21. Juli 2017 Johannes Wolters

Die INDAChs Kritik von Kay Delventhal zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“

Dane DeHaan stars in Luc Besson's VALERIAN AND THE CITY OF A THOUSAND PLANETS.

Photo Credit: Lou Faulon
Copyright:  © 2016 VALERIAN SAS Ð TF1 FILMS PRODUCTION.

„VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN“ – basiert auf dem Comic „Valerian und Veronique“ („Valérian und Laureliné“) von j.-C. Meziéres und P. Christin und ist ein wirklich tolles, buntes SiFi Spektakel. Auf jeden Fall sehenswert! Und das aus ganz verschieden Gründen. Und doch gibt es persönliche Kritikpunkte, doch dazu später mehr.

In den 80er Jahren habe ich als Teenager die phantasievollen Bildbände der Weltraumhelden „Valerian und Veronique“ verschlungen. Ich bin tief in die bunten Bilderwelten eingetaucht und habe die vielen Wesen und Planeten geliebt. Und muss heute wohl zugeben das mir damals die Vielschichtigkeit der Charaktere und der Bezug zu realen Problemen wie Landraub, Ausbeutung oder Machtmissbrauch nicht ganz bewusst geworden ist. „Valerian und Veronique“ ist auch ein Statement für Respekt gegenüber anderen und andersartigen. Im Gegensatz zu den vielen amerikanischen Stories ist in diesen Geschichten die Menschheit nicht immer der Gewinner … ganz im Gegenteil.

Der Film bzw. das Drehbuch von Luc Besson interpretiert auf eine etwas vage Weise den Band „Botschafter der Schatten“ („Ambassador of the Shadows“ / „L’Ambassadeur des Ombres“). Mein erster Kritikpunkt: Luc Bessons Drehbuch versucht in den ersten Minuten viel Background zu erklären und ein Setting zu schaffen, was zwar gelingt, aber seinen Preis hat. Ich hatte das Gefühl, als wenn der Film zwar auf die Graphic-Novel aufbaut aber davon ausgeht, dass die heutigen Zuschauer die Comics gar nicht kennen. Mir wäre eine Story die näher am original liegt sympathischer gewesen. Auch weil die Interpretation von Luc Besson eine eigene ist, eine neue und für mich leider nicht ganz gelungen.

Das führt zu meinen zweiten Kritikpunkt: Der Film erinnert mich immer wieder an das „Das fünfte Element“ („The Fifth Element“) und das finde ich nicht so gut, weil die Geschichte von „Valerian und Veronique“ ein eigenes Universum hat, reich an Kreaturen und unterschiedlichen Welten. Als Beispiel möchte ich „Station Alpha“ anführen, die im Film auf eine von Menschen gebaute Raumstation aufbaut („STAR TREK“ lässt grüßen). Im Original Comic gibt es „Central City“, welche von nicht-menschlichen Wesen erbaut wurde. Mit einen Rat ohne zentrale Gewalt. Welcher dann auch noch die Menschen für Hundert Jahre verbannt. Das Filmdesign der „Station Alpha“ wirkt unübersichtlich, wie ein Mischung aus Borg-Würfel und Balde-Runner. Es fehlt ihm die fantastische, außerirdische Qualität der „Central City“ aus den Comic-Büchern.

Das führt mich zu dem Filmtitel: „VALERIAN“  … warum denn nicht: „Valérian und Laureliné“? Noch im Pressheft zum Film wird darauf hingewiesen, dass die Heldin selbstbewusst und stark angelegt sei. Ich würde sagen, dass der Filmplot sehr vorhersehbar ist und Laureliné im Comic deutlich emanzipierter dargestellt wird. Deshalb wundert es auch niemanden, dass am Ende der Prinz seine Prinzessin bekommt.

Mein letzter Kritikpunkt bezieht sich auf das Handwerkliche: Da ich den Film in 3D (Stereo) sehen durfte, ist mir aufgefallen, dass es am Anfang des Films kleine und größere Fehler gibt. Flackernde Kanten, falsches Depth-Sorting, etc. Nun, der Film wäre nicht in den Kinos, wenn die Fehler so groß wären, dass sie den Sehgenuss stark mindern würden, fällt aber trotzdem auf.

Jetzt möchte ich auf Gründe zu sprechen kommen den Film gut zu finden, die nicht direkt im Kino zu sehen sind. Luc Bessons Ehefrau Virginie Besson-Silla ist die alleinige Produzentin von „VALERIAN“. Das ist ein Novum in Zeiten, wo Filme häufig von einer ganzen Gruppe an Produzenten produziert werden. Es ist bemerkenswert und in Europa eine große Leistung. Auch das die Dreharbeiten ausschließlich in der „Cité du Cinema“ im Norden von Paris stattfanden ist bemerkenswert. Last not least, möchte ich erwähnen, dass Luc Besson im Rahmen der Design-Entwicklung ein Wettbewerb, in Zusammenarbeit mit Yahoo, ausgeschrieben hatte wo Jeder Artist seine eigenen Entwürfe einreichen konnten. Am Ende wurden aus tausenden Einreichungen 20 Kostüme ausgewählt, die dann auch in den Film gekommen sind.

Mein Resümee zu „VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN“ ist, dass der Film sehenswert ist. Ich hätte mir noch gewünscht, dass deutlich mehr der vielen Visual Effects in Europa bzw. Deutschland gemacht worden wären. So wurde nur ein kleiner Teil der VFX bei Mac Guff in Paris hergestellt, der größere Teil aber bei Weta Digital, Industrial Light & Magic und Rodeo FX.

Kay Delventhal

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