22. Januar 2020 Johannes Wolters

Kommentare zum Kommentar im Filmdienst Thema: Es ist nicht alles Gold, was glänzt – Ein Kommentar zu einer neuen Kategorie für Visuelle Effekte und Animation beim Deutschen Filmpreis

Ich habe am Dienstag einen Kommentar im Filmdienst geschrieben über die neu eingeführte Lola der Deutschen Filmakademie  für Visuelle Effekte und Animation.

Hier der Link zum Kommentar im Filmdienst!

Der Artikel zeitigte Gegenkommentare.

Da diese etwas verstreut über die verschiedenen Social Media-Kanäle  erschienen sind, sammle ich sie und mit dem Einverständnis der Kommentatoren setze ich sie nachfolgend auf den Blog zur weiteren lektüre und Meinungsbildung. Wenn Ihr Eure Meinung einbringen wollte, schreibt mir an johannes.wolters@indac.org

Ich würde mich freuen, wenn wir hier damit zur Diskussion etwas beitragen könnten.

Hier also die zur Veröffentlichung genehmigten Kommentare:

 

Florian Gellinger:

Florian Gellinger: Thanos, Hulk, Paddington, Cesar in Planet of the Apes, 99% von Avatar, die Stop Motion AT-ATs bei Return of the Jedi – alles animierte Charaktere und Figuren, die in Realfilmen mitspielen. Ich denke wir müssen mal abwarten wie der Preis von der Akademie ausgelegt wird.

Johannes Wolters: : Gibts Deiner Meinung nach einen Unterschied zwischen dem medium Animation und dem Gewerk VFX?

Florian Gellinger:  Es gibt einen Unterschied zwischen Real- und Animationsfilm. Deshalb ist die Debatte um Lion King innerhalb der Oscar VFX Kategorie auch so wichtig. Andersrum wäre ein Realfilm, dessen Handlung von einer animierten Figur wie Paddington getragen wird, auch nicht qualifiziert für eine Animationsfilm- Kategorie. In vielen Abspännen findet man deshalb auch zu Recht die Nennung „Visual Effects and Animation by …“.

Johannes Wolters: Hier geht es darum, dass zwei völlig verschiedene Dinge in eine Kategorie geworfen wurden- da gibts Du mir sicherlich recht. Und die Tatsache, dass es noch nicht mal eine Sektion Animation inder Akademie gibt, ist absurd. Ich denke, dass wird von Dir nicht bestritten. wenn dem aber so ist warum nicht einfach nur eine Lola für VFX ? Und dann kommen wir dann zu den Maskenbildnern…

Florian Gellinger: Animation und VFX sind nicht zwei völlig verschiedene Dinge. Real- und Animationsfilm sind völlig verschiedene Dinge.

Johannes Wolters: Wir sprechen hier über die Lola für Animation und VFX – nicht über Animation vs Realfilm, oder? Und die Statuten der Filmakademie lesen sich halt so, wie sie sich lesen. Wie ist denn der Dialog innerhalb der Filmakademie so, was diese Thematik angeht? Wie könnte denn die Auslegung Deiner Meinung nach aussehen?

Florian Gellinger: Ist die Lola für Animationsfilm und VFX im Realfilm? Animation ist auch Teil vom Prozess der VFX. Freu Dich doch, dass es jetzt eine Auszeichnung gibt und warte ab wie die Akademie die Kategorie interpretiert.

 

Jan Maroske:

Es ist doch nur ein Filmpreis. Die Qualität eines Produkts ist doch überhaupt nicht objektiv messbar. Da kann die Akademie meinetwegen auch noch Schauspieler in der gleichen Kategorie nominieren. „Ich mag Adam Driver lieber als Frozen II“ ist ne faire Aussage. 

Ich denke, die Akademie hat sich entschieden, den Beitrag von VFX und Animation zur Filmlandschaft nicht mehr zu ignorieren, sondern zu honorieren. Wenn man jetzt anerkennt, dass Möbel wichtig sind, ist es doch besser, einen Preis „Bestes Möbel“ zu haben, als einen jeweiligen Preis für Tische und Stühle. Das Problem mit Kategorien ist doch immer, wo man den Strich zieht. Ja, hier ist noch gar kein Strich gezogen, aber immerhin ist die Tür aufgemacht worden.

