Hier die Filmkritik von Marina Hartfelder zu Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“

Isle of Dogs – Ataris Reise (Originaltitel Isle of Dogs) ist ein Stop-Motion-Animationsfilm, der in naher Zukunft in Japan spielt. Die Hundepopulation von Megasaki City hat kritische Ausmaße erreicht. Als auch noch die Hundegrippe ausbricht, werden drastische Maßnahmen ergriffen und alle Hunde auf die Müll-Lagerungs Insel ‚Trash Island‘ verbannt. Atari, ein 12-jähriger Junge, landet auf der Insel, um seinen Hund ‚Spots‘ zu finden. Er schließt sich mit einem Rudel Alpha Hunde zusammen und erlebt unerwartete Abenteuer.

Was für ein wundervoller Film! Wes Anderson ist für mich ein sich selbst treu gebliebener Tim Burton.  Wie schon bei ‚Der fantastische Mr. Fox‘ steckt in den mit Liebe zum Detail entwickelten Figuren mehr leben als in manch einem Schauspieler.  Die Charaktere sind sagenhaft umgesetzt und die Erzählung ist gleichzeitig zum Schmunzeln und Tränen verkneifen.

Mit viel Humor, trockenem Witz und hervorragend ausgewählten Synchronstimmen gehört ‚Isle of Dogs’ für mich in keine Kategorie,  die man mit einem Preis auszeichnen müsste. Der Film lebt für sich und bringt einen zum Lachen, Nachdenken und in Bastellaune, sobald man den Kinosaal verlässt. Etwas schwierig war es dem Gesprochenen und den Untertiteln zu folgen. Visuell aber auch inhaltlich gibt es so viele Details, versteckte als auch offensichtliche, die man nicht verpassen wollte.  Die kontrastreichen Szenenkompositionen und Bildsprache sind in seiner Art einzigartig. Künstlerin wie Yuko Schimizu tragen maßgeblich dazu bei. Wer unterschwellige Satire mag, wird diesen Film lieben, denn er ist unglaublich politisch ohne direkt anzugreifen. Wie ‚Tim und Struppi‘ Comics von Herge ist ‚Isle of Dogs – Ataris Reise‘ für große und kleine Erwachsene. Man kann ihn sich mehrmals ansehen und wird jedes Mal etwas Neues entdecken. Fazit: Für ‚Hundenichtliebhaber‘ nicht geeignet. Für alle anderen besonders empfehlenswert ob im Kino oder für zu Hause!

Danke für die Einladung.

Marina Hartfelder

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Die Filmkritik von Alena Nicolai zu Marvels „Avengers | Infinity War“

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR..Thanos (Josh Brolin)..Photo: Film Frame..©Marvel Studios 2018

Zunächst einmal SPOILER. Dann geht’s weiter!

 

Was soll ich sagen?

Vielleicht, dass ich seit über einer Woche vor einem leeren Dokument sitze, im Hintergrund flüstert die Stimme Schreib doch endlich deine Kritik… Ja, gerne. Aber was soll ich denn sagen?

Vielleicht sollte ich damit anfangen zu erzählen wovon der Film überhaupt handelt? Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Worum geht es überhaupt?

Thanos? Definitiv!

Thanos, ein mächtiger Despot und Ziehvater van Gamora, will übermächtig werden und die gesamte Galaxie unterwerfen oder besser gesagt nach seinen Wünschen gestalten. Dazu benötigt er die Infinity Stones und wie wir als Zuschauer seit mehreren Teilen im Marvel Cinematic Universe (MCU) wissen, sind diese verstreut, versteckt und beschützt. Thanos zieht also plündernd und mordend durch das Weltall, schickt seine Schergen aus und löscht jeden aus, der sich ihm in den Weg stellt. Soweit also kein unbekannter Plot.

