Die Indachs Kritik von Michael Knoll zu Marvels „Doctor Strange“

Mit DOCTOR STRANGE liefert Marvel den zwölften Eintrag ins hauseigene MCU (Marvel Cinematic Universe) ab und präsentiert mit Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor und Benedict Cumberbatch nicht nur drei Darsteller mit unaussprechlichen Namen, sondern drei der derzeit angesagtesten männlichen Performer. Aber auch Tilda Swinton und Rachel McAdams sorgen für qualifizierte weibliche Unterstützung. Ob Regisseur Scott Derrickson, dessen Filmografie man wohl am besten als unberechenbar hinsichtlich der Qualität bezeichnen kann, diesen hochkarätigen Cast zu inszenieren weiß, wird sich spätestens an den Kinokassen zeigen.

DOCTOR STRANGE erzählt die Geschichte eines überheblichen aber liebenswerten Mannes, der am Scheideweg seines Lebens eine Kraft entdeckt, die ihm zum Helden wider Willen werden lässt. Wem das bekannt vorkommt, der darf sich gerne noch einmal andere Marvel-Origin-Filme ansehen wie zum Bsp. IRON MAN, THOR oder GUARDIANS OF THE GALAXY. Brauchen du Zuschauer also eine weitere Origin-Story? Die Antwort lautet eindeutig ‚Jein!‘

Auf der einen Seite ist DOCTOR Strange einfach eine gut erzählte Geschichte. Sie integriert sich ins MCU und ist dennoch eigenständig genug. Die Geschichte des eitlen Genies Dr. Strange, der nach einem Unfall seinen Beruf als Chirurg nicht mehr ausführen kann und auf der Suche nach einem geheimen Heilmittel in eine unvorstellbare spirituelle Welt vordringt, funktioniert auf ganzer Linie. Sie bedient sich zwar einem Malen-nach-Zahlen-Muster, macht das aber so kreativ, dass es selten aufstößt. Schon allein der Clou, dass durch die Magie schier alles möglich ist, wird (im Gegensatz zu vielen anderen Filmen) gut, nachvollziehbar und gezielt verwendet. Während man solche Elemente oft nur einsetzt, wenn man es gerade braucht, hat man hier zumindest das Gefühl, dass die Magie Teil der Welt ist und stetig genutzt werden kann. Das Konzept geht auf, die spiritistischen Elemente integrieren sich mit den Effekten und Story.

Das Ganze ist in einer Neon bunten Farbsprache gewickelt, die zumindest den Comic-Fans bekannt vorkommen sollte. Es handelt sich um die Farbgebung und visuelle Sprache, die 1999 mit dem (im weitesten Sinne) ‚Softreboot‘, das innerhalb der Marvel Knights Reihe stattgefunden hat (Doctor Strange: The Flight of Bones) und den Doctor neu prägte. Interessanterweise bekam in derselben Reihe auch der Ghost Rider eine Frischzellenkur verpasst und im Film GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE erscheint das Marvel Knights Logo dort das einzige Mal im Vorspann. Das war 2011, als das MCU schon voll am Laufen war. Es wurde der Eindruck suggeriert, dass Marvel eine eigene B-Film Kategorie mit weniger bekannten Figuren eröffnet. Und es würde nicht verwundern, wenn zu diesem Zeitpunkt schon das erste Konzept zu DOCTOR STRANGE stand. Aber warum wurde das Marvel Knights Cinematic Universe nicht weiter verfolgt? Wahrscheinlich hatte es mit den Zahlen zu tun. Denn die Filme des MCU sind so erfolgreich, dass man gar keine B-Ableger produzieren muss. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass DOCTOR STRANGE in der Phase 3 des MCU startet, direkt nach CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR. Letzteren kann ein Unkundiger, ohne MCU Erfahrung, kaum ohne beiliegende Betriebsanleitung vergnüglich konsumieren. Eine frische Origin-Story sorgt nicht nur für einen leichten Einstieg, sie lockt mit den frauenaffinen Darstellern Cumberbatch und Mikkelsen vor allem weibliches Publikum in die Kinos. Das Ganze noch in eine mystische Welt verankert und perfekt ist der Herbst Einsteiger MCU Film.

Aller äußeren Kritik beiseite. DOCTOR STRANGE ist ein extrem unterhaltsamer und kreativer Fantasyfilm mit hervorragenden Darstellern für jedermann. Er ist nicht perfekt, aber innerhalb des Genres Comicverfilmungen ganz weit oben. Bleibt zu hoffen, dass dieses Niveau erhalten bleibt. Denn der nächste Eintrag folgt im Frühjahr mit dem heiß erwarteten GUARDIANS OF THE GALAXY 2 („Ooga Chaka, Ooga Ooga, Ooga Chaka, Ooga Ooga“).

