Hier die INDACHs Kritik von Nils Eckhardt zu Guillermo del Toros „THE SHAPE OF WATER – Das Flüstern des Wassers“

Ein ganz dickes Dankeschön an dieser Stelle, dass Du uns durch INDAC die tolle Möglichkeit dieser Screenings bietest! Ich schaffe es zwar nicht immer zu allen Vorstellungen, aber allein das Angebot ist großartig. DANKE!

Anbei nun meine Kritik zu einem grandiosen „Shape of Water“:

Guillermo del Toro stellt mit „The Shape of Water“ ein weiteres Mal unter Beweis, dass er ein begnadeter Geschichtenerzähler ist. Zu Recht wurde er für sein aktuelles Meisterwerk bereits im Januar mit dem Golden Globe 2018 für die beste Regie ausgezeichnet. Skurril, surreal, wunderschön, fantastisch und verstörend brutal ist der Film, so wie man es schon von früheren Projekten von del Toro (etwa „Pans Labyrinth“) kennt.

„The Shape of Water“ ist ein poetisches, fast märchenhaftes Liebesdrama, in dem es um die Beziehung zwischen der stummen Elisa und einem amphibischen Wesen geht, welches als Forschungsobjekt in ein Geheimlabor gebracht wird, in dem Elisa als Putzfrau arbeitet.

Ohne viele Umwege werden in den ersten Minuten des Filmes die Hauptcharaktere und das Setting eingeführt und die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf. Einen Moment lang mag man sich davon ein wenig überrumpelt fühlen. Die sehr direkte und schnörkellose Art des Storytellings hilft aber dabei die fiktive Welt einer amerikanischen Kleinstadt Anfang der 60er Jahre mitten im kalten Krieg anzunehmen und bestimmte behauptete Zusammenhänge als gegeben zu betrachten und nicht weiter zu hinterfragen.

Alles andere als schnörkellos ist das Setdressing. Die Requisite und das Design sind mal opulent, mal angehaucht von Steampunk, mal schlicht und funktional. Stets der Handlung angemessen wird die Geschichte hervorragend unterstützt und es werden Bilder geschaffen, die für die große Leinwand prädestiniert sind – einfach schön anzusehen.

Ebenfalls erwähnenswert ist die fantastische Filmmusik in „The Shape of Water“ und von der gibt es eine Menge! Ich kann mich nicht erinnern im Abspann eines Filmes jemals eine so lange Liste mit Musikstücken gesehen zu haben.

Ein kleines Schmankerl ist ebenfalls im Abspann zu finden, wenn man genau aufpasst: für die Stimme/Geräusche des Amphibienmannes ist der Regisseur höchstpersönlich ins Tonstudio gegangen.

Es sei aber zum Abschluss dieser Kritik nochmal darauf hingewiesen, dass „The Shape of Water“ durchaus verstörend auf zart besaitete Seelen wirken kann und deshalb aus meiner Sicht berechtigt mit der FSK 16 bewertet wurde. Ich persönlich fand es zwar nicht so übel wie bei „Pans Labyrinth“ (ich erinnere an die Nase-mit-Weinflasche-zertrümmer-Szene), aber den ein oder anderen zwischenmenschlichen Körperkontakt zeigt del Toro doch recht explizit.

Alles in allem ist „The Shape of Water“ ein wundervolles Filmerlebnis für das es sich endlich mal wieder lohnt ins Kino zu gehen und bietet neben dem ganzen aktuellen Superhelden-Einheitsbrei ein beeindruckendes Alleinstellungsmerkmal.

Nils Eckhardt, Illustrator (IO), Artist for Storyboard, Concept Design and Animation
www.nilseckhardt.com

Hier die INDAChs Kritik von Alena Nicolai zu Guillermo del Toros „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

Hi Johannes,

vielen herzlichen Dank, dass ich mitgehen durfte. ein toller Film! Hier mein Bericht:

Das Flüstern des Wassers (dt Titel) erzählt die Geschichte einer stummen Frau namens Elisa (S. Hawkins), die ihren Unterhalt in der Nachtschicht der Putzkolone eines geheimen US-Forschungszentrum verdingt. Mir wird Einblick gewährt in ihren Alltag der sechziger Jahre. Ohne große Aufregung lebt Elisa über einem nie besuchten Kino und ihre einzigen Freunde sind ein alternder Werbezeichner (R. Jenkins) und ihre Schichtpartnerin (O. Spencer). Beide erscheinen neben der stummen Frau laut und polternd. Ich sehe ein zartes Mauerblümchen, dass von ihrem Umfeld liebevoll nachsichtig behandelt, doch nicht wirklich ernstgenommen wird. Nichts verändert sich in ihrem Leben und so lauscht Elisa leise den Sorgen und Gedanken ihrer Mitmenschen, dafür nehmen diese ihre kleine Eigenheiten hin.