Überladen mit Gedanken und Erwartungen bin ich dann endlich im Kino gelandet. Ein wunderbar kribbeliges Gefühl im Bauch „Wie wird diese Geschichte weitergehen“? Film ab – und direkt das erste Fragezeichen im Kopf. Wo zur Hölle sind wir? Denn eine Hölle scheint es zu sein. Bruchstücke eines Raumschiffes und tote Körper stapeln sich auf der Kinoleinwand. Ich schlucke. Alles andere als eine leichte Atmosphäre. Bin ich doch von Guardians Vol. 2 mehr als verwöhnt mit skurrilem Slapstick. Ich muss dazu sagen, dass ich im letzten Jahr nicht (!) Thor: Ragnarök gesehen habe. „My bad“ wie sich herausstellt, denn Inifinity War setzt nahtlos dort an. Nach kurzer Verwirrung (warum ist Fury im Weltall und warum hat er Haare? Ach halt, das ist Thor..?!) Chris Hemsworth in seiner Paraderolle. Geschlagen, gebeutelt, unrasiert, einäugig widersetzt er sich Thanos.  Hier freut sich mein weibliches Fanherz und ganz nach dem Motto „nur ein schmutziger Aragon, ist ein guter Aragon“  halte mich ich zurück die Arme hochzureißen und ihn anzufeuern.

Leider hält meine teeniehafte Stimmung gerade mal ein paar Minuten. Nach einem unspektakulären Muskelspiel, setzt Thanos unter das Zusammentreffen einen Schlussstrich und nimmt sich wofür er gekommen ist. Im Vorbeigehen werden Loki und Heimdhal entsorgt, der Rest in die Luft gesprengt. Cut.

Wie, was… what happened? Ich schaue auf die Uhr. Keine 15 Minuten. Was ist da gerade passiert? Die Anfangsszene setzt sowohl das Tempo als auch den Ton. Die Atmosphäre ist anders als in allen anderen MCU Filmen. Das Kino ist still, das Publikum angespannt. Ein unangenehmes, stumpfes Gefühl setzt sich in meiner Magengegend fest. Es sagt: Ich will nicht. Jetzt eine Woche nach Infinity War ist „ich will nicht“ immer noch der Satz, der sich für mich durch diesen Film zieht.

Ich will nicht wissen, welcher lächerlichen Ideologie Thanos folgt und damit sein Verhalten entschuldigt.

Ich will nicht lachen, über die kleinen Seitenhiebe, doch manchmal kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Doch von Herzen kommt es nicht.

Ich will nicht hören, where, who or why Gamora is.

Ich will nicht sehen, wie Team um Team nach Schema F (introduction, fight, destruction) geschlagen und abserviert wird.

Ich will nicht sitzen bleiben und auf den Nachspann warten.

Und doch tue ich es, den ganzen Film lang.

 

Also was sage ich jetzt? Inifinity War, ein Film in epischer Länge. Nur für Fans wohlgemerkt, alle anderen werden mit Figuren überladen, die sie weder kennen noch lieben. Aber es ist bildgewaltig und das nicht zu knapp. Die VFX sind gigantisch. So lieblos die Charaktere in den Film hineingeschleudert (und herausgerissen) werden, so liebevoll waren hier Hunderte Visual Artists am Werk und geben mir worldbuilding deluxe. Da verzeihe ich auch den ein oder anderen starren CG-Charakter.

Und nachdem ich meine Urlaubsabende damit zugebracht habe, vorherige Teile des MCU noch einmal zu anzuschauen (und ja dieses Mal mit Black Panther und Thor: Ragnarök enden werde), sage ich: Auf ein Zweites.

Ich will also doch und vor allem will ich Part 2, und zwar sofort, motherfucker.

 

Alena Nicolai

Bemerkungen zur „Jungle Book“- F.A.Z.-Filmkritik von Jürgen Kaube, Mit-Herausgeber der FAZ

Eine Filmkritik sollte nach meinem Verständnis mir als Leser oder in diesem Falle als Zuseher den besprochenen Film empfehlen oder aber mir davon abraten. Dies mit Argumenten und auch gerne mit subjektiven Einwürfen, einer Meinung. Insofern gebe ich gerne zu, dass ich mich über Art und Attitüde lange nicht mehr so erregt habe, wie hier bei der FAZ Filmkritik von FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube. Deswegen erlaube ich mir hier an dieser Stelle einige Bemerkungen – zunächst aber einmal erst hier die Kritik Jürgen Kaubes:

Hier der Link zur Kritik: Bitte anschauen!

Zumindest in meinen Augen handelt es sich hier um einen guten Ansatz einmal, um zu erkennen, wo es in der „öffentlichen“ Wahrnehmung so alles hapert, wenn es sich einmal um den Bereich Animation und VFX dreht.

