2. Oktober 2015 Johannes Wolters

Die Indachs Kritik zu „INSIDE OUT – Alles steht Kopf“ von Elisa Gatzka

„Alles steht Kopf“ ist in meinen Augen inhaltlich der mutigste und innovativste Animationsfilm seit Langem. Zu meiner Freude wird kein vorhersehbarer „Gut-gegen-Böse“-Plot und auch keine ausgelutschte „Prinzessin-sucht-Traumprinz“-Story erzählt. Der Film handelt von den Abenteuern der Gefühle – Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel – eines kleinen Mädchens namens Riley in einer schwierigen Phase ihres Lebens. Die Geschehnisse der realen Außenwelt und Rileys emotionaler Innenwelt verflechten sich zu teils witzigen, teils überraschend tiefsinnigen und emotionalen Handlungssträngen.

Während die Außenwelt dem disneytypischen Klischee einer perfekten Familie entspricht, eröffnet die Innenwelt einen bunte, fantasievolle und detailverliebte Interpretation der menschlichen Gefühls- und Gedankenwelt: die Hightech-Steuerzentrale (hier arbeiten die Gefühle), die nicht enden wollenden Regale im Langzeitgedächtnis, das düstere Unterbewusstsein oder die quietschbunte Kreativität sowie Phänomene wie Gedanken, Erinnerungen, Déjà-vus, Ohrwürmer oder das Vergessen ergeben ein wundervolles Abenteuerland. Meine persönlichen Highlights sind das Abstrakte Denken, die „Traumfabrik“-studios (hier werden die Träume gedreht) inklusive einem Regenbogen-Einhorn als Soap-Ikone und vor allem Bing Bong – Rileys in Vergessenheit geratener, imaginärer Freund. Er ist eine Mischung aus Elefant, Delfin und Zuckerwatte und fährt einen Bollerwagen mit liedgesteuertem Regenbogenantrieb … einfach genial 🙂

Lediglich das Character Design der Gefühle ist etwas enttäuschend. Zunächst ist die Darstellung der Gefühle innerhalb Rileys Familie inkonsistent: Während die Gefühle der Eltern diesen sehr ähnlich sehen und vergleichsweise abstrakter dargestellt werden, konnte ich bei Rileys Gefühlen keinerlei Ähnlichkeit zu ihr entdecken, sie sind sogar unterschiedlichen Geschlechts. Ihre Gefühls-Charaktere wirken auch nicht, wie aus einem Guss:  Wut ist ein stark reduziertes, quadratisches und oft brennendes Wesen, während Freude und Ekel sehr menschlich anmuten. Zudem sehen sich die Beiden in Körperform als auch Farbgestaltung zu ähnlich. Ob es pädagogische sinnvoll ist Kummer als kleine, faule und pummelige Brillenträgering zu präsentieren, lasse ich mal dahingestellt.

Insgesamt hatte ich viel Freude an dem Film. Er ist spannend, witzig und einfach nur schön. Nur für ganz kleine Kinder kann das Konzept der Innenwelt evtl. schwer zu verstehe sein. Allen anderen großen und kleinen Animationsfans kann ich „Alles steht Kopf“ auf jeden Fall empfehlen.

Elisa Gatzka

https://www.behance.net/ElisaGatzka

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