13. Februar 2018 Johannes Wolters

Hier die INDAChs Kritik von Alena Nicolai zu Guillermo del Toros „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

Hi Johannes,

vielen herzlichen Dank, dass ich mitgehen durfte. ein toller Film! Hier mein Bericht:

Das Flüstern des Wassers (dt Titel) erzählt die Geschichte einer stummen Frau namens Elisa (S. Hawkins), die ihren Unterhalt in der Nachtschicht der Putzkolone eines geheimen US-Forschungszentrum verdingt. Mir wird Einblick gewährt in ihren Alltag der sechziger Jahre. Ohne große Aufregung lebt Elisa über einem nie besuchten Kino und ihre einzigen Freunde sind ein alternder Werbezeichner (R. Jenkins) und ihre Schichtpartnerin (O. Spencer). Beide erscheinen neben der stummen Frau laut und polternd. Ich sehe ein zartes Mauerblümchen, dass von ihrem Umfeld liebevoll nachsichtig behandelt, doch nicht wirklich ernstgenommen wird. Nichts verändert sich in ihrem Leben und so lauscht Elisa leise den Sorgen und Gedanken ihrer Mitmenschen, dafür nehmen diese ihre kleine Eigenheiten hin.

Doch der Eindruck trügt. Elisa trifft im Labor auf eine Meeresfigur (D.Jones), die  der Sicherheitschef Strickland (M.Shannon) gefangen genommen hat und im Rahmen der Forschung „untersucht“. Neugierig und furchtlos fühlt sich Elisa magisch zu der menschenähnlichen Kreatur hingezogen und merkt, dass sie von ihr verstanden wird. Doch das zärtliche Band droht zu zerbrechen als Strickland den Befehl gibt das Wesen zu töten. Mit Unterstützung ihrer Freunde und des Forschers Hofstetler (M. Stuhlbarg) unternimmt Elisa einen Rettungsversuch.

The Shape of Water der neue Film von del Toro ist ein Theaterstück. Der Kinosaal endet heute nicht vor einer flachen Wand, sondern vor einer Bühne, auf der sich ein seltsames Schauspiel entwickelt. Zarte Klänge dringen an mein Ohr, die Töne untermalen den Lauf des Wassers. Sind mal fließend, mal tröpfelnd, zart wie der Hauch einer Umarmung, fügen sie sich harmonisch in das Bild des Auges ein. Wenn ich allerdings nach einer bestimmten Melodie suche bleibt sie mir zunächst verschlossen. Sie sticht nicht hervor, vielmehr ist sie ein wundervoll eingesetztes Stilmittel, welches die Atmosphäre trägt und dem Stück Tiefe verleiht. Ich hoffe sehr, dass mich der Soundtrack, später zu Hause, wieder mitnehmen kann in dieses leise Märchen… im jetzt und hier suche ich vergeblich den Orchestergraben. Auch das Licht ist hervorragend, manchmal habe ich das Gefühl, dass es auf versteckte Tropfen fällt und dort reflektiert wird.

Del Toro erzählt diese leise, vorhersehbare, Liebesgeschichte, gebettet in ein bezauberndes detailreiches Setting, dass ich wirklich jedem ans Herz legen kann. Und wenn ich die Bild- und Tonflut beiseite nehme, mich zurück auf die Geschichte besinne und hinter die Fassade blicke, dann hat mich besonders der Kern des Märchen ergriffen: Die (wieder) aktuelle Frage nach Menschlichkeit. „Mensch sein“ definiert sich für Elisa nicht über Sprache oder Aussehen. Menschlichkeit ist ein Gefühl, welches wir leben oder verachten können. Brutal und ungeschönt, wird mir vor Augen geführt worin Unmenschlichkeit endet, welche Grausamkeit sie birgt und welche Zerstörung sie hinterlässt.

Alena Nicolai

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