21. November 2015 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von HP Kuhnert zu „Die Tribute von Panem: Mockinjay 2“

Dem Start von „The Hunger Games: Mockingjay Part 2“ habe ich mit viel Skepsis entgegen gesehen. Ich mag es nicht, wenn man eine Story derartig aufsplittet. Dabei unterstelle ich Hollywood erstmal vorrangig nur Geldgier und wurde dann doch aber eines besseren belehrt. Denn es wäre wirklich schade gewesen meiner Meinung nach, wenn man den sehenswerten Film zusammenkürzen und mit dem ersten Teil verschmelzen hätte wollen. Es steckt hier so viel Material zum Nachdenken drin, so viel Konflikte über Gesellschaft und Krieg und natürlich wie es dem Genre entspricht auch so viel an Liebe und Moral, dass es die Zeit einfach braucht.
Mockingjay Part 2 wurde 2014 im gleichen Atemzug wie der erste Teil fertig gestellt und wir mussten nun ein ganzes Jahr auf das große Finale warten. Daher sind die Szenen mit dem leider verstorbenen Philip Seymour Hoffman noch fast vollständig abgedreht worden und nur wenige Momente mit ihm sind nachträglich digital hinzu gekommen. Wobei das für den Film eigentlich nebensächlich ist, da seine Rolle im immer düsterer werdenden Geschehen eher symbolische als schauspielerische Bedeutung hat.
Die Story knüpft nahtlos an den ersten Teil an, in dem (zur Erinnerung) der verlobte und gefolterte Peeta unsere Heldin Katniss Everdeen umbringen wollte. Schon in den ersten Minuten kommen die Erinnerungen an den ersten Teil wieder, wobei der Film keine Zeit mit Flashbacks verliert und immer weiter auf das große Finale zusteuert. Die Welt liegt in Scherben und die Rebellen haben fast alle Distrikte vereint im Kampf gegen das Kapitol und den Hauptfeind Präsident Snow. Doch der Krieg verändert alles und macht einem am Ende sogar den Nutzen der grausamen Hungerspiele verständlich. Denn im Krieg gibt es keine Gewinner und es ist schwer, moralisch auf der Seite der Guten zu bleiben. Katniss als moralisches Leitbild steht hier also zwischen den Rebellen und dem Kapitol in einem starken Konflikt und will sich nicht weiter für Kriegspropaganda ausnutzen lassen, sondern dem Töten alleine ein Ende setzen. Ihr wird klar, dass die Rebellen am Ende auch nur eine weitere Kriegspartei sind, die zwar die moralische Legitimation beansprucht, aber auf die gleiche Art und Weise zunehmend grausam wird, wie Präsident Snow.
Im Film zeigt Schauspielerin Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen) ihre schauspielerischen Qualitäten. Ich bin persönlich kein J-Law-Fan, aber erkenne ihre Leistung an. Bereits in den ersten Minuten kämpft sie mit den Folgen der Würge-Attacke von Peeta aus dem ersten Teil. Dabei ist ihre Stimme so überzeugend heiser und dünn, dass ich wirklich dachte, das Filmteam hätte sie am Set tatsächlich versucht umzubringen aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Mich bewegen alle Charaktere emotional und ich hatte keine Probleme, ihre Rollen und Motivationen zu verstehen. Peeta kämpft sich aufgrund der Folter und Gehirnwäsche durch einen überzeugenden Realitätsverlust  und ist zwischen seinen zwei Erinnerungensträngen gefangen. Die Dreiecksbeziehung zwischen ihm, Katniss und Gale bietet zwar ein Spannungspotential, wird aber nicht wirklich ausgearbeitet. Einige Kamera-Einstellungen und Schnitte werden mir im Kopf bleiben, da sie Bild und Story toll verknüpfen. Diese professionellen Leistung des Filmteams zieht sich durch den sauber geplanten und strujturierten Film. Unter CGI-Sicht kann man den Hut ziehen vor einem Angriff von Mutanten, die mit bemerkenswert, realistischer Haut daherkommen und -ohne zu spoilern- in einer tricktechnisch hoch anspruchsvollen Sequenz mit der Realität und den Akteuren interagieren.
Viel zu selten sehe ich noch große Blockbuster, deren Story wirklich etwas tiefer gehen wollen und bei denen man aus der Vorführung geht und erstmal die Unterhaltung und Diskussion sucht und auch braucht. Es wird sehr gut dargestellt, wie der Krieg alles ändert und wie Politik und Strategie das Töten rechtfertigen wollen. Der Film findet eine tolle Balance aus Action, Handlung und Liebes-Konflikten. Auch wenn man immer einige Stellen unsinnig finden kann, ist das leicht zu verzeihen. Auch ein wenig Kitsch am Ende darf Hollywood kritiklos auftragen, wenn die Gesamtmischung gehalten wird.

Für mich ist ‚Mockingjay Part 2‘ ein gelungenes und sehenswertes Finale einer immer besser werdenden Filmreihe.

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