Doch der Eindruck trügt. Elisa trifft im Labor auf eine Meeresfigur (D.Jones), die  der Sicherheitschef Strickland (M.Shannon) gefangen genommen hat und im Rahmen der Forschung „untersucht“. Neugierig und furchtlos fühlt sich Elisa magisch zu der menschenähnlichen Kreatur hingezogen und merkt, dass sie von ihr verstanden wird. Doch das zärtliche Band droht zu zerbrechen als Strickland den Befehl gibt das Wesen zu töten. Mit Unterstützung ihrer Freunde und des Forschers Hofstetler (M. Stuhlbarg) unternimmt Elisa einen Rettungsversuch.

The Shape of Water der neue Film von del Toro ist ein Theaterstück. Der Kinosaal endet heute nicht vor einer flachen Wand, sondern vor einer Bühne, auf der sich ein seltsames Schauspiel entwickelt. Zarte Klänge dringen an mein Ohr, die Töne untermalen den Lauf des Wassers. Sind mal fließend, mal tröpfelnd, zart wie der Hauch einer Umarmung, fügen sie sich harmonisch in das Bild des Auges ein. Wenn ich allerdings nach einer bestimmten Melodie suche bleibt sie mir zunächst verschlossen. Sie sticht nicht hervor, vielmehr ist sie ein wundervoll eingesetztes Stilmittel, welches die Atmosphäre trägt und dem Stück Tiefe verleiht. Ich hoffe sehr, dass mich der Soundtrack, später zu Hause, wieder mitnehmen kann in dieses leise Märchen… im jetzt und hier suche ich vergeblich den Orchestergraben. Auch das Licht ist hervorragend, manchmal habe ich das Gefühl, dass es auf versteckte Tropfen fällt und dort reflektiert wird.

Del Toro erzählt diese leise, vorhersehbare, Liebesgeschichte, gebettet in ein bezauberndes detailreiches Setting, dass ich wirklich jedem ans Herz legen kann. Und wenn ich die Bild- und Tonflut beiseite nehme, mich zurück auf die Geschichte besinne und hinter die Fassade blicke, dann hat mich besonders der Kern des Märchen ergriffen: Die (wieder) aktuelle Frage nach Menschlichkeit. „Mensch sein“ definiert sich für Elisa nicht über Sprache oder Aussehen. Menschlichkeit ist ein Gefühl, welches wir leben oder verachten können. Brutal und ungeschönt, wird mir vor Augen geführt worin Unmenschlichkeit endet, welche Grausamkeit sie birgt und welche Zerstörung sie hinterlässt.

Alena Nicolai

Hier die INDACHs Kritik von Kris van Alphen zu Guilermo del Toros „THE SHAPE OF WATER – Das Flüstern des Wassers““

And the Winner is… The Shape of Water

Viel mehr braucht man nicht über diesen wunderschönen Film zu sagen.
Außer vielleicht noch dieses: nichts wie hin!

Und wenn man doch mehr wissen möchte? (++++ spoiler-alarm+++):

Dann tauchen Sie jetzt einfach mit mir ein in die wunderbaren Welt von Guillermo del Toro!

