7. April 2016 Johannes Wolters

Die Indachs-Kritik von Johannes Wolters zu The Huntsman & The Ice Queen

Die Kritik wurde in den Stuttgarter Nachrichten veröffentlicht und findet sich auch dort auf der Webseite!

Vor drei Jahren ließ die Geschichte von Snowwhite und dem Huntsman das Publikum unbefriedigt zurück, am Ende stand die Prinzessin emotional zwiegespalten zwischen dem rustikalen Jägersmann und dem naiven Prinz Charming. Jetzt greift ein neuer Film die losen Enden auf und versucht, die Geschichte zumindest halbwegs zu Ende zu erzählen.

Hollywood – Vor drei Jahren ließ die Geschichte von Snowwhite und dem Huntsman das Publikum unbefriedigt zurück, am Ende stand die Prinzessin emotional zwiegespalten zwischen dem rustikalen Jägersmann und dem naiven Prinz Charming. Jetzt greift ein neuer Film die losen Enden auf und versucht, die Geschichte zumindest halbwegs zu Ende zu erzählen – und kreiert auf diese Weise das Genre eines Pre-Sequels, einer Vor-Fortsetzung.

Man erfährt, dass die böse Königin (Charlize Theron) eine freundliche Schwester (Emily Blunt) hatte, die zur mächtigen, kalten Ice-Queen wird, als sie ihren Liebsten und ihr Kind durch Intrigen grausam verliert. Sie beginnt in ihrer Eisfestung eine Armee entführter Kinder zu Huntsmen (Jägern) auszubilden, um die Welt zu erobern und von der Liebe zu befreien. Als sich zwei der Kinder ineinander verlieben, übt sie grausame Vergeltung an den beiden. Sieben Jahre später ist aus dem einen der Kinder der titelgebende Huntsman (Chris Hemsworth) geworden, der sich nun mit dem Problem des Zauberspiegels herumplagen muss, welcher nicht in die Hände der Schneekönigin fallen darf. Und so entspinnt sich eine abenteuerliche Heldenreise mit Zwergen, Kobolden, Feen, bösen Räubern, edlen Rittern, wahrer Liebe.

Bildgewaltig kommt der zweite Teil der „Huntsman“-Saga daher, deutlich besser und zügiger inszeniert als der schwerfällige erste Teil. Die Hauptdarsteller Theron, Blunt und Hemsworth sind hinreißend böse, tragisch und heldenhaft, die Nebendarsteller sorgen für zündenden Humor. Allein das Drehbuch schlingert gewaltig hin und her, es muss soviel erzählt werden, dass die Zeit kaum reicht und irgendwann auch nicht mehr ganz klar ist, wessen Geschichte hier eigentlich erzählt wird und warum. Es gibt Serienformate im deutschen Fernsehen, die haben im Jahr weniger Handlung als hier in 2 Stunden abgearbeitet wird.

Der Film bietet visuelle Schauwerte im Überfluss

Dies führt dann zu Story-Abkürzungen, die teilweise grotesk anmuten. Aber das ist natürlich auch Jammern auf hohem und sündhaft teurem Niveau: Der Film bietet visuelle Schauwerte im Überfluss, die den Besuch eines 3D-Kinos lohnen, viele liebenswerte Details, die an „Narnia“, „Hobbit“ und „Goldenen Kompass“ erinnern, ohne ihren eigenen, grimmigen Charakter zu verlieren. Fans von Kristen Stewart kommen nicht auf ihre Kosten, ihre Snowwhite taucht im Film nurmehr in Rückblenden auf – kaum auszudenken, wie unbalanciert der Film erst geworden wäre, wenn man ihre Figur auch noch angemessen hätte unterbringen wollen.

Ein ärgerliches Letztes: Warum „Huntsman“ (Jäger), „Ice Queen“ (Schneekönigin) und „Snowwhite“ (Schneewittchen) nicht eingedeutscht wurden, sondern auch in der deutschen Fassung englisch heißen, weiß nur der deutsche Verleih – im Kino führt es zu unnötigen Irritationen.

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