Hier die INDAChs Kritik von Alena Nicolai zu „ATOMIC BLONDE“ mit den VFX von Chimney & SLICE

Der Vorspann beginnt: 1989, Berlin vorm Mauerfall, Zeitaufnahmen, Nachrichtensendungen… ein tiefer Seufzer macht sich in mir breit  – noch ein Wendenfilm, muss das jetzt sein? Doch Halt! Mit Graffiti wird ein dickes Kreuz über den Bildschirm gemalt „not that kind of story“. Aha, denke ich mir, sondern?
Atomic Blonde erzählt die Geschichte der MI6-Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) die nach Berlin geschickt wird, um – tadaaa – „die Liste“ in Sicherheit zu bringen. Auf dieser befinden sich (natürlich) die Identitäten aller Agenten in Berlin. Gleichzeitig soll der Doppelagent enttarnt, gefasst und als Exempel verurteilt werden: Get the list, find the traitor, bring him back and trust no one! Ahja, alles schon mal gehört und gesehen, denke ich mir – warum also noch sitzen bleiben?
Der Film punktet mit Augen- und Ohrenschmaus: Berlin Ende der 80, das heißt nostalgisches Setting, herrliche Mode (Plastiktrenchcoats, Fliegerbrillen, Schnäuzer), Trabis und ja bitte, danke MUSIK. Völlig losgelöst von der Erde, 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont summe ich zufrieden auf meinem Sitz mit. Während ich die Atmosphäre genieße, treffe ich eine Reihe an gewollt-skurrilen Figuren; allen voran Frau Geheimagentin – deren Tätigkeiten variieren zwischen Wodka auf Ex, Zigarette und ordentlich Prügelei. Der hübsche, französische Schatten (S.Boutella), deren Auftreten durch die Nahaufnahme ihrer Schuhe gekennzeichnet ist. Der russische Gegenspieler, der seine Brutalität beweist, indem er junge Rapper aufmöbelt und alles (also „seine Jungs“) daran setzt, mit Fräulein Blonde ein „Treffen“ zu arrangieren. Ein ständig betrunkener Geheimdienstler (J. McAvoy) aka MI6s golden boy, dem Fräulein Blonde nicht traut, der Zuschauer nicht traut und der MI6 auch nicht traut. Ein sympathischer Jüngling, der sich mühelos von Ost nach West zu bewegen scheint und das jugendliche Pulverfass verwaltet. Der Stasi-Listenschmuggler mit dem originellen Namen Spyglass (E. Marsan), der selbstverständlich das gesamte Dokument auswendig gelernt hat. Und nicht zu vergessen – wir haben es hier mit einer ausländischen Produktion zu tun, die in Deutschland spielt… was wäre diese ohne Herrn Schweiger. Wie immer wortkarg, treffend besetzt als
Uhrenmacher.
Der Film scheint an Farbeinstellung gut machen zu wollen, was der lieblosen Story fehlt. Jedes Setting ist in sein eigenes Farbmotiv getaucht – das kalt-graue Badezimmer, indem sich eine nackte, graue Agentin in einem Eiswürfelbad die Wunden kühlt – gekonnt vermischt mit der warmen Flamme des Feuerzeuges. Das Verhörzimmer, stilvoll in schwarz/weiß, passend zur Kleidung und Frisur der Dame. Und abgesehen von Farbe und Ton? Lässt uns das Ganze kalt: Die Agentin scheint ohne jegliche Tarnung völlig unerkannt zu bleiben, was dem Zuschauer ein Rätsel bleibt, denn diese Haarfarbe prägt nicht nur den Filmtitel, sondern ist als Blickfang einfach extrem

auffällig. Wer nun wen hereinlegt und Doppel-doppelbluffs verursacht wird mir als Zuschauer vehement aufgedrückt. Und entweder wird getrunken oder geprügelt.
Fazit: schönes Farbspiel, nostalgischer Soundtrack doch für meinen Geschmack zu geradlinig und unheimlich langatmig – fast 2 Stunden, das ginge auch kürzer. Kino, welches höchstens die Lust auf Wodka on Ice weckt – und sogar der Nichtraucher anschließend gerne eine Zigarette so verführerisch zwischen die Lippen legen möchte wie Frau Blonde es vormacht. Na dann – einschenken und auf Ex. Please repeat.

