13. April 2018 Johannes Wolters

DRESDEN: LATENTE BEWEGUNG Piotr Kamler – Materie und Zeit Eine Ausstellung des Deutschen Instituts für Animationsfilm, 20.4.–15.8.2018

Im Jahr seines 25. Gründungsjubiläums präsentiert das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) eine Sonderausstellung zum Werk des polnischen Animationskünstlers Piotr Kamler.

Gezeigt werden nicht nur elf der über 20 philosophisch-fantastischen Filme des Künstlers sowie Foto- und Videomaterial, das einen Einblick in seine Arbeitsweise gewährt. Erstmals außerhalb Polens sind auch Kamlers „Raumstrukturen“ aus Metall und Papier zu sehen. Diese filigranen Skulpturen eröffnen neue Blickachsen auf Kamlers prämiertes narratives wie abstraktes filmisches Werk.

Die unergründlich-geheimnisvolle Beziehung von Bewegung und Zeit ist die Gravitationskraft im Werk Piotr Kamlers. Für ihn ist Bewegung weitaus mehr als Ausdruck ästhetischer Werte. Sie bedeutet die Schöpfung von Räumen voller metaphysischer Kraft. Das Experimentieren mit Materialien und Verfahren machte Kamler zu einem der produktivsten Forscher im Umfeld von Pierre Schaeffer, dem Pionier für elektroakustische Klänge beim französischen Rundfunk (ORTF).

Mit der Personalausstellung würdigt das DIAF das Werk eines Grenzgängers zwischen Ost- und Westeuropa. Piotr Kamler und seine Ehefrau Krystyna, die neben ihrer Arbeit als Bühnenbildnerin an einigen seiner „französischen“ Filme mitwirkte, pendelten beruflich zwischen Paris und Warschau. Nach rund 25 Jahren in Frankreich lebt das Paar wieder in Warschau, wo sich Kamler neben seiner Arbeit an „Computerfilmen“ (Wortschöpfung Kamler) Skulpturen widmet. Bis heute verbinden ihn Freundschaften mit bedeutenden Künstlern aus Polen und Frankreich. Eine Doppelausstellung im polnischen Łańcut widmete sich 2017 seinen und Witold Gierszs Arbeiten.

Die Grande Dame der elektroakustischen Musik, Beatriz Ferreyra, die mehrere Kamler-Filme mitgestaltete, wird bei der Dresdner Vernissage anwesend sein. Dabei wird auch die jüngste Kooperation zwischen Kamler und Ferreyra, 5 visuelle Stücke für Computer solo, präsentiert. Eine solche Zusammenarbeit zwischen Komponisten und Animationskünstlern fand in West- wie Osteuropa gleichermaßen statt: Beispielsweise wurde ab den 1960er Jahren auch in Köln (WDR) und Ostberlin (Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt RFZ in Adlershof) gemeinschaftlich künstlerisch zur elektroakustischen Musik geforscht. Ergebnisse waren u. a. einige Animationsfilme des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden.

Im Europäischen Kulturerbejahr und dem eigenen Jubiläumsjahr 2018 sowie mit Blick auf die Bewerbung Dresdens als europäische Kulturhauptstadt hat sich das DIAF für die Ausstellung eines „Wanderers zwischen den Welten“ entschieden – sammelt und forscht das Institut doch selbst sowohl zu ost- als auch westdeutschen Künstlern und arbeitet zunehmend international.

Ausstellungseröffnung

19. April 2018 um 15 Uhr in den Technischen Sammlungen Dresden

in Anwesenheit von Piotr Kamler und Beatriz Ferreyra im Rahmen des 30. Filmfests Dresden

Ausstellung

20. April 2018 bis 15. August 2018

Technische Sammlungen Dresdenm Junghannsstr. 1-3 01277 Dresden, 2. OG rechts

Öffnungszeiten Di-Fre 9-17 Uhr sowie Sa, So Feiertag 10-18 Uhr

Filmstill aus Une mission éphémère (Piotr Kamler, Polen, 1993), Copyright: aaa production

Zwei ausstellungsbegleitende Filmprogramme beim30. Filmfest Dresden

„Latente Bewegungen1“ 18.4., 18 Uhr, PK Ost und am 21.4., 12.30 Uhr, Museumskino

„Latente Bewegungen 2“ 19.4., 18 Uhr, PK Ost und am 22.4., 14 Uhr, Schauburg

Piotr Kamler

Piotr Kamler, geboren 1936 in Warschau, absolvierte die Fakultät für Grafik an der Akademie der Schönen Künste in seiner Heimatstadt. Ende der 1950er Jahre produzierte er seinen ersten animierten Film Miasto (Stadt). Ein Stipendium von Eugeniusz Kucharski, dem Direktor der Université Populaire de Paris, führte Kamler in die französische Hauptstadt. Dort lebte er von 1959 an, setzte zunächst sein Studium fort und arbeitete bald mit Pierre Schaeffer sowie mit Musikern wie François Bayle und Luc Ferrari zusammen. Kamler schuf zahlreiche Animationsfilme, darunter das Langmetragewerk Chronopolis (1982). Im Jahr 1986 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und widmet sich seit einigen Jahren den „Raumstrukturen“, Skulpturen aus Metall.

Dank an Leihgeber, Förderer und Partner

Die Ausstellung wird unterstützt vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur und der Landeshauptstadt Dresden und entstand in Kooperation mit dem Filmfest Dresden, den Technischen Sammlungen Dresden, dem Polnischen Institut Berlin, Filiale Leipzig, dem Institut français Dresden, dem Kraszewski-Museum Dresden, dem Nationalen Kulturzentrum Polen, aaa production, dem Centre National du Cinéma sowie Citia – Festival d’Annecy.

 

Das DIAF

Das Deutsche Institut für Animationsfilm, gegründet am 16. November 1993 in Dresden, ist als bundesweit einzigartige Sammlungs- und Informationsstätte zum Animationsfilm drei Hauptaufgaben verpflichtet: Archivierung, Forschung und Präsentation. Das Archiv bewahrt seit 1993 regionales und nationales Filmerbe von 1930 bis heute und hat insbesondere mit seiner einzigartigen Sammlung zum DEFA-Studio für Trickfilme Dresden internationale Bedeutung. Zu den Beständen des DIAF gehören heute unter anderem etwa 4500 Filmkopien, rund 100.000 Zeichentrick-Folien, circa 1.500 Puppen- und 3300 Silhouettenfiguren sowie Tausende Entwürfe zu Figuren, Szenen und Hintergründen. Zentral für die DIAF-Arbeit ist die enge Kooperation mit den Technischen Sammlungen Dresden, wo das Archiv verortet ist und Dauer- wie Sonderausstellungen des Instituts präsentiert werden.

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