es wird jedoch in jedem Falle ein anderer Film werden. Man darf gespannt sein…

Besten Gruß,

Gerrit Behnken, Character Animator

 

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