Der Film hat den Kritiker derart überrumpelt, dass er gar nicht gemerkt hat, dass auch die Natur in diesem Film zum allergrößten Teil nicht echt ist. Die atemberaubenden Vorträge von Oscargewinner Rob Legato und Adam Valdez auf der diesjährigen FMX in Stuttgart haben da einen großartigen Einblick erlaubt. Man wagt ihm gegenüber kaum zu erwähnen, dass Rob Legato stolz erläuterte, dass selbst der Junge Mowgli  zu einem Gutteil mit Hilfe eines Digi Double erschaffen wurde. Wirft natürlich die Frage auf, inwieweit muß eigentlich ein Kritiker auf dem Laufenden sein, hinsichtlich der künstlerischen Neuerungen, um bewerten zu können, ob ein Film gut oder schlecht erzählt ist. Die Tatsache, dass er den Film für einen Realfilm hält, ist wohl eher ein Beweis dafür, dass die Filmemacher hervorragende Arbeit abgeliefert haben, sagt aber natürlich nichts darüber aus, ob der Film auch gut unterhält.

Kaubes Negativ-Kritik setzt nun damit ein, dass der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und so mit die Speerspitze des intellektuellen deutschen Feuilletons folgendes messerscharf erkennt:

„Ich würde zögern, mit kleinen Kindern hineinzugehen, weil es doch eigentlich nur Atemlosigkeit verbreitet und Größe,(…) es ist eine Abfolge von Wahrnehmungsschocks in diesem Film, und insofern ist es eigentlich eher ein Film für ein schon etwas älteres Publikum.“

Wahrscheinlich ein dezenter Hinweis darauf, dass der Film-Kritiker von den Disney Studios nur Preschool-Filme a la „Kleiner Rabe Socke“ bzw. „Mullewapp“ erwartet und erstaunt ist, dass der Film sich nicht an seinen Erwartungshorizont hält, sondern etwas gänzlich anderes versucht. Woher kommt nach Filmen wie „Der König der Löwen“ (Vater stirbt), „Bambi“ (Mutter stirbt), -die Liste ließe sich munter fortsetzen-, die irrige Annahme, dass Disney nur für kleine Kinder Filme herstellt?  Selbst der Zeichentrickfilm von 1967 war nicht für kleine Kinder gedacht und schon recht nicht die fotorealistische Neuverfilmung von 2016. In den USA hatte der neue Film ein PG Rating (Parental Guidance Suggested: Begleitung eines Erwachsenen empfohlen), in Deutschland hat er eine grenzwertige (meine Meinung!) Alterfreigabe ab sechs Jahren. Wenn ich hiermal meine persönliche Meinung noch einmal kundtun dürfte: nach all meiner Erfahrung mit Kindern von 2-9 im Kino, sei es durch Verwandtschaft oder Pvs mit Kinderbegleitung: Kino ist für Kinder unterhalb von 5 Jahren generell nicht geeignet, vielleicht noch in einer 1:1 Situation mit einem Elternteil oder Begleitung, aber selbst das ist meist noch schwierig. In Toy Story 3 fragte man sich bei der Szene im Verbrennungsofen: Warum gab es da nur eine FSK Freigabe von sage und schreibe 0 Jahren? Kulminiert letztendlich in der Frage: Seit wann und vor allem wieso nur glaubt das Feuilleton und die Öffentlichkeit, das Trickfilm etwas nur für kleine Kinder sei, wenn ihnen Jahr für Jahr mit Filmen wie Simpsons, Avatar, Wall-E, Zoomania (auch an der Kinokasse) immer wieder das Gegenteil bewiesen wird?

