1. Mai 2018 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Michael Knoll zu Marvels „Avengers – Infinity War“

10 Jahre ist es her als das MCU (Marvel Cinematic Universe) mit IRON MAN seinen Weg erstmals beschritt und nun soll es seinen (ersten) Abschluss finden, in einer Geschichte die (beinahe) alle etablierten Charaktere des Franchise aufeinandertreffen lässt. Besser gesagt, findet es die erste Hälfte seines Abschlusses, denn für den finalen zweiten Teil, muss man sich noch ein Jahr gedulden. Wie dem auch sei, für INFINITY WAR lautet die Frage: Kann man dutzende Figuren halbwegs kohärent und sinnig in ca. 150 Minuten Laufzeit erzählen? Die Antwort lautet erstaunlicherweise ‚ja‘.

Der Vergleich mit dem hastig zusammengebastelten Gegenentwurf des DCEU (DC Extended Universe) kann kaum ausbleiben. Wurde JUSTICE LEAGUE konzeptionslos zusammengeschraubt, mit Nachdrehs versehen, umgeschnitten und tonal verändert (wie zuvor SUICIDE SQUAD), gingen die Marvel Studios einen von langer Hand geplanten Weg. Das Ergebnis ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. JUSTICE LEAGUE hinkt an allen Enden und Ecken, muss noch schnell Figuren einführen und einen bis dato unbekannten Bösewicht reinstopfen, was bei den Avengers längst etabliert ist und man so die Folgen des Aufeinandertreffens zeigen kann.

Vor allem ist dies dem Regie-Duo Joe and Anthony Russo zu verdanken. Die haben nach CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER und CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR nun wieder einmal mehr bewiesen, dass sie, gleich nach James Gunn, die fähigsten Regisseure des MCU sind, wenn es darum geht die Chemie zwischen Figuren auszuloten, ein Potpourri aus Handlungssträngen zu erstellen und eine vielschichtige antagonistische Kraft zu erzählen.

Letzteres personifiziert sich dieses Mal in den geheimnisvollen Thanos, dessen Charakter dem Publikum stückchenweise aus den anderen Filmen präsentiert wurde. Was ihn vom direkten Konkurrenten Steppenwolf aus dem JUSTICE LEAGUE unterscheidet, ist, dass er ein motiviertes Ziel verfolgt, dass über das obligatorische Weltvernichten aka ‚blauer Laserstrahl schießt in den Himmel und muss gestoppt werden‘ hinausgeht. Während die Motivation nach und nach enthüllt wird und mit ein bisschen Nachdenken auch gar nicht blöd daherkommt, hätte es der Dramaturgie vielleicht gutgetan, dieser Mission auch noch eine äußere Dringlichkeit zu geben. So verfolgt er einen Plan, den man verstehen kann, aber bei der Nachvollziehbarkeit hakt. Auch seine vier Adjutanten geraten anhand der schieren Masse an Handlung als Persönlichkeiten leider zu kurz. Dafür konzentriert sich die Handlung erfreulicherweise umso mehr auf die persönlichen Einzelschicksale einiger Helden. Die Beziehung zwischen Peter Quill und Gamora bzw. Vision und Scarlet Witch wird vertieft, die Existenz Wakandas fügt sich in das Weltbild ein, die Risse, die CIVIL WAR hinterlassen hat, werden bespielt, usw. Dies eröffnet ein emotionales und spannendes Konstrukt, bei dem es an mehreren Fronten zu Kämpfen kommt. Interessanterweise von galaktischen hin zu irdischen Schauplätzen.

Wieder einmal entpuppen sich dabei die Guardians oft he Galaxy als vielschichtiges und spannendstes Team des MCU, mit dem größten Unterhaltungsfaktor. So stechen die Szenen heraus, indem sie endlich auf andere Figuren des MCU stoßen. Hingegen wirkt Spiderman hineingezwungen und als stellenweise deplatzierter Fanservice. Alle ‚frischen‘ Figuren rund um Wakanda hingegen werden sehr sparsam, aber nicht unnütz, erzählt und nicht aufgrund des riesigen BLACK PANTHER Erfolgs künstlich aufgeblasen.

As eher verwundert, ist, dass einige SFX Shots unfertig und kurzfristig geändert wirken. Besonders wenn es um Thanos geht, der etwas in die Hand nimmt oder in der Hand hält. Relativ schlimm wirkt das am Ende (Achtung, marginaler Spoiler) wenn Bruce Banner aus der Hulkbuster Suite physisch fragwürdig herausschaut.

Trotz Kritik, kann sich AVENGERS – INFINITY WAR zu den besseren Marvel-Filmen zählen, wohl auch zum besten Film der bisherigen AVENGERS Reihe. Die Geschichte ist galaktisch und doch noch übersichtlich, die Charaktere werden so sinnvoll wie möglich genutzt, klare Motivationen werden erzählt und emotionale Momente geschaffen. Das das bei der Masse an zu erzählenden Elementen stellenweise auf wackeligen Beinen steht, ist wohl kaum zu vermeiden. Am Ende bleibt ein Film, der sich versucht etwas mehr aus seiner Popcorn-Unterhaltungs-Hülle herauszuschälen und sowohl den Fans, die eh jeden Film sehen und bis auf die Knochen verteidigen, als auch dem normalen Kinogänger etwas bietet. Vor allem gilt das Lob dem konsequenten Ende, der sich organisch aus der Story ergibt und nicht erzwungen wird. Ein guter Punkt nach dem zweiten Teil das MCU etwas auf Eis zu legen, aber es sind ja noch gefühlt 100 weitere Filme geplant. Ob das Sinn macht, wird die Zeit zeigen.

Michael Knoll

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