Alena Nicolai

Art Therapist

 

INDAC SCREENING: „Atomic Blonde“

In Zusammenarbeit mit Universal Pictures Germany darf INDAC  jeweils  3-4 Animations- und VFX-Schaffende zu den Pressevorführungen des Films „Atomic Blonde“ einladen! Vorführungen zeigen die deutsche Fassung, 115 Min.

Darsteller:

Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Sofia Boutella,

Til Schweiger, James Faulkner, Eddie Marsan, Roland Møller, Bill Skarsgård,

Barbara Sukowa, Johannes Johannesson und Toby Jones

Regie: David Leitch

Drehbuch: Kurt Johnstad

Basierend auf der Graphic Novel THE COLDEST CITY (Oni Press) von: Antony Johnston

Produktion: Charlize Theron, Beth Kono, A.J. Dix,Kelly McCormick, Eric Gitter, Peter Schwerin

VFX von CHIMNEY und von SLICE

„Glasnost” und „Perestroika“ bringen die Mauer zu Fall. Der eiserne Vorhang und der kalte Krieg sind fast Geschichte. Doch das ist nicht DIESER Film…

1989, Berlin: Die Top-Agentin Lorraine Broughton hat die Order, Informationen höchster Brisanz zu besorgen. Doch die geteilte Stadt fordert von ihr das Äußerste – es geht buchstäblich ums nackte Überleben. Mit Kalkül, Sinnlichkeit und unerbittlicher Härte kommt sie Zug um Zug ihrem Ziel näher. Denn eins steht fest bei dieser tödlichen Schachpartie: Über Bauernopfer entscheidet allein die blonde Königin.

ATOMIC BLONDE entwickelt sich zur siedend heißen Mischung aus Style und Schlagkraft, aus sinnlicher Verführung und kompromissloser Action – Regie führt David Leitch (demnächst Deadpool 2), der schon mit John Wick gezeigt hat, dass dieses Genre genau sein Terrain ist.


 Nur für Animations und VFX-Schaffenden, die sich auf INDAC.de registriert haben.

Die Screenings finden in München, Berlin, Hamburg und Köln statt.

Der Eintritt ist frei. Die Teilnehmer verpflichten sich, eine kurze Kritik zum Filmstart für den INDAC Blog zu verfassen und die Vorgaben der Pressebetreuung vor Ort zu beachten (Sperrfristen, keine Geräte mit Speichermedium im Kinosaal etc. )

Wir werden unter allen Einsendern die Plätze vergeben und Euch dann das entsprechende Kino mitteilen, wo die Vorführung stattfinden wird! Der Film wird in der deutschen Fassung gezeigt, Filmlänge ca. 115 Min.

Dieser Inhalt ist nur für Mitglieder einsehbar. Du bist Mitglied dann logge dich bitte ein.

Meldet euch hier für das Screening an. Anmeldeschluss ist der 7. Juli 2017 um 12.30 Uhr

Dein Name (Pflichtfeld)

Deine E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Die Stadt, in der du Teilnehmen möchtest

Ich bin mit den genannten Bedingungen einverstanden

Teilnahmeregelungen:

  1. Teilnehmen an den Screenings und Events dürfen nur Personen, die sich auf dem INDAC Blog als Mitglied eingetragen haben.
  2. Wer sich für ein Screening oder Event anmeldet, hat vorher geprüft, ob für ihn oder sie tatsächlich die Möglichkeit besteht, am Screening teilzunehmen. Wer sich danach ohne Grund abmeldet, wird für das nächste Screening gesperrt.
  3. Wer im Nominierungsprozess dann einen der Plätze zugesprochen bekommt, hat 24 Stunden Zeit dies emailtechnisch zu bestätigen nach der Bekanntgabe der Nominierungen. Bleibt diese Bestätigungsmail aus, wird der Platz anderweitig vergeben.
  4. Wer danach 24 oder weniger Stunden vor dem Screening die Teilnahme am Screening absagen muss, kann dies ab jetzt nur noch per Telefonat tun – die entsprechende Telefonnummer lautet 0176 9932 9757, also entweder mir direkt mitteilen oder auf die Mailbox sprechen.
  5. Wer die Teilnahme am Screening dann nicht wahrnimmt, ohne abgesagt zu haben, wird von weiteren Teilnahmen an Events und Screenings auf unbestimmte Zeit ausgeschlossen.
  6. Wer keine INDAC Kritik für den Blog ohne Rücksprache mit mir abliefert ohne sein Verhalten plausibel zu begründen, wird ebenfalls für weitere Teilnahmen an Screenings und Events auf unbestimmte Zeit gesperrt.
  7. Wer darüber hinaus gegen die obigen Auflagen in irgendeiner Form verstößt oder die jeweiligen Vorgaben des Verleihs in Sachen Embargo oder ähnlichem in irgendeiner Form missachtet, wird auf unbestimmte Zeit für weitere Events und Screenings gesperrt.

