6. Oktober 2015 Johannes Wolters

Die Indachs Kritik zu Pixars „Alles steht Kopf /Inside Out“ von Regina Bensch und Tina Junge

Wolltet ihr auch schon mal wissen, was in dem Kopf eines anderen vorgeht? Natürlich wolltet ihr das, ihr Schlingel ihr! Die kreativen Köpfe von Disney/ Pixar  gewähren uns deswegen nun  im neuen  Animationsfilm „Alles steht Kopf“ einen ziemlich genauen Einblick in den Verstand der 11-jährigen Riley.
Kurz nach Rileys Geburt ist auch die Emotion FREUDE da. Im Hauptquartier, dem Kontrollzentrum mitten im Kopf des kleinen Mädchens, hat FREUDE ganze 33 Sekunden lang Riley für sich allein und erlebt wie die erste Kern-Erinnerung in Rileys Gedächtnis Platz findet. Doch dann ist die Zweisamkeit vorbei, denn KUMMER erscheint und nach ihr ANGST, EKEL und WUT.
FREUDE erkennt  dass sie Riley teilen muss – übernehmen doch die anderen Emotionen auch wichtige  Aufgaben. ANGST ist Experte in Sachen Sicherheit, WUT passt auf, dass immer alles gerecht zugeht und EKEL achtet darauf dass Riley sich nicht vergiftet – körperlich wie auch mental. Nur KUMMER  weiß nicht so recht – und mit ihr die anderen Emotionen – was genau ihre Aufgabe ist, denn außer bei Riley die Tränen fließen zu lassen scheint sie wenig von Nutzen. Doch das Rätsel um KUMMERs Nutzen hält die anderen Emotionen nicht davon ab, die alltäglichen Pflichten zu erfüllen. Fleißig sammeln die sie die Erinnerung jeden Tages, um sie in Kugelform abends durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem ins Langzeitgedächtnis zu schicken. Nur die Kern-Erinnerungen bleiben im Hauptquartier. Aus diesen besonders wichtigen Erinnerungen entstehen die fünf Persönlichkeits-inseln, die alle das Wesen der kleinen Riley ausmachen und formen.

FREUDE gelingt es, Riley gut durch die ersten Jahre des Lebens zu bringen, mit einer Fülle an glücklichen Erinnerungen. Doch Riley stehen große Veränderungen bevor. Der Vater eröffnet der Familie, dass er einen neuen Job am anderen Ende des Landes angenommen hat. Nun geht es von einer Kleinstadt in Minnesota auf nach San Francisco. Dort angekommen, macht das neue Haus einen gruseligen Eindruck und das Umzugsunternehmen hat die vertrauten Möbel noch nicht geliefert. So muss Riley in einem Schlafsack auf dem Boden schlafen und soll am nächsten Tag doch tatsächlich Pizza, die mit dem verhassten Feind Brokkoli belegt ist, verspeisen. ANGST und EKEL schlagen Alarm. Da sammelt die neue Heimat nicht viele Pluspunkte, aber dennoch schafft es FREUDE die Stimmung erstmal oben zu halten.
Bis zum ersten Schultag. Der geht, dank KUMMER, gründlich schief. Denn die kleine, blaue Emotion kann – aus ihr unbekannten Gründen – einfach nicht die Finger von den Erinnerungskugeln lassen und schafft es doch tatsächlich eine glückliche Erinnerung in eine Traurige zu verwandeln, so dass Riley  vor der neuen Klasse in Tränen ausbricht. Nach diesem peinlichen Erlebnis kommt doch glatt auch mal WUT auf den Plan, der für einen dicken Streit mit dem sonst geliebten Papa sorgt, als dieser Riley nach dem ersten Schultag befragt.
Das „Hauptquartier“ in Rileys Kopf hat nun mächtig was zu tun. Zu allem Übel werden durch einen Unfall FREUDE und KUMMER,  mitsamt den Kernerinnerungen, in die entlegenen Bereiche von Rileys Verstand gesaugt. Jetzt sind ANGST, EKEL und WUT zum ersten Mal auf sich allein gestellt und FREUDE und KUMMER müssen einen Weg zurück ins Hauptquartier finden…und das möglichst schnell, denn gerade jetzt braucht Riley all ihre Gefühle um die schwere Anfangszeit im neuen Heim zu überstehen. 
Diese Geschichte ist alles – nur kein Kinderkram!
Jüngere Kinder werden den Film spaßig finden, denn es gibt ja den immer so ulkig „in die Luft gehenden“ WUT und Bing Bong, den vergessenen imaginären Freund aus Rileys Kleinkindertagen.
Die Reise von FREUDE und KUMMER durch den Verstand ist ein klassisches Abenteuer, mit einer riesigen Spannbreite fantastischer Ideen und Running Gags. Auch Erwachsene und Kinder, die ungefähr in Rileys Alter sind, werden mit guter Laune aus diesem Film gehen, denn Regisseur Pete Docter, auch verantwortlich für „Die Monster AG“ und „Oben“, schafft es wieder mal einen Film für alle Altersklassen zu schaffen.
Wie das Ganze „Wirrwarr“ in jedermanns Kopf (vielleicht) funktioniert, wird hier wunderbar fantasievoll, lustig und herzerwärmend erzählt. Und sollten Sie nicht zufällig Bon Bons weinen – wie Bing Bong – dann sollten sie sich vielleicht auch ein Taschentuch einstecken.


Eine Kritik von
Tina Junge und Regina Bensch von Zwölfauge

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