Wie gesagt, es ist nur ein bedeutungsloser Filmpreis, der nichts über die Qualität eines Produkts aussagt. Selbst wenn du da Animatoren in der Jury hast, wissen die, was du gut findest? Oder was „man“ gut finden muss? Oder was mal gut wäre? Ne, die wissen genauso wenig, wie jemand der ins Kino geht und sich seine eigene Meinung bildet.

 

Michael Wortmann:

Ich finde den Artikel bei Fimdienst schwierig, da ist die Rede von deutschen Firmen die an US Filmen arbeiten (völlig irrelevant, die Lola wird an Einzelpersonen vergeben die deutsche Filme gemacht haben), mit “Die Eiskönigin 2” argumentiert (sollte dem Autor als einem der größten deutschen Animationszeithistorikern eigentlich ein tatsächlich absurder Vergleich sein) und der Kenntnisstand von Maskenbildnern die Animationsfilmpreisnominierungen vornehmen (die es nicht gibt) angezweifelt (völlig zusammenhangslos).

Vielleicht führt man erst eine Diskussion und publiziert danach, dann ist das zurückrudern auch nicht so unmöglich?

Ich glaube nämlich hier wird an der falschen Stelle kritisiert: die Filmakademie versteht sich als eine Akademie der Filmschaffenden und die Lola ist die Anerkennung der Mitglieder für kreative Leistungen. Wenn man Animation als Medium herausstellen will ist man da schlichtweg an der falschen Adresse und sollte die Animationsakademie gründen (oder die VR Akademie). Wie Denis und Dominik schon bemerkten geht es um die Relevanz von VFX und Animation im deutschen Kino und in der Akademie. Das heisst konkret wenn bei 39 Sektionsmitgliedern, die in einer Akademie mit über 2000 Mitgliedern aufgrund dieser Zahl noch nicht einmal die Vorauswahl zugesprochen bekommen, noch nicht einmal fünf Mitglieder eindeutig die Animationsbranche repräsentieren und die Anzahl der deutschen Animationsfilme so gering ist, wie groß ist dann die Relevanz in der Akademie? Ein Nischenpreis ist in der Akademie nicht tragfähig, sonst gibts bald auch ne Lola für bestes Catering.
Wer diverse, teilweise fragmentierte Kategorien sucht, sollte lieber bei den VES Awards schauen oder beim Animago in der Kategorie „Amateur>Food>Still>
Experimental“ usw. einreichen.
Durch die zu den klassischen Gewerken synchronen Arbeitsschritte bei VFX und Animation ist auch die Abstimmung gerecht. Jedes Akademiemitglied kann und soll bewerten, als VFX Sektionsmitglied stimmt man ja auch am Ende über den besten Ton ab und das ist auch richtig so. Denn am Ende kommt dabei ein Preis heraus der von allen Mitgliedern gewählt ist, DAS bedeutet Relevanz, DAS bedeutet Anerkennung.

 

Chrisotph Gaudl:

Der einzige Unterschied zwischen VFX und Animation ist: .. bei Animation gibts kein Matchmove!… abgesehen davon kann ein Szenen/Maskenbilder vllt keinen abgefahrenen Subsurface Shader oder Global Illumination erkennen/bewerten, aber vermutlich sehr wohl beurteilen, ob das Szenenbild oder die Maske des digitalen Assets aus den Augen des Betrachters stimmig ist, die Aussage des Characters uterstützt und die individuelle Stimmung der Location erzeugt. Und genau das sollte das Ziel der Bewertung sein. Und diese Bewertungsrichtlinen passen auf einen extrem gegreenscreenten Lokomotivführer genauso wie auf einen sprechenden Vogel. Selbiges trifft auf Layout und Camera zu. Es soll nicht bewerted werden, ob etwas besonders anstrengend war.. sondern ob es gut ist. …

 

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