27. Mai 2016 Johannes Wolters

Die Kommentare zum Kommentar: „Bemerkungen zur Preschool-Falle des deutschen Animationsspielfilms“

Indachs von Lars Seifert

Nach zwei Blog-Kommentaren meinerseits, zum einen: „Währenddessen in Deutschland“ und zum anderen „Bemerkungen zur Preschool-Falle“ gibt es von Eurer Seite jede Menge Kommentare – Hier zum immer wieder Nachlesen, die erste Ladung, es folgen weitere Posts zu diesem Thema, hoffentlich mit noch mehr Kommentaren, Vorschlägen, Gründen für und wider der geäußerten Meinungen. Wir wissen alle zuwenig und tauschen uns zu wenig aus. Ich finde es toll, das es hier einen Beginn zu einer grundsätzlichen Diskussion gibt! Ich freue mich deshalb ungeheuer über weitere Wortmeldungen. Und bitte teilt dies nach Euren Möglichkeiten mit Euren Freunden und Kollegen.

Hier also die Kommentare von Sonja Knyssok, Wolfram Spaeth, Jan Buechse, Timo Berg und Mario Reitbauer!

 

Ihr dürft das hier gerne in euren Social Networks teilen.

Kommentar von Sonja Knyssok:

…Guter Kommentar. Um aus der Pre-school-Falle heraus zukommen müsste erst mal die Filmförderung und die Produzenten erkennen, dass es überhaupt eine Falle ist. Es gibt halt in Deutschland immer das Motto: Mehr vom gleichen. Gut, das gibt es auch in amerikanischen Studios, aber sie trauen sich eben genau so oft auch, etwas neues zu wagen. Was mich ehrlich geschockt hat bei der diesjährigen ITFS war die Einsicht, nun müsste, könnte, sollte, man viieellleicht mal anfangen mit Family-Entertainment. Ja, das hätte man auch schon vor 10 Jahren mal überdenken können. Leider gibt es in Deutschland aber die Kluft: Pre-school oder Erwachsenenkino. Totales Merchandising (Prinzessin Lillifee) oder so anspruchsvoll und abgedreht, dass es es sich nur eine winzige Zielgruppe anschaut. Das letztere hat oft nicht funktioniert (seltsam seltsam). Daher lieber gar nichts Neues wagen. Dass ein Film aber eine gute Story haben kann, kindgerecht sein kann und dennoch auch die Erwachsenen unterhalten kann, das wird von vornherein ausgeschlossen. Das importieren wir lieber aus Amerika. Es stimmt: Das Argument Geld ist nur vor geschoben. Denn eine gute Story ist einfach eine gute Story und muss nicht extrem teuer sein. Es muss nur jemand Lust haben, sie zu entwickeln. Aber bei den Produzenten geht dann eben auch sofort die Förderungsschere im Kopf auf: Tolle Idee, aber, aber, aber…das bekommen wir nicht gefördert. Wenn das gefördert werden soll, dann muss es Pre-school tauglich sein und der Humor muss weg, und die Charaktere dürfen sich nicht verlieben ( Kleine Anmerkung: Liebe in Trickfilmen; angefangen von Schnewittchen, Cinderella, bis zu Wall-E, Up, Rapunzel, spielt das Thema eine Rolle). Es ist absolut richtig anzunehmen, dass hier keiner der Pixar Filme, hätte eine deutsche Jury darüber abgestimmt, es je ins Kino geschafft hätte. Ich kann Wolfram nur zustimmen, dass auswandern die beste Idee ist.

Kommentar von Wolfram Spaeth:

Guter Kommentar! Mir stinkt es auch gewaltig! Ich bin sehr froh nicht heute aufwachsen zu müssen.. und wenn ich ein Kind hätte, würde ich ihm lieber Klassiker zeigen. Komischerweise schaffen es amerikanische Produktionen auch die Preschool-Gruppe zu erreichen und die Eltern trotzdem nicht zu langweilen. Man denke dabei z.b. an Frozen, das in Kindergärten ein Hit ist.. und trotzdem nicht auf dem gehirnamputierten Niveau deutscher Preschool-Filme.
Zumal sind diese Filme oft für Kinder viel zu lang.. in Skandinavien z.b. gibt es halbstündige Vorführungen an den Nachmittagen, und die Einnahmen durch Getränke und Popcorn sind genauso hoch wie bei Langspielfilmen.

Irgendwie befindet sich Deutschland in einer Einbahnstraße… nicht nur was Animationsfilme angeht. Im Bereich Realfilm hat man das Gefühl, dass Deutschland nur für DDR-Romantik, Stasi-, Nazi-Filme und Sozialdramen bekannt ist. Auch hier traut sich niemand wirklich etwas, z.B. eine schwarze Komödie zu machen wie es sie in Dänemark gibt. Stattdessen wirft man die Filmförderung amerikanischen FX-Blockbustern hinterher. Ich sehe da wirklich schwarz, und denke als Animationsschaffender ernsthaft daran auszuwandern, z.b. nach Canada oder Irland wo es reihenweise erwachsene Produtkionen gibt, auch im 2D Bereich.

Die Kollegen, die jetzt über die ganzen 3D-Preschool Filme jubeln, gucken sich auch langsam um. Die Produktionen sind nämlich äusserst schmal geplant (liegt es evtl. daran das sie wg der kleinen Zielgruppe nur auf Filmförderung angewiesen sind?). Ich bekomme mit das immer mehr Produktionsanteile outgesourced werden.. nach China etc.. auch schon im Bereich 3D-Animation, Storyboard. Ritter Rost 2 wird in gänze in China animiert (ich habe sogar das Studio besucht), Rabe Socke natürlich auch, Molly Monster ebenso, und Biene Maja soweit ich weiß in Australien? Ist ja auch ganz normal mittlerweile.

