22. April 2017 Johannes Wolters

VFX Förderung in Deutschland – Diskussionswürdig!

 In der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Blickpunkt: FILM“ findet sich ein Interview mit Florian Gellinger, in dem er für den VFX Standort Deutschland wirbt und über Änderungen und Verstärkungen bei der hiesigen Förderung nachdenkt. Das Interview ist derzeit nur Abonnenten der Blickpunkt Film zugänglich, aber als These steht Florians Forderung im Raum:

„Um unsere riesigen Chancen zu nutzen und dem heutigen Stellenwert von VFX gerecht zu werden brauchen wir eine Filmförderung für Visuelle Effekte, die den physischen Dreh in Deutschland nicht voraussetzt.“

Florian Gellinger ist einer der Gründer von RISE FX und nun auch der Kopf der VES Germany

Das Interview habe ich in der  INDAC Group bzw auf INDACHS auf Facebook gepostet. Daraufhin entspann sich eine Diskussion dort, die ich hier abbilden darf und zu der ich Euch herzlich bitte Eure Meinungen ebenfalls zu äußern. Entweder hier in der Kommentrfunktion oder als email an indac@gmx.de! Würde mich über weitere Meinungsäußerungen sehr freuen.

Hier also die bisherige Diskussion:

Johannes Wolters: die Ziele, [die Florian Gellinger im Interview äußert] sind mit denen vom INDAC Projekt kompatibel.

Gerold Marks: Eine Kopplung von Fördergeldern an den Standort finde ich schon sehr sinnvoll, damit werden Jobs aller Gewerke in der Filmbranche gefördert- ein Mehrfaches der Fördersumme muss für Dienstleistungen/Produktionsschritte etc ausgegeben werden. (In welchen Bundesländern hat Rise mittlerweile Büros eröffnet?!) Die geförderte Entkopplung käme einer Subventionierung der VFX-Firmen gleich.

Johannes Wolters: die ist defacto schon da, wenn födergeld ausgezahlt wird, ohne die Forderung, es im erfolsfalle zurückzuzahlen – dem ist inzwischen so!

Gerold Marks: muss man dann doch aber nicht weiter ausbauen?!

Johannes Wolters: schwieriges Thema, es gleicht einem internationalen Wettrüsten, die frage ist, beteiligt man sich an dem system? eine Woche nachdem grütters erklärte, sie hätte die Fördersumme verdoppelt, erklärte Kalifornien, sie würden auf 300 mio erhöhen.

Johannes Wolters: dies ist natürlich gekoppelt an die frage, für wen bilden unsere schulen inzwischen aus – nach meinem dafürhalten muß ein deutscher Animator zwangsläufig ins Ausland gehen….

Florian Gellinger: (gerichtet an Gerold Marks) momentan muss man in Deutschland drehen um VFX gefördert zu bekommen. Selbst wenn man in Deutschland dreht geht die Förderung meistens komplett für den physischen Dreh drauf, die VFX gehen nach London oder Vancouver. D.h. es wird eigentlichin Deutschland alles am Film gefördert – außer die VFX. Warum sind gerade die so interessant? Weil die Auftragsvergabe schnell und dezentral per Email erfolgt und viele Jobs erzeugt. Bevor eine 200 Mio Dollar Produktion ihren kompletten Stab mit Produktionsbüro von 800 Leuten in ein anderes Land umzieht muss wirklich was ganz besonderes winken. Warum profitiert dann hier die komplette Filmbranche davon? Weil wir momentan durch die Förderlücke für VFX auch Indie/Arthouse Produktionen wie The Walk oder Gravity nicht anziehen. Und Gravity ist halt ein Animationsfilm mit einer Schauspielerin, die 65 Mio Dollar für ihren Namen auf dem Poster bekommen hat. Hätten wir dieses Know-How und vor allem Personal langfristig am Standort würden wir ganz andere Kategorien Filmproduktionen anlocken, die dann hier auch drehen würden. Zum für und wider Förderung internationaler Großproduktionen: Geben die 200 Mio Dollar in Deutschland aus und kriegen 20% Rabatt – dann sind danach 160 Mio Dollar mehr im Land, die vorher nicht hier waren. Mal vom Lerneffekt bei den Crews (egal ob Dreh oder VFX) ganz abgesehen – je besser die Leute hier werden desto besser werden auch deutsche Produktionen. Meine 50Ct

Gerold Marks: (gerichtet an Florian Gellinger) Schon lustig, dass 100 Mio. Dollar-Produktionen für dich Indie/Arthouse sind… Da kommt die Anfrage für den nächsten Marvel per E-Mail, du schickst Frau Grütters ne Whatsapp und dann läuft die Förderung?! Spaß beiseite: so schön, wie du es rechnest, läuft es ja nicht. Weißt du alles besser als ich, aber ich glaube viele Mitlesende nicht. Die Liste der VFX-Studios wird bei den Blockbustern immer länger, da wird auf 20 Firmen global verteilt. Klar, man nimmt überall Förderungen, Steuer-Reduzierungen etc. mit. Das würde sich auch nicht ändern. Zum anderen: wenn deutsche CGI-Animationsfilme Förderungen erhalten, wird das Geld dann trotzdem auch in China oder Indien ausgegeben, um billiger zu produzieren. Da wird dann das Lichtkonzept und die Charakterüberwachung in Deutschland geleistet, um abzugreifen. Wie profitiert hiervon ein Nachwuchs in der heimischen VFX-Szene? Nur weil es einen größeren Topf an Förderungen gibt, werden die Firmen doch nicht zu besseren Menschen. Das empfinde ich als Augenwischerei.

Florian Gellinger (gerichtet an Gerold Marks): Indie/Arthouse sind vor allem für mich Filme, die ein künstlerisches Wagnis eingehen ohne Garantie auf Erfolg. Die fettesten Posten bei Gravity waren Bullock/Clooney und die eigentliche Umsetzung des Film hat vielleicht 15% des Gesamtbudgets ausgemacht. Also nach internationalem Standard ein Indiefilm. Es sollte das fertige Filmbild auf der Leinwand als Kulturgut gesehen werden – egal wie es hergestellt wurde. Wenn gedreht wird – toll. Wenn komplett CGI – auch gut. Die Beantragung der Förderung läuft bei uns auf den gleichen Formularen wie bei jedem anderen Produzenten. Unsere Kunden müssen nur nicht direkt nebenan einziehen. Wenn wir die Förderung abrechnen müssen wir bis zu den einzelnen Posten der Telefonrechnung und Stromrechnung alles einzeln nachweisen wohin welches Geld geflossen ist. Wenn wir einen Teil unseres Budgets zum Roto/Paint nach Indien schicken haben wir dafür kein Personal von dem wir die Lohnkosten geltend machen können. Da müssen wir uns dann gut überlegen ob wir outsourcen oder die Förderung für diese VFX-Teilgewerke in Anspruch nehmen. Alles nicht so einfach und in der Abrechnung (aus gutem Grund) ein bürokratisches Monster.

Was ist Eure Meinung? Was denkt Ihr?

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