25. April 2018 Klaudia Urban

Meike Mueller | Interview – „Es geht um die Liebe zu dem, was man tut“

Name: Meike Müller | Beruf: Charakteranimatorin | Aktuelles Projekt: Ratatoskr


Die frisch fertig studierte, bald ins Arbeitsleben startende Animatorin Meike stellt auf der FMX ihr neustes Projekt, ihre Diplomarbeit „Ratatoskr“ vor. Das 2 Minuten lange, animierte Projekt kommt nach seinen ca. 2 Jahren Entstehungszeit in wunderbar schillernden Farben, einer von Fraktalen geprägten Welt und mit einem reichen Dolby Atmos Sounddesign daher. Meike hat als Character Designer, Animator und Director das Projekt geführt, nächste Woche bekommt sie vom Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg ihr Diplom verliehen.

Die junge Eichhörnchen-Liebhaberin steckte viel Liebe in das Projekt. Die Charaktere, zwei fluffige Fantasietiere, sind von Charakterdesigner Alexander Dietrich so konstruiert, dass sie sich in Verhalten und Bewegung kontrastieren. Mit hinein flossen ihre Gedanken aus den Grundpfeilern der buddhistischen Ethik: Die drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung und deren Gegenstücke Mildtätigkeit, Güte und Weisheit. Sie erklärt: „Ich würde das gerne in den Zuschauer einpflanzen, dass man den Geistesgiften nicht erliegen, sondern Sachen hinterfragen und in sich gehen sollte. […] Das Projekt ist ein Trailer für eine viel größere Geschichte, eigentlich wollte ich einen Feature-Film machen“, erzählt sie uns. Aber da ein abendfüllender Film mit so einer Teamgröße und den verfügbaren Mitteln natürlich nicht – insbesondere nicht in einer solchen Qualität – realisierbar ist, entschied sie sich für das Teaser-Format. „30 Leute haben am Projekt gearbeitet, 6 davon im Kernteam.“.

„Es geht nicht immer nur um Erfolg, es geht um die Liebe zu dem, was man tut!“

„Doch wie kam es überhaupt, dass du Animatorin werden wolltest?“, fragen wir Meike. Es wäre erstmal gar nicht klar gewesen, antwortet sie. Sie liebte Filme wie Arielle, die Meerjungfrau und später auch Jurassic Park und Der Weiße Hai. „Der Wunsch war schon immer da, das ‚Künstler-sein-wollen'“ – doch als sie Aufwuchs wurde diese Seite von ihrem Umfeld leider nie gefördert. Kunst war etwas abstraktes, womit man kein Geld verdienen konnte, nichts handfestes, so wurde es ihr beigebracht. Als sie in der 11. Klasse war, siegte allerdings die Neugier. „Ich wollte wissen, wie das eigentlich funktioniert mit dem Animationsfilm“ – und das hatte den Stein ins Rollen gebracht.

„Was würdest du dir gern selbst sagen können, wenn du an dich vor 10 Jahren denkst?“ – Meike lacht. Schwierig, sagt sie. Aber dann fallen ihr doch leicht ein paar Sachen ein: „Nicht alles ist, wie es scheint.“ Man soll hinterfragen und sich nicht klein kriegen lassen. Und „Es geht nicht immer nur um Erfolg, es geht um die Liebe zu dem, was man tut!“. Zuletzt fügt sie noch etwas aus ihrem künstlerischen Prozess hinzu: „Angst ist wichtig für Inspiration, sie gibt Stärke und Ideen.“ Wir bedanken uns bei Meike für dieses wunderbare Interview.


von

INDAC Korrespondentin Klaudia Urban auf der FMX 2018

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