Aber die Filme wie z.B. Song of the Sea schaffen nachhaltig Arbeitsplätze für viele Leute, da sie einen Qualitätsanspruch haben und größtenteils in Europa produziert werden.

Kommentar von Jan Buechse:

Interessanter Kommentar, aber meines Erachtens wird wieder auf die bestehenden Strukturen, die Verleiher und sonst wen verwiesen, um den suboptimalen Zustand der Animationsindustrie in Deutschland zu begründen. In Zeiten von Crowdsourcing und anderen Mittelgebern sollte sich Qualität,die das Publikum anspricht auch so durchsetzen lassen. Bei den Sendeanstalten und Filmförderungsläden geht es natürlich immer nur um kulturelle Identität, siehe… http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/oeffentlich-rechtliche-mit-fragwuerdigen-strukturen-13727340.html

Kommentar von Timo Berg:

Sehr guter Kommentar! Ich denke du bringst nen guten Blickwinkel auf das Thema mit. Als ich damals noch in Deutschland in der Ausbildung war und mit Leuten aus Produktionsfirmen und dem Fernsehbereich an sich zu tun hatte, wurde mir immer wieder gesagt wenn ich Qualitaet bemaengelt habe, egal ob technisch oder Inhaltlich: „Mach dir keine Sorgen das versendet sich schon!“ Heutzutage habe ich das Gefühl das sich diese Kultur auch durch den kompletten Filmbereich in Deutschland zieht. Wenige versuchen das beste was möglich ist zu machen. Und wenn man es doch versucht wird man noch schief angeguckt warum man sich so einen Aufwand macht wenn man doch auch schon mit viel weniger Qualität das gleiche Geld verdienen kann. Und wenn man dann floppt auch noch ueber einen Lustig gemacht wird das man es doch vorher schon gewusst hat dass das nichts wird. Wenn nicht der Zuschauer selber den Preis bezahlt wie es im Fernsehen der Fall ist und der Fernseher halt nebenbei nur lauft funktioniert das. Dabei dreht sich die Spirale dann immer tiefer, wie das Nachmittagsprogramm von RTL und Co. zeigt. Denn Werbeeinnahmen drehen sich nur um eine imaginäre Zuschauerquote und nicht um die Qualität des Produktes. Im Kino ist das aber anders. Da muss man selber in die Tasche greifen und sich aussuchen wofür man Geld ausgibt. Und dann reicht dem Zuschauer halt nicht einfach nur ein „das versendet sich schon“ oder “ für die Kinder reicht das schon“ da will man dann ernsthaft unterhalten werden. Und ganz ehrlich wer geht den freiwillig in einen deutschen Animationsfilm für 10-15 Euro anstatt in einen von Disney oder Pixar. Das wäre das gleiche als wenn alle Handys das gleiche kosten würden und ich mich zwischen dem neuesten I-phone und einem 3210 von Nokia entscheiden müsste. Auch da fällt die Wahl nicht sonderlich schwer. Da allerdings heutzutage fast alle deutschen Kinofilme von Fernsehstudios mitproduziert oder gefördert werden ist es nicht vollkommen abwegig das da der ein oder andere vielleicht den falschen Blick auf die Dinge hat. Ich würde gerne mal mit ein paar Leuten der Filmförderung reden und fragen ob die Produktionen die sie unterstützen auch welche sind die sie sich selber angucken würden. Wenn das im Realfilm oder Kurzfilmbereich evtl. noch der Fall sein kann fällt das Ergebnis meiner Meinung nach im Animationsfilmbereich mit Sicherheit vernichtent aus.

Es gibt nen ganz cooles Buch von Tim Wiegers ueber alternative Finanzierungsmoeglichkeiten von Filmen. Das ist auch nicht komplett. Aber es stehen ein paar interessante Dinge drin:

https://www.amazon.de/Indie-Revolution-Independentfilm-Finanzierung-Distribution/dp/3956451880/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1464256596&sr=8-1&keywords=tim+wiegers

Kommentar von Wolfram Spaeth:

Wäre interessant zu wissen ob in Baden-Württemberg und Hessen überhaupt Alternativen zur Förderung eingereicht wurden, die neu, originell und nicht im Preschool Bereich waren. Ein anderer Grund ist das die Förderung ja bestehende Strukturen und Studios erhalten sollte.. damit sie weiter Fuss fassen können, Arbeitsplätze erhalten werden usw.. Diese Studios reichen oft auch nur ein Projekt ein, um sich nicht selber Konkurrenz zu machen.. und dann jeweils immer das Vielversprechendste.. oft eine Fortsetzung. Wahrscheinlich traut sich schon keiner mehr was.

 

Kommentar von Mario Reitbauer:

Aber ich muss gaaaaanz klar dazu sagen. Man kann Filme wie Frozen nicht mal im Ansatz mit Filmen in DE vergleichen. Die Perfektion die Disney und Pixar in ihren Filmen erzielen (und da rede ich nicht von der technischen Seite sondern von Drehbuch, Dramaturgie und vor allem Staging, Animation und Layout) wird in Deutschland fuer Jahre (ich behaupte Jahrzehnte) unerreichbar bleiben. Klar es koennen gute Filme in Deutschland zustande kommen aber bitte lasst die Vergleiche mit Disney und Pixar.

 

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