Die Indachs-Kritik von Johannes Wolters zu The Huntsman & The Ice Queen

Die Kritik wurde in den Stuttgarter Nachrichten veröffentlicht und findet sich auch dort auf der Webseite!

Vor drei Jahren ließ die Geschichte von Snowwhite und dem Huntsman das Publikum unbefriedigt zurück, am Ende stand die Prinzessin emotional zwiegespalten zwischen dem rustikalen Jägersmann und dem naiven Prinz Charming. Jetzt greift ein neuer Film die losen Enden auf und versucht, die Geschichte zumindest halbwegs zu Ende zu erzählen.

Hollywood – Vor drei Jahren ließ die Geschichte von Snowwhite und dem Huntsman das Publikum unbefriedigt zurück, am Ende stand die Prinzessin emotional zwiegespalten zwischen dem rustikalen Jägersmann und dem naiven Prinz Charming. Jetzt greift ein neuer Film die losen Enden auf und versucht, die Geschichte zumindest halbwegs zu Ende zu erzählen – und kreiert auf diese Weise das Genre eines Pre-Sequels, einer Vor-Fortsetzung.

Man erfährt, dass die böse Königin (Charlize Theron) eine freundliche Schwester (Emily Blunt) hatte, die zur mächtigen, kalten Ice-Queen wird, als sie ihren Liebsten und ihr Kind durch Intrigen grausam verliert. Sie beginnt in ihrer Eisfestung eine Armee entführter Kinder zu Huntsmen (Jägern) auszubilden, um die Welt zu erobern und von der Liebe zu befreien. Als sich zwei der Kinder ineinander verlieben, übt sie grausame Vergeltung an den beiden. Sieben Jahre später ist aus dem einen der Kinder der titelgebende Huntsman (Chris Hemsworth) geworden, der sich nun mit dem Problem des Zauberspiegels herumplagen muss, welcher nicht in die Hände der Schneekönigin fallen darf. Und so entspinnt sich eine abenteuerliche Heldenreise mit Zwergen, Kobolden, Feen, bösen Räubern, edlen Rittern, wahrer Liebe.

Bildgewaltig kommt der zweite Teil der „Huntsman“-Saga daher, deutlich besser und zügiger inszeniert als der schwerfällige erste Teil. Die Hauptdarsteller Theron, Blunt und Hemsworth sind hinreißend böse, tragisch und heldenhaft, die Nebendarsteller sorgen für zündenden Humor. Allein das Drehbuch schlingert gewaltig hin und her, es muss soviel erzählt werden, dass die Zeit kaum reicht und irgendwann auch nicht mehr ganz klar ist, wessen Geschichte hier eigentlich erzählt wird und warum. Es gibt Serienformate im deutschen Fernsehen, die haben im Jahr weniger Handlung als hier in 2 Stunden abgearbeitet wird.

Der Film bietet visuelle Schauwerte im Überfluss

Dies führt dann zu Story-Abkürzungen, die teilweise grotesk anmuten. Aber das ist natürlich auch Jammern auf hohem und sündhaft teurem Niveau: Der Film bietet visuelle Schauwerte im Überfluss, die den Besuch eines 3D-Kinos lohnen, viele liebenswerte Details, die an „Narnia“, „Hobbit“ und „Goldenen Kompass“ erinnern, ohne ihren eigenen, grimmigen Charakter zu verlieren. Fans von Kristen Stewart kommen nicht auf ihre Kosten, ihre Snowwhite taucht im Film nurmehr in Rückblenden auf – kaum auszudenken, wie unbalanciert der Film erst geworden wäre, wenn man ihre Figur auch noch angemessen hätte unterbringen wollen.

Ein ärgerliches Letztes: Warum „Huntsman“ (Jäger), „Ice Queen“ (Schneekönigin) und „Snowwhite“ (Schneewittchen) nicht eingedeutscht wurden, sondern auch in der deutschen Fassung englisch heißen, weiß nur der deutsche Verleih – im Kino führt es zu unnötigen Irritationen.

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