8. Dezember 2015 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Pauline Kortmann zu „Der kleine Prinz“

Es ist natürlich ein heißes Eisen, ein weltweit so geliebtes Werk wie den kleinen Prinzen filmisch für ein Breitenpublikum aufzuarbeiten. Als am Anfang des Films die Zeichnungen der Schafe, die man im Buch so oft betrachtet hat, in kleinen Zeichentricksequenzen zu leben beginnen, ist das schon sehr herzerwärmend. Die Hoffung kommt auf, dass dieser 3D-Animationsfilm der Vorlage gerecht wird.
Und tatsächlich, die erste Hälfte fließt ganz wundervoll.
Die Welt, in der unsere kleine Protagonistin lebt, dreht sich ganz um Arbeitseffizienz und Leistung. Den Gegenpol stellen schön gemacht das märchenhafte, bunt-lebendige Nachbarhaus und der alte Pilot dar, der darin lebt. Er erzählt dem Mädchen vom kleinen Prinzen, und hier wird es mit großartiger Stop Motion Animation ganz einfach gesagt: richtig, richtig schön. Der Puppentrick-Prinz IST genau der gezeichnete kleine Prinz aus dem Buch. Alles passt.
Bis dann ein dramatischer Höhepunkt auf den Zuschauer zugerollt kommt… – und es seltsam wird. Die bewegende Geschichte um das Mädchen, den alten Mann und seine Erzählung weicht einer irgendwie unterhaltsamen, aber doch auch sehr durchschnittlichen, voraussehbaren Weiterführung der Story, die einfach ein x-beliebter 3D-Animationsstreifen sein könnte. Inklusive zweier Design-Fails, die zumindest Liebhabern des Prinzen aus dem Buchs unangenehm in die Augen kneifen könnten.
Das ist sehr schade, zumal alles im ersten Teil so perfekt aufgebaut wurde, und die Stop Motion Animation ein ideales Erzählmedium für die Reise des Prinzen war. Nungut, trotz der belanglosen Verpuffung des guten Anfangssetups gibt es insgesamt so einiges sehenswertes und rührendes. Kann man also angucken. Muss man aber nicht.

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