24. April 2018 Johannes Wolters

Die INDAChs Kritik von Pauline Flory zu Nick Parks „Early Man“

Die Geschichte des Animationfilms „Early man“ vom Regisseur Nick Park ist meiner Ansicht ziemlich dünn und abgegriffen. Der Film greift auf eine klassische Figurenkonstellation zurück. Auf der einen Seite haben wir die mutige und neugierige Hauptperson Dug und seine Gefolgschaft, die naiven und unschuldigen Steinzeitmenschen. Auf der anderen Seite steht Lord Nooth stellvertretend für die höhere Evolutionsstufe. Ein gieriger, arroganter, jähzorniger und despotischer Charakter, der aber zugleich auch feige und grotesk wirkt. Er repräsentiert das klassische Muster des Bösen.
Leider lässt diese klischeehafte Zeichnung der Hauptfiguren wenig Spielraum für eine möglich aufkommende Spannung. Der Zuschauer durchschaut die Geschichte schnell und der Verlauf wird vorhersehbar. Zudem bestärkt die weibliche Figur Goona diesen Eindruck, auch wenn sie Anlass zum Nachdenken gibt.

Pauline Flory

Als Außenseiterin unter den Bronzezeitmenschen wechselt sie die Seiten, um ihren Traum zu verwirklichen. Denn während die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau bei den Steinzeitmenschen noch nicht definiert zu sein scheint, verbietet die angeblich fortgeschrittene Bronzezivilisation der Figur Goona Fußball zu spielen. Zudem herrscht bei den Bronzezeitmenschen eine starke von Geld und Macht regierte Hierarchie. Hier übt der Regisseur Kritik gegenüber einer Gesellschaft aus, in der Fortschritt und Gerechtigkeit schwer in Balance zu halten sind.
Die Stärke des Films liegt wie gesagt nicht in seiner Handlung. Vielmehr erhält der Zuschauer den Eindruck, dass die Geschichte mehr als Vorwand benutzt wird, um die für Aardman typischen visuellen als auch verbalen Gags inszenieren zu können. Dennoch machen Anachronismus, Diskrepanz, Slapsticks und Augenzwinkern auf unsere moderne
Gesellschaft“ Early man“ zu einen unterhaltsamen Film. Eine Fülle an liebevollen und versteckten Details als auch Referenzen lädt den Zuschauer ein, den Film genauer unter die Lupe zu nehmen. Und das sogar sprichwörtlich. Während es heutzutage Gang und Gebe ist unter den Animatoren eine technisch perfekte Animation herzustellen, ist es um so erfreulicher, haptische Spuren wie Fingerabdrücke und Fussel auf der Knete zu entdecken. Die manchmal grobe und limitierte Animation passt sehr gut zum Thema und seinen Figuren. Es gibt keine unnötigen
Virtuositätsvorführungen in der Animation, die nicht der Geschichte dienen würden. In der Hinsicht ist der Film sehr mutig und gelungen. Nebenbei ist zu erwähnen, das Dug und sein lustig, treuer tierischer Begleiter Hognob die Stammeseltern von „Wallace and Grommit“ sein könnten. In der Originalfassung „Early man“ wird Hognob sogar von Nick Park persönlich synchronisiert. Im Großen und Ganzen hat mir „Early man“ viel Spaß bereitet. Wünschenswert wäre eine Vertiefung des Kampfes zwischen den unterschiedlichen Zivilisationen und dessen Auswirkung gewesen. Auch wenn viele interessante gesellschaftliche Fragen angerissen werden, so werden sie dennoch nur oberflächlich behandelt. Ich hätte mir persönlich eine Vertiefung dieser Thematik gewünscht.

Pauline Flory

Puppentrick-Animatorin

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