20. Mai 2016 Johannes Wolters

Tillmann Kohlhaases Kommentar zum Dreamworks Footage Screening von TROLLS mit Justin Timberlake, Anna Kendrick und Jeffrey Katzenberg

Aktuell bin ich froh, wenn ich mir überhaupt die Zeit für Deine tollen Events abknapsen kann und nicht immer nur tränenden Auges sehe, was da an mir vorbei geht. Deshalb etwas spät, aber noch in Wochenfrist ,-) hier meine 20 Cent:

Zunächst zur Veranstaltung als solches. Eine Mischung aus Presse- und Marketing-Event für die Animationsfilmproduktion Trolls (basierend auf den gleichnamigen Puppen) und der Musikproduktion zum Film von Justin Timberlake als „executive music producer“ des Films. Recht ungewöhnlich für die Pressearbeit eines Films, der erst im November startet, stand sich die „Europa“-Tournee von Herrn Timberlake im Vordergrund (Berlin, Cannes, ESC, …), was sich auch in den Fragen der anwesenden „Hauptstadt“-Presse nach Timberlakes Wohlfühlfaktor in Berlin äußerte. Indac sei Dank geriet der Film und die Synchronarbeit der beiden anwesenden Stars nicht in Vergessenheit und bot einige spannende Einblicke hinter die Kuschel-Kulissen des Events.

Das Ganze begann mit einem Pitch von Jeffrey Katzenberg für den Film. Basierend auf den Troll Puppen entstand der Animationsfilm als  3 D Computer Animations-Musical-Komödie.

Die Trolls sind ununterbrochen froh, singen, tanzen und halten, erinnert durch ihre Knuddeluhren erbarmungslos eine stündliche Knuddelsession ab. Außer „Branch“ (gesprochen von Justin Timberlake) dem nichts unangenehmer ist als singen, tanzen und knuddeln (zumindest am Anfang des Films also ganz das Gegenteil von Herrn Timberlakes „Berufung“) und der sich dann mit der frohesten und „gnadenlos“ (sehr schön und ironisch montierte erste Animationssequenz, die in Berlin gezeigt wurde)  optimistischsten Troll Prinzessin Poppy (Anna Kenndrick – Im Interview zeigt sie sich allerdings wenig begeistert von einer zukünftigen Karriere im Music-Buisiness) auf den Weg machen muss, um die (Troll)Welt vor den Bergen (die nur froh sind, wenn sie – na was wohl? Genau: – einen Troll verspeisen können) zu retten.

Gestalterisch ist die Dreamworks-Produktion im Look von stofflicher Stop Motion passend zum IP-Franchise der Puppen (gehört übrigens inzwischen zu Dreamworks)  gelöst, die viel Tiefe und Ideenreichtum im Figurendesign sowie eine phantastische Realität und Plastizität bis in die letzte Faser der Texturen zu erzeugen vermag. Die Animation ist auf dem üblichen hohen Dreamworks-Niveau und unterstützt soweit in den 3 Ausschnitten zu sehen die wechselnde Dynamic von Plot und Musik.

Durch das Thema ist die Musik geschickt in die Handlung verwoben und konnte in den 3 Ausschnitten (Jeffry Katzenberg hatte geschickt Ausschnitte um die entscheidenden Plot Points herum gewählt) sowohl emotional als auch erzählerisch überzeugen. Das alte Disney-Paradigma, den Film um 6 Songs herum zu gestalten, kommt so gar nicht erst auf.

Interessant dabei auch das der erste Song von Justin Timberlake aka „Branch“ dann auch erst zur Mitte des Films angestimmt wird, dann aber mit überzeugender Wucht, grafisch begleitet vom Wiedereinbruch der Farbe in die ergraute Trollwelt dem Film und dem Charakter eine neue Richtung verleiht. Eine gelungene Variante des alten Songs „True Colors“, der sich in diesem Moment wie für diesen Film geschrieben anhört und anfühlt, und so die bis hierhin aufgestaute Erwartung und Spannung an und auf die Songs von Justin Timberlake als „executive producer for film’s music“ grandios und geschickt auflöst. Insgesamt gibt es 6 Timberlake Songs u.a. „Can’t Stop the feeling“, der als Clip Version mit dem Voice Cast von Trolls in Berlin präsentiert wurde – leider wegen GEMA nicht auf deutschem Youtube zu sehen-.

Spannend ist, wie hier Medienkonvergenz genutzt  wird (im besten Fall), um beiden Genres durch zusätzliche Aspekte stärkere Wirkung und Strahlkraft zu verleihen, was sich ja auch in der Art der gesamten Veranstaltung in Berlin ausdrückte. Sicher auch eine Überlegung für unsere Animationsbranche (natürlich im Miniaturrahmen), sich hier nach Partnern und Synergien mit anderen Medien umzusehen.

Weiteres interessantes Take Away war, wie es Jeffrey Katzenberg gelungen ist mit der geschickten Auswahl der Filmausschnitte um die zentralen Plotpoints herum ein sehr plastisches Gefühl, Interesse und Verständnis für die Geschichte wecken konnte. Das Ende ließ er offen. Da müssen wir noch auf November oder weitere INDAC – Events warten.

Prof. Tilmann Kohlhaase

Animation and Game Production

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