Michael Knoll, Leipzig

Die INDAChs Kritik von Letty Felgendreher zu Marvels „Doctor Strange“

So wie der Trailer bereits eine visuelle Bombastik versprach, gepaart mit  fernöstlicher Hollywood-Ästhetik und unterhaltsamer Story, so war denn auch der Film.

Dr. Stephen Strange, ein Neurochirurg, der in seinem Beruf außerordentlich begabt ist, verliert nach einem Unfall seine zur Ausübung seines Berufes nötigen ruhigen Hände.

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Letty Felgendreher

Geplagt von Verzweiflung und „Nicht-Akzeptierens“ begibt er sich nach Tibet, um dort einen Wunderheiler aufzusuchen. Dieser eröffnet ihm eine Welt, fernab der sachlichen, wissenschaftlichen, in der sich Dr. Strange bisher so sicher bewegt hatte. Den arroganten, aber irgendwie auch bewundernswerten Typen fallen zu sehen, gleichzeitig Mitleid mit ihm zu empfinden und die Möglichkeit zu haben, bei seiner Tragik und seinem wieder aufstrebenden Kampf mitzufiebern – das ist ein funktionierendes Rezept. So auch bei „Dr. Strange“. Die Welt, die Anspielungen ans generelle Marvel Universum,  die Fantastik, die Phrasen – alles ist groß und visuell super.

Die schauspielerische Leistung ist auch wirklich gut. Die Story an sich – nun ja, es ist der Auftakt eines neuen Helden, es gibt natürlich wieder Böse und die Überbösen. Währen die Helden diesen entgegentreten, kommt immer wieder ein Witzchen, der das ganze auflockert.(Zumeist auch gut gelungen!)

Das ist vielleicht auch eine der wenigen Sachen, die etwas stören könnten – so ganz weiß man nicht, ob der Film nun eigentlich auch manchmal wirklich ernsthaft/tragisch sein möchte, oder dies nie das Ziel gewesen ist – denn eigentlich scheint der Weg vom Neurochirurgen zum magischen Kämpfer im Nachhinein betrachtet gar nicht so schwer(bis auf die Anfangsphase). So erscheint der Film nicht zu drückend, es bleibt gut konsumierbare Unterhaltung. Man geht mit einem zufriedenem Gefühl aus dem Kino – ohne jedoch zu sehr in ein kopfphilosophisches Dasein zu verschwinden, dafür ist alles dann doch leicht genug serviert.

Letty Felgendreher, Leipzig

 

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Die INDAChs Kritik von Rufin Wiesemann zu Marvels Doctor Strange

!Dr. not really that Strange

Nun hat auch Dr.Strange als einer der weniger bekannten Helden den Sprung aus dem Marvel Universum auf die Leinwand in unsere Realität geschafft. Und mit ihm eine unglaubliche Vielzahl visuell wirklich anspruchsvoller und sehenswerter Effekte, die ein echter Anreiz sein sollten, den Weg in eine gute 3D Projektion einzuschlagen. Denn so viele rasant und bildgewaltig erzählte Dimensionen sollte man nun wirklich nicht nur zweidimensional betrachten. Alles andere wäre so, wie „Indiana Jones – Tempel des Todes“ auf dem Handy zu schauen.

Die Storyline ist, wie bei Comic Verfilmungen üblich, nicht wirklich imposant. Nur mit einer ungefähren Ortsangabe und dem Namen eines geheimnisvollen Ortes bewaffnet, macht sich der schnöselige und selbstbezogene Neurochirurg Dr. Strange (Benedict Cumberbatch), der bei einem Autounfall  die Feinmotorik seiner Hände und damit natürlich seine gesamte bisherige Daseinsberechtigung eingebüßt hat,  auf die Suche nach einer Wunderheilung, um sein altes Leben als brillanter Operateur und überhebliche Nervensäge zurück zu gewinnen. Doch anstatt der erhofften Medizin findet er nach gefühlten zwei Tagen am Ende der Welt Zutritt zu einer geheimen Gesellschaft von Magiern, die unsere geliebte blaue Kugel vor den zerstörerischen dunklen Mächten aus unzähligen Parallel-Universen unseres Multiversums schützt. Als anfänglich widerstrebender aber schon sehr bald durch die Älteste (Tilda Swinton) in schwindelerregendem Tempo überzeugter Schüler, ist er binnen Kurzem ein formidabler Magier, der bereit ist gegen alle abtrünnigen Zauberkräfte auf Erden und darüber hinaus anzutreten.  So beginnt dann auch umgehend eine szenisch eindrucksvoll, weitgehend detailverliebt  und heiter inszenierte Schlacht rund um den Globus und Kreuz und quer durch Zeit und Dimension, an deren Ende nur Dr. Strange in seinem  hingebungsvollen Umhang zwischen der uns bekannten Realität und der alles vernichtenden zeitlosen Dunkelheit steht.

