12. Dezember 2015 Johannes Wolters

Die INDAchs Kritik von HP Kuhnert zu „Der kleine Prinz“

Wer kennt nicht die Geschichte vom kleinen Prinz, von seinem Asteroiden B612, seiner Rose und seiner Reise zur Erde? Wieder einmal wird ein erfolgreiches Buch verfilmt, aber nicht irgendeine Geschichte, sondern bedeutende Weltliteratur von Antoine Saint-Exupéry … oder stop – eigentlich ist es eine neue Geschichte, eine Hommage, die geschickt einen Rahmen um das Meisterwerk baut, statt dieses direkt umzusetzen. Das würdigt das literarische Werk und stellt zugleich eine hollywoodtypische, berührende Geschichte bereit.

In der Rahmenhandlung spiel ein kleines Mädchen die Hauptrolle. Es wird von ihrer (alleinerziehenden) Mutter mit voller Wucht in eine überspitzte, leistungsorientierte Gesellschaft gedrängt. Alles dreht sich darum etwas besonderes zu sein und besser und effektiver zu sein. Hier wird die Welt der Erwachsenen gezeigt. Das Mädchen zieht mit Ihrer Mutter in eine elitäre und strukturierte Stadt, damit das Mädchen auf die beste Schule gehen kann. Beim bewältigen der täglichen Lernaufgaben lernt sie ihren ganz und gar nicht strukturierten, erwachsenen, alten Nachbarn kennen. Anfangs skeptisch nähert sich das Mädchen dem alten Mann an (wird gezähmt!). Dieser alte Kautz war einst ein Pilot und bastelt im Garten an seinem Flugzeug. Dabei treibt er die ganze Nachbarschaft mit seiner kauzigen und ineffizienten Lebensart in den Wahnsinn. Je näher sich das Mädchen und der Pilot kommen, desto tiefer versinkt das Publikum über mehrere Passagen in die klassische Geschichte vom Kleinen Prinz.

Der alte Mann (gesprochen von Jeff Bridges) ist ein Erwachsener, der nicht erwachsen sein will und nicht normal funktionieren will. Ganz allgemein spiegelt die Rahmenhandlung die eigentliche Kritik und Themen aus dem Buch wieder und macht es so für den Zuschauer viel einfacher sich dem ganzen zu stellen. Dieser Kontrast zwischen (übersteigerter) Erwachsenenwelt und Fantasiewelt ist perfekte Grundlage für einen 3D-Film. Die Filmemacher konnten sich in so vielen Details verewigen, dass eine bunte und faszinierende Welt rund um den alten Piloten und dem jungen Mädchen entsteht.

An dieser Stelle punktet der Film für mich am meisten. Die Filmemacher trennen sehr bewusst und geschickt die klassische Geschichte von der Rahmengeschichte. Dies erkennt man schon in der Art und Weise den Film zu präsentieren, denn die klassische Geschichte wird mit der klassischen Stop-Motion-Filmtechnik dargestellt. Liebevoll, detailreich und bunt sind die Figuren und Szenen des kleinen Prinzen sehr künstlerisch erstellt. Das komplette Licht ist ein Traum und in 3D nur schwer so perfekt zu realisieren. Die 3D-Welt der Rahmenhandlung überzeugt wiederum mit einfachem Characterdesign und detailreichen Szenen. Man kann sich sehr gut in die Geschichte hineinfühlen und auch wenn das Filmplakat eher wie für einen Kinderfilm wirkt, ist der Film auch absolut empfehlenswert für Erwachsene. Die Geschichte zwingt einem schon am Ende viel Selbstbeherrschung ab, dass man zumindest nur einen Klos im Hals bekommt.

HP Kuhnert

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