25. November 2015 Johannes Wolters

Die INDAChs Kritiken von Agon Ushaku und Tina Junge zu Pixars „Arlo & Spot“

Arlo & Spot oder „Was wäre wenn…“
„Was wäre wenn…“ – das ist die Frage, die der Story von „Arlo & Spot“ zugrunde liegt. Die Antwort darauf liefert Pixars Fantasie: Wie könnte die Welt heute aussehen, wenn der Meteorit vor 65 Millionen Jahren die Erde nicht getroffen hätte? Alles wäre anderes verlaufen – und das hat Pixar nicht nur durch die Story dargestellt, sondern wie ich finde auch durch die gesamte Ausführung des Projekts. Die Dinos sind in dieser Welt (vorerst) die intelligentesten Kreaturen, und Menschen schlüpfen in die Rolle von Haustieren. Die Handlung erzählt nun von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Arlo, einem ängstlichen Dinosaurier, der seinen Weg nach Hause sucht, und seinem neuen Begleiter, dem kleinen Menschenjungen Spot. Die Charaktere funktionieren in ihren Rollen wunderbar, und die von ihnen gemeinsam erlebten Abenteuer sind emotional bewegend und innerhalb der hier dargestellten Welt glaubwürdig. Das Ganze wird garniert durch atemberaubende Kulissen, wie man sie bislang eher in Filmen wie „Der mit dem Wolf tanzt“ oder in National-Geographic-Dokus gesehen hat. Pixar hat mit „Arlo & Spot“ ein neues Werk vollbracht, das sich etwas mehr zu experimentieren traut als es sonst bei Produktionen aus diesem Haus üblich ist. Wie das gelungen ist? Im großen und ganzen gut – aber ein paar Schwächen hat das Werk dennoch: Trotz der Konsequenz, mit der die Story die initiale Frage „Was wäre wenn“ behandelt, wirkt sie stellenweise nicht ganz so rund, wie man es von Pixar sonst kennt. Und die optische Umsetzung ist eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus realistischen Kulissen mit High-End-VisualFX und comic-artigen Charakteren. Beide funktionieren für sich allein betrachtet wunderbar – passen zusammengesetzt dann aber doch nicht hundertprozentig zusammen. Die Frage „Was wäre wenn“ stellt sich also auch in der Bedeutung „…die Welt realistisch ist und die Charaktere eher nicht?“ Auf der Produktionsebene scheint es, als ob die komplette Realisation dem Nachwuchsteam überlassen wurde und die „Brain-Trust“ Gruppe nur marginal oder gar nicht in die Optimierung von Story und Design involviert war. Zumindest kommt es mir so vor. Dennoch ist „Arlo & Spot“ alles in allem schöne Unterhaltung, die für Klein und Groß zu empfehlen ist. Tatsächlich haben die Grundidee und die hier vorgestellte Welt so viel Potential, dass ich mich freuen würde, irgendwann in den nächsten Jahren ein Sequel oder sogar Prequel mit Fokus auf „Spot“ zu sehen. Denn er zählt schon jetzt zu meinen Lieblings-Pixar-Charakteren.

Agon Ushaku, Stuttgart

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In einer Welt, in der die Dinosaurier nie von einem Meteoriten ausgelöscht wurden, kämpfen die noch junge Gattung Mensch und die Riesenechsen ums Überleben. Die Dinos haben sich inzwischen zu Farmern gemausert und auf einer solchen Farm wird der Apatosaurus Arlo, als jüngster und schwächster  von drei Kindern geboren. Zwar versucht er stets seine Familie tatkräftig zu unterstützen, doch fürchtet er sich vor allem und jedem. Durch diese scheinbar angeborene Angst, scheitert er immer wieder an den einfachsten Aufgaben. Auch das sein starker Bruder Buck und seine gewitzte Schwester Libby ohne größere Schwierigkeiten ihre Pflichten erledigen, macht die ganze Situation für Arlo nicht gerade leichter. Auch der Versuch des Vaters, Arlo durch das Einfangen eines frechen Schädlings, mehr Selbstvertrauen zu vermitteln, endet in einer Katastrophe. Als Arlo dann durch einen Unfall  in einen reißenden Fluss, nahe der Farm, fällt und fortgespült wird, muss er sich in einer fremden Umgebung  seinen Ängsten stellen. Immerhin tut er dies nicht allein, denn der Schädling, der sich als wilder Menschenjunge namens Spot entpuppt, steht ihm knurrend zur Seite. Zwar dauert es bis Arlo mit dem seltsamen und mutigem Wesen, etwas anfangen kann, doch entwickelt sich nach und nach eine eigenwillige, aber feste Freundschaft zwischen den beiden. Und Arlo kann auf der weiten Reise zurück nach Hause wirklich jeden Freund gebrauchen.
„Doppelt hält besser“ scheint dieses Jahr das Motto von Disney /Pixar zu sein. Im Jahr 2015 bringt das Animationsstudio zwei Filme in die Kinos. Neben „Arlo & Spot“, der am 26.11.2015 startet, lief kurz zuvor bereits „Alles steht Kopf“ in den Lichtspielhäusern. Und das ist auch eines der größten Probleme, eines eigentlich nicht schlechten Films. Denn auch wenn der Kniff, die Dinosaurier nicht ausstreben zu lassen, der gerade zu Beginn des Films für einige fantasievolle Einstellungen sorgt (z.B. Papa und Mama Dino bei der Feldarbeit), so kommt die solide, aber wenig überraschende Story, nicht an das herausragende  „Alles steht Kopf“ heran. Im Herzen ist und bleibt die  Geschichte von Arlo und Spot eine typische „Ein Junge und sein Hund“- Erzählung,  nur das hier der Junge eine Dinosaurier, und der Hund ein Junge ist.
 Schade ist auch, dass es Arlo recht schnell in die Wildnis verschlägt und man dadurch nur wenig von dem interessanten Alltag und der selbst auch ziemlich interessanten Farmer-Familie zu sehen bekommt. Dafür hat man aber genügend Zeit den eigentlich Star des Films zu bewundern: die Natur selbst. Denn die Landschaft (Ach, diese Landschaft!!), die Arlo und Spot auf ihrer lebensverändernden Reise durchqueren, ist wahrhaft atemberaubend schön! Bäume, Gebirgszüge, Bäche und der Himmel wirken alle überzeugend echt und sind so imposant in Szene gesetzt, dass man immer wieder vergisst, dass all diese Details letztendlich Computerpixel sind.
Das Design der Dinosaurier ist sehr auf die kleinsten Zuschauer gemünzt. An sich keine schlechte Sache, doch da Arlo einen ganz schön großen Leidensweg vor sich hat und jeder Schlag, den der kleine Dino abbekommt, extrem realistisch und schmerzvoll wirkt, könnte das die jüngeren Zuschauer, gerade wegen des knuffigen Designs, verstören. Als Richtlinie für Eltern würde ich folgendes vorschlagen: wenn mein Kind „König der Löwen“ packt, dann wahrscheinlich auch „Arlo und Spot“.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass der neueste Streifen aus dem Hause Disney/Pixar, ausgestattet mit wunderschönen Landschaftsbildern und einer guten, wenn auch vorhersehbaren Story, ein sehenswerter Film ist, den man unbedingt auf der größtmöglichen Leinwand genießen sollte. Denn: Ach, diese Landschaft!!
Eine Kritik von Tina Junge von Zwölfauge

 

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