28. Februar 2020 Johannes Wolters

Wonderwomen – Frauen in Games und Animation

Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart setzt 2020 einen Schwerpunkt auf Filmemacherinnen und Gamedesignerinnen

Pressemitteilung ITFS MFG:

Vielfalt zeigt sich beim Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) in den interkulturellen und internationalen Programmen, Wettbewerbsbeiträgen aus über 90 Ländern und nicht zuletzt durch die Gäste und Besucher*innen selbst. Dabei wird der Begriff „Diversity“ nicht auf die geschlechtliche Vielfalt reduziert, sondern umfasst ethnische, religiöse, kulturelle, politische und ökonomische Vielfalt. Das ITFS zeigt, wie Animation, Games und Digitale Medien nicht nur Vielfalt repräsentieren, sondern diese auch produzieren und stimulieren.

Schwerpunkt: Wonderwomen – Frauen in Games & Animation

Von Beginn der Filmgeschichte an haben Künstlerinnen wie Lotte Reiniger wichtige Impulse für die Animation gegeben. Trotzdem sind bis heute Regisseurinnen, Produzentinnen und Trickfilmerinnen im Animations- und Gamesbereich unterrepräsentiert. Aufbauend auf das Programm „Women in Animation“, das beim ITFS 1996 von Jayne Pilling kuratiert wurde, stellt das kommende Festival im Mai 2020 neue und historische Position des weiblichen Animationsfilms vor. Der diesjährige Schwerpunkt „Wonderwomen – Frauen in Games & Animation“ zeigt nicht nur innovative Animationskunst von Frauen, sondern zeigt erstmalig in einer Ausstellung dezidiert Computerspiele, die maßgeblich von Frauen umgesetzt wurden.

Gleich drei Kurzfilmprogramme, kuratiert von Waltraud Grausgruber und Birgitt Wagner (Festivalleiterinnen Tricky Women, Wien) präsentieren die Vielfalt der internationalen weiblichen Animationsszene. Die Filmreihe ist eingebettet in den Schwerpunkttag, den das ITFS in Zusammenarbeit mit dem Verband „Women in Animation Germany“ veranstaltet; auch die AG Animationsfilm beteiligt sich in einer Panel-Diskussion mit Case Studies am Thema. Weitere zwei Filmreihen werden von Gerben Schermer (ehemaliger Leiter des Holland Animation Film Festival) kuratiert, der die chinesischen Filmemacherinnen in den Fokus rückt.

Pionierinnen der europäischen Animationsbranche

In einer In-Persona-Präsentation stellt sich Monique Renault vor: Die gebürtige Französin ist eine Pionierin der europäischen Animationsbranche, setzte sich schon früh mit Themen der Erotik und Geschlechterrollen auseinander und trug dazu bei, die Möglichkeiten und die Ernsthaftigkeit von Animationsfilm einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Außerdem kommt eine zweite starke Filmemacherin in der In-Persona-Sektion zu Wort – die Produktion der portugiesischen Animationskünstlerin Regina Pessoa „Tragic Story with a Happy ending“ entwickelte sich zu einem der portugiesischen Filme mit den meisten Auszeichnungen überhaupt.

Auch in der GameZone des ITFS, die die Verbindung von Games und Animation erlebbar macht, zeigen wir in einer kuratierten Ausstellung (Kurator*innen: Stephan Schwingeler, Judith Ackermann) die abwechslungsreichen Arbeiten von Game-Designerinnen seit den Anfängen der Games-Kultur bis heute, u.a. mit Arbeiten der US-Amerikanerin Lynn Hershman Leeson, eine der Pionierinnen der interaktiven Kunst.

Schwerpunkt: Copines! Fokus Frankreich

Mit unserem französischen Nachbarn verbinden Deutschland und auch die Animationsszene eine innige Freundschaft. Und was würde sich besser für einen ITFS-Länderschwerpunkt und das diesjährige Motto eignen als das Land, dessen französische Begriffe „Diversité“ und „Différence“ die DNA der europäischen Idee ausmachen? Vielfalt ist der Garant und die Grundbedingung von Demokratie, und die (freie) Kunst ist ein substanzieller Ausdruck gelebter Vielfalt.

In der Master Class von Benjamin Renner erhalten die Besucher*innen einen exklusiven Einblick in die Arbeit des Oscar-nominierten Cartoonisten, Animators und Filmemachers, der bereits den wichtigsten nationalen Filmpreis César gewann. Jérémy Clapins erster animierter Langfilm „J’ai perdu mon corps“ wurde in diesem Jahr für einen Oscar nominiert und gewann den Annie Award als Best Indie Feature; zusammen mit der FMX-Konferenz zeigt das ITFS den Film als gemeinsames ITFMX-Screening.

GameZone: Hier spielt Vielfalt

Die GameZone ist der digitale Spielplatz des ITFS und unterschiedlichen Formaten gewidmet – von Indie Games über VR-Installationen bis zu Game Jams – und findet in diesem Jahr im Kunstgebäude Stuttgart statt. Auf 2.000 Quadratmetern versprechen über 50 Games und VR-Installationen Spielspaß pur. Auch hier zieht sich das Motto „Creating*Diversity“ als roter Faden durch das Programm: In einem Panel-Talk ist geplant, die neue Initiative „Hier spielt Vielfalt“ der Games-Branche vorzustellen, die sich sowohl für mehr Vielfalt in den wirtschaftlichen Strukturen als auch für die stereotypfreie Darstellung aller Menschen in Games einsetzt.

Darüber hinaus steht Donnerstag, 7. Mai, in der GameZone ganz im Zeichen der Bildung. Erstmalig kooperiert das ITFS mit didacta – Die Bildungsmesse, die auf dem ITFS erörtert, welche Rolle Animation und Computerspiele bei der Darstellung und Vermittlung von Inhalten im schulischen und außerschulischen Kontext spielen können. Auch die Paneldiskussion Edutain Me 6.0 diskutiert die Einführung digitaler Medien für die Gestaltung des Unterrichts. Die Keynote dazu halten Vertreter*innen des Gamesstudios Tinybop aus Brooklyn, das hauptsächlich interaktive, grafisch aufwändig gestaltete Lernspiele entwickelt.

Neben allen Sonderformaten bilden die Kurz- und Langfilmprogramme jedes Jahr den Kern des Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart. Der Internationale Wettbewerb zeigt einige der besten animierten Kurzfilme der ganzen Welt; darüber hinaus werden in den unterschiedlichen Wettbewerben Preisgelder von bis zu insgesamt 90.000 Euro vergeben. Festivalpässe zum Early Bird-Tarif sind bis zum 12. März erhältlich.

Quelle:

Film- und Medienfestival gGmbH

 

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