19. November 2015 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Matthias Backmann zu „Die Tribute von Panem: Mockingjay 2“

Mit dem zweiten Mockingjay-Teil wird die Trilogie der Hunger-Games-Bücher endlich abgeschlossen. Und auch wenn dieser letzte Teil der wohl Stärkste der Serie ist – wirklich gut macht ihn das leider lange nicht. Denn bei der Bewertung kann man natürlich die vorangegangenen Filme nicht ignorieren, sonst versteht man überhaupt nicht mehr, was da passiert. Was passiert also? Nachdem Jennifer Lawrence zweimal als Katniss Everdeen in Battle-Royale- Imitaten in einem Kampf auf Leben und Tod bestehen musste, wird in den beiden Mockingjay- Teilen endlich stärker auf die distopische Welt und den Krieg der unterdrückten Klassen mit den Herrschern im Kapitol eingegangen. Als Gesicht der Revolution muss sie immer wieder zwischen öffentlichen Auftritten und dem Kampf wechseln und nun die Revolution zum Sieg führen. Und da es Krieg ist, gehen beide Seiten über unmenschliche Grenzen. Grenzen, die Katniss aus den beiden Hunger-Games schon kennt und verachtet. Das Problem: Der Klassenkampf reisst einen in keinem Moment mit, auch beim großen Finale nicht – zu früh merkt man, dass auch die vermeintlich gute Seite über Leichen geht und die paar Leute, die mit Katniss zusammen wirklich gute Absichten pflegen, werden schnell immer weniger. Außerdem versuchen die Macher plötzlich Elemente aus den Büchern einzubauen, die 3 Teile lang keine Rolle gespielt haben (Mutanten-Zombies?) und nutzen alte Survival-Film-Klischees in Hülle und Fülle (man muss nur schnell genug rennen, dann schnappen die Fallen erst hinter einem zu). Ein großes englisches „WTF?“ kommt einem zu oft von den Lippen. Visuell kann man sich natürlich nicht beschweren. Die Welt mit dem prunkvollen Kapitol und seinen illustren Bewohnern, den Ruinen der zerstörten Distrikten und der weiten Natur sieht toll aus und die verschiedenen Fallen und Kämpfe ziehen alle Register von Kostüm, Maske, SFX und VFX (Bomben, Feuer, siedendes Öl, Zombiehorden). Das Star-Essemble um Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth, Donald Sutherland, Julianne Moore und Philip Seymour Hoffman wird angereichert von vielen Darstellern, die vor allen Serienfans bekannt sind. Aber das reicht halt nicht, um die schwache Story auszugleichen. Muss man sich diesen Film also anschauen? Nein, nicht wirklich. Wer die Bücher gelesen hat, wird bestimmt enttäuscht, wer den Film den anderen Hits des Winters – Star Wars, James Bond, Der Marsianer, etc. vorzieht, wird wahrscheinlich enttäuscht. Wer aber die Serie unbedingt abschließen möchte, dem wird wohl auch das Heimkino reichen.

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