Doch zurück zur Kritik: Dass dies alles für Kaube keine Kunst, sondern nur atemloser Hollywood-Kommerz ist, macht dann folgendes Zitat in der Kritik deutlich: „Im Abspann werden ungefähr 600 Computer-Ingenieure genannt, die für das Ganze verantwortlich sind, insofern beeindruckt das. Aber auf der Ebene der Erzählung würde ich den Trickfilm und das Buch empfehlen.“

Kurz mal die Definition von Ingenieur:“ jmd., der an einer Hochschule ein Studium der Technik absolviert hat“. Und kurz mal die Definition von Künstler: “ jmd., der beruflich im Bereich der Kunst1 tätig ist, Kunstwerke schafft oder darstellend interpretiert.“

Hier wird säuberlich auseinanderdividiert: Computeranimation wird von Computeringenieuren, von Technikern gemacht, keinen Künstlern – ergo keine Kunst, ergo kein künstlerischer Wert – Trickfilm und Buch sind besser, wahrscheinlich weil,  so möchte ich jetzt hineininterpretieren, das dort wohl doch echte Künstler waren beim Zeichentrickfilm und Kipling ein großer Autor mit Nobelpreis. Was für ein interessantes Argument: Weil jetzt keine Stifte und Pinsel verwendet wurden (was natürlich ohnehin nicht stimmt, er weiß es nur nicht besser), diese akzeptieren wir inzwischen als Beweise von Kunst, weil also hier der Animator nur vor dem Rechner sitzt, handelt es sich jetzt nur um Ingenieure. Hier sieht man dann spätestens, dass es besser wäre, würde der Kritiker zumindest rudimentär etwas über moderne Prozesse des Filmemachens wissen.

Und noch ein Zitat: „„The Jungle Book … ist ein genau auf das Zielpublikum abgestimmter Film, leicht und glatt, der sich ausschließlich auf die Wirkung seiner vermenschlichten Tierfiguren verläßt. Wer aber Vergleiche mit früheren Filmen zieht, muß etwas wehmütig an die alten Meisterwerke zurückdenken.“ Dies schrieb Reinhold Reitberger in seiner Disney Monographie bei rororo, erschienen im Jahre 1978. Gemeint ist natürlich hier der Trickfilm von 1967.

Kommentar von Katharina Frank:

Inhaltlich fühle ich mich Knaubes Urteil sehr nah. Seine Attitude gegenüber uns Artists hingegen ist unerträglich. Die Blasiertheit des Feuilletons/ der Kulturredaktionen gegenüber dem Medium ist leider die einzige Konstante in der Berichterstattung über digitale Animation, wenn dann überhaupt erst mal berichtet wird. Ich erinnere mich noch wie heute an einen Beitrag von Katja Nicodemus auf dradio, als sie 2009 vom Eröffnungsfilm in Cannes berichten musste – Pixar’s Up, ein Trickfilm, was für eine Zumutung! Schlimmer noch als Knaube ging sie weder auf Inhalt noch Visuals ein, sondern bemitleidete sich ausgiebig selbst dafür, dass die an sich sonst so vernünftigen Franzosen erwarteten, man wolle an der opening night in Cannes einen Kinderfilm ansehen!
Nun ist völlige Unkenntnis eines Gestaltungsprozesses nichts verwerfliches – wer weiß schon, wie man Bronze giesst, Glas bläst oder Silber schmiedet. Wenn man aber Nichtwissen als „Argument“ dafür benutzt wird, eine ernsthafte Beurteilung von computergenerierten Filmen nach Kriterien, die für j e g l i c h e s Filmschaffen gelten, abzulehnen, krieg ich als Kreative echt zuviel. Zumal die meisten „Cineasten“ ganz sicher ihre liebe Not hätten, zu erklären, wie denn eigentlich traditionelle, „echte“ Filme produziert werden. Aber getreu dem Motto, „Ich hab zwar keine Ahnung wie es gemacht wird, aber weil es so gemacht wird wie ich nicht weiß, finde ich es doof,“ wird fröhlich weiter rezensiert. Unschlagbar, diese Kombination, aber sie ist nicht totzukriegen.
Wenn man schon die 600 „Projektionsmeister“ erwähnt, die im Abspann stehen, gäbe es genügend Themenkreise, in die vorzustossen interessant sein könnte. Man könnte über die Steuergeschenke bestimmter Weltregionen an VFX-Riesen sprechen, die das Arbeitsumfeld vieler dieser Artists Jahr für Jahr toxischer werden lassen. Aber das scheint nicht so reizvoll zu sein wie deren kreative Leistung zu negieren.
Aber, was rede ich eigentlich, ich hätte den Artikel gar nicht lesen sollen. Schließlich stimmt nur, was in Keilschrift auf Steintafeln steht. In diesem Sinn: Bröckel weiter, Kritiker-Hirn.

 

 

 

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