Mit der Geschichte von Dr. Strange hat Marvel Comics es mal wieder auf einzigartige Weise geschafft, eine der bedeutungsvollsten und nach wie vor aktuellsten gesellschaftlichen Fragen sinnbringend zu berühren, ohne dabei in den Pathos eines gesellschaftskritischen Dramas verfallen zu müssen. Mit spielerischer Leichtigkeit wird hier in reizüberflutenden und sehr heiteren Bildern die Abkehr vom oberflächlichen Karriere-Eifer zum Suchen nach der inneren höheren Bestimmung in einer Selbstverständlichkeit erzählt, die jeden buddhistischen Mönch vor Neid erblassen lassen würde. Und das ohne den Zuschauer auch nur einen einzigen Moment mit Langeweile oder Tiefsinn zu foltern. Popcorn Kino, das beim anschließenden Kaffee oder Bier dann doch noch zum Denken verleitet ?  Nicht wirklich. Aber absolut amüsant.

Rufin Wiesemann

Die INDAChs Kritik von Janine Krieg zu Marvels Doctor Strange

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Janine Krieg (Jane War)

Mit Doctor Strange bewegt sich das Marvel Universum nun mehr in Richtung Magie. Die Trailer versprachen einen Film mit wunderschönen visuellen Effekten und genau das bekommt man auch.

Gleich zu Beginn zeigt der Film was er auf der Effektebene kann. Die Sehgewohnheiten werden aufgelöst und die Welt wortwörtlich aus den Fugen gehoben. Nichts ist unmöglich und Raum und Zeit haben keine Bedeutung mehr. In den ersten szenen verliert man sich sofort in den Morphingen und Trasformierungen von Häuserwänden, da geraten die kämpfenden Akteure fast aus dem Blick.

Bei vielen Filmen scheint der 3D Effekt unnötig, bisweilen störend und trägt oft nicht zum Mehrwert des Filmes bei. Doch bei Doctor Strange ist die 3D Version sehr zu empfehlen, umso mehr wird man in die gewaltigen Bilderwelten gesogen.

Leider kann die Handlung nicht mit den Effekten mithalten. Der Storyaufbau erfolgt nach Schema F und ist in großen Teilen sehr vorhersehbar. Zum Glück sind hier und da kleine Überaschungen eingebaut. Marvel-typisch gibt es viel zu lachen. Guter Dialogwitz und Slapstick lockern die Handlung ständig auf. Dabei bleibt kein Platz für großes Drama oder tiefgreifende Emotionen. Auch die Spannung hält sich in Grenzen.

Die Hauptdarsteller sind durch die Bank gut besetzt. Besonders  Benedict Cumberbatch als Doctor Strange konnte sein arrogante und besserwisserische Darstellung wieder zum Besten geben, die ihn auch bei „Sherlock“ ausmacht. Tilda Swinton als „Most Ancient“  gefallen. Ihre ruhige Art und wie sie scheinbar immer lächelt, machen sie sehr sympathisch und undurchschaubar zugleich. Leider konnte der sonst überragende Mads Mikkelsen seine schauspielerische Stärke bei diesem Film nicht ausspielen, dafür war sein Character zu schwach geschrieben.
Einige Statisten wirkten leider etwas hölzern im Vergleich zu den Hauptdarstellern.

Imposant waren die ausführlich choreographierten Kampfszenen, die vor allem in einem sich ständig ändernden Raum  mitzureißen wussten.

Doch nun zum eigentlichen Grund Doctor Strange anzuschauen: den visuellen Effekten. Sie waren einfach atemberaubend und man hatte das Gefühl, dass sich die VFX Artits hier richtig austoben konnten. Phantasiereich und mit Liebe zum Detail sind die Umgebungen gestaltet und bei der Deformierung des Raumes  wurde alles vorstellbare und auch unvorstellbare ausprobiert. Die Effekte wirken sehr überzeugend und gut integriert. Nur einige kleine Ausrutscher gibt es in denen die Charaktere aussehen als würden sie wie früher vor einer Leinwand stehen. Doch die restlichen, überragenden Szenen machen das allemal wieder wett.

Alles in allem bietet Marvel’s Doctor Strange ein gut gelungenes Popcornkino ohne großen Tiefgang bei der Handlung, ist dafür aber auf der visuellen Ebene ein absoluter Augenschmaus, den man auf der großen Leinwand wohl am besten genießen kann.

Janine Krieg

http://jane-war.tumblr.com/

INDAC SCREENING: DOCTOR STRANGE

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In Zusammenarbeit mit DISNEY darf INDAC jeweils 5  Animationschaffende in Hamburg, Berlin, Leipzig, Berlin, Düsseldorf, München und Frankfurt zu einer Sondervorführung des Films DOCTOR STRANGE  einladen!

Der Film wird in der amerikanischen Fassung (OV) und in 3D gezeigt, Filmlänge ca. 115Min.

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