Es ist eine Welt, die wir auf ähnliche Art und Weise bei Terry Gilliam (Brazil) oder Jean-Pierre Jeunet (die Fabelhafte Welt der Amélie) kennenlernen durften.
Wir befinden uns hier jedoch im Amerika der 1960-er Jahre vor dem Hintergrund des kalten Krieges. Es ist genau das Amerika, in das ich mich zur Zeit meiner eigenen Kindheit hineinträumte. Wie oft habe ich mich nicht durch genau solchen Straßen Skateboard fahren sehen!
Und durch die traumhafte Welt der Sixties führt uns ebenso traumhaft eine wunderbare Sally Hawkins (Elisa Esposito), die sich seit Blue Jasmine und Paddington zu eine meiner Lieblingsschauspielerinnen etabliert hat. Nicht umsonst wurde sie gerade von der National Society of Film Critics (NSFC) als Best Actress ausgezeichnet. Aber auch die Nebendarsteller brauchen sich nicht zu verstecken. Der unheimliche Strickland (Michael Shannon), die süße und lustige Putzkollegin Zelda (Octavia Spencer) und Nachbar Giles (Richard Jenkins), der als Werbezeichner hart zu kämpfen hat in einer Zeit, zu der Fernsehwerbung die gezeichnete Werbung in Zeitschriften und Zeitungen ablöst, machen ihre Sache fabelhaft. Grün ist die Hauptfarbe des Films. Bis ins Detail zeigt sich diese Vorliebe, wenn sogar der Wackelpudding in Giles‘ Zeichnung dem Auftraggeber nach grün sein muss. Der Zeichenstil Giles errinert übrigens stark an die Kunst von Robert E.McGinnis, bekannt u.a. durch seine Filmplakate für Breakfast at Tiffany’s, James Bond, Barbarella, etc…

Der Film an sich ist einerseits gespickt mit Referenzen an biblische, griechische und nordische Sagen: Ruth, Delila, Orpheum (das Kino, in dem The Story of Ruth läuft), Thor (so heißt eine von Giles Katzen), Pandora, usw. und andererseits mit Verweisen auf sämtliche Tanzfilmklassiker (u.a. mit Shirley Temple) und Elisas Traum von rote Schuhen, der an den Zauberer von Oz erinnert, wo Judy Garland ebensolche roten Schuhe trägt.
Auch das Monster hat man irgendwie schon mal irgendwo gesehen. Und tatsächlich verrät uns Google, daß „The Creature from The Black Lagoon“ aus dem Jahr 1954 zu einer der Vorlagen von Guillermo del Toros Film zählt.

Kris Van Alphen

Aber das Schöne daran ist, daß das Monster nicht (nur) wie eine CGI-Figur wirkt, sondern den leibhaftigen Schauspieler unter dem Amphibienanzug erahnen lässt. Ein Umstand, den der Regisseur nicht zu verbergen sucht. Alles in allem wird der Film sympathischerweise nicht von digitalen Effekten überflutet, und wird mit seinem Retro-Sixties-Character voll und ganz gerecht.
Erwähnenswert finde ich im Übrigen die Musik von Alexandre Desplat, die selbst wie Wasser fortplätschert in die Wahrnehmung des Zuschauers. Von der Dramaturgie her ist der Film ein klassisches Märchen und badet analog in märchenhaftem Licht. Die finale Flucht von Elisa und ihrem geliebten Wasserwesen – inklusive Verfolgungsjagd – sind magistral gecuttet. Der Eindruck, dass der Film nach streng handwerklichen Maßstäben perfekt gemacht wurde, hat mich den ganzen Film über nicht verlassen.
Im Gegensatz jedoch zu den Märchen von Arielle, der Meerjungfrau oder Die Schöne und das Biest, transformiert bei del Torro die weibliche Protagonistin selbst am Ende. Ihre Narben am Hals – Ursache ihrer Stummheit – werden zu Kiemen, durch deren Hilfe sie schlussendlich ihrer große Liebe unter Wasser folgen kann.

Ende gut – alles gut. Vor allem am 4. März, when the Oscar goes to…

Kris Van Alphen

 

INDAC SCREENING: Guilermo del Toros „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

In Zusammenarbeit mit 20th Century Fox of Germany GmbH darf INDAC  in Hamburg, Stuttgart, Köln, Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und München jeweils bis zu 2 Animations-/VFXschaffende zu den Presse-Screenings des Films „SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS (Kinostart: 15. Februar)“ einladen. Gezeigt wird die Originalversion mit deutschen Untertiteln, die Filmlänge beträgt 123 Minuten!! Wie immer verpflichten sich die Teilnehmer obligatorisch dazu, eine Kritik für den INDAC Blog zeitnah zum Filmstart zu verfassen. Nur auf INDAC.org registrierte Mitglieder der deutschen Animations- und VFX Community können sich für die Teilnahme an den Screenings bewerben:

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Trailer zur Fortsetzung mit PADDINGTON

| Ab 23. November 2017 im Kino!

PADDINGTON 2 – Regie: Paul King, mit: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson u.v.a.

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, das allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns setzen sich auf die Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint…

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