19. September 2016 Johannes Wolters

Tilmann Kohlhaase zur Premiere von „Findet Dorie“ in Berlin: „Toller Film. Toller Event. Dank an Indac. Es lebe das Kino!“

Am letzten späten Sommerabend dank Indac vom staubigen Trottoir in Berlin eintauchen in den tiefseeblau beleuchteten Zoopalast, wo Walgesänge auf das Unterwasserabenteuer einstimmen. Zu Bier, Popcorn und Sandwiches fallen mir leider keine passenden Wassersynonyme ein, immerhin tragen die die submarine(sorry subway) Werbe-Sponsoren Taucherbrillen.

img_02391Eine schöne Ouvertüre und das Bewusstsein, das Kino etwas besonderes seien kann, das im Alltag von Hektik und mobilen Medien schnell in Vergessenheit gerät.
Als dann die ersten YouTuber (Stimme von Seegurke und andrem Getier) auftauchen und zum Selfie-Opfer der 12jährigen Mädchen erden, im Eifer des Handygefechts das Popcorn über die Sitzreihen verstreut wird, verfliegt der Zauber. Die Magie des Kinos war wohl doch nur eine vergangene Erinnerung und das allgegenwärtige (Inter)Netz fischt die nostalgischen Erinnerungen aus dem Blau des Kinos. Als dann die Synchronstimmen endlich den blauen Teppich durchschwommen haben, kann es los gehen.

 

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Prof. Tilmann Kohlhaase

Über den Film ist schon viel geschrieben worden, wie immer bei Pixar, super Animation, super Bilder, viel Emotion. Wie der deutsche Disneychef zu Beginn betont, soll Finding Dory so erfolgreich werden wie Finding Nemo (bisher erfolgreichster Pixarfilm in Deutschland vor 13 Jahren). Deshalb ein Familienfilm für alle! Und damit wirklich auch alle verstehen, worum es geht, wird alles, was passiert, auch mit Dialog oder sogar Monolog als Gedankenstimme begleitet. Als alter Kinonostalgiker wünscht man sich hier mehr Vertrauen der Macher in die großartigen Bilder und Acting-Ideen. Aber im Zeitalter von Youtube und Instagram … Auch die geliebte Anarchie der frühen Pixarfilme kommt etwas zu kurz, wird aber durch den Auftritt des genial animierten und geshadeten „Septopus“ (tolles Characterdesign – leider zu oft nur Funktionsträger um die Handlung weiter zu bringen kann er sein Potential nicht immer zum Ausdruck bringen), besonders als er den Truck in den Abgrund steuert und das Ganze in eine geniale Slow-Motion-Sequenz mündet, die sich endlich einmal ohne Dialoge entfalten darf, und dann natürlich „Herbert“ und der Kurzauftritt von „Meins, Meins, Meins, …“. Einen spannenden Talk über das animatorfreundliche Setup des „Septopus“ gab es auf der fmx, spannend auch für alle Animatoren und TDs der Talk auf der Siggraph über das Echtzeitrendering von Finding Dory zu finden bei YouTube:ab 48:37.

Am Ende freuten sich dann noch die deutschen Synchronstimmen u.a. Anke Engelke und Franziska von Almsiek über den bewegenden Film, Andrew Stanton hatte es leider nicht geschafft.
Fazit: Toller Film. Toller Event. Dank an Indac. Es lebe das Kino!

Prof. Tilmann Kohlhaase

 

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