Die INDAChs-Kritik von Michael Knoll zu Universals/Laikas „KUBO – Der tapfere Samurai“

Das amerikanische Animationsstudio LAIKA schickt, beinahe genau zwei Jahre nach BOXTROLLS, den nächsten Stop-Motion-Film in die deutschen Kinos. Und zum ersten Mal in der Studiogeschichte werfen die amerikanischen Boxoffice-Zahlen dunkle Schatten voraus.  Die Erzählung über den Samurai-Jungen Kubo, der von Göttern und Monstern gejagt, versucht sein Schicksal anzunehmen, floppte in den USA an den Kinokassen. Im Schnitt konnten die LAIKA-Filme ihre Budgets (60 Millionen Dollar) verdoppeln, während KUBO bis jetzt (Stand 16.10.2016) das Budget gerade einmal umgesetzt hat. Da auch die Kritiken fast ausschließlich positiv ausfallen, muss ein jeder selbst den Film sehen, um die Frage beantworten zu können, woran das liegen mag.

KUBO präsentiert uns eine aufgearbeitete japanische Folklore, in der der Sohn eines lange verstorbenen Samurai-Kriegers, eines Tages von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird, die nach seiner Geburt schon sein Auge stahlen und nun das andere fordern. Kubos Mutter kann, dank ihrer Zauberkraft, die Angreifer stoppen, aber Kubo wird von ihr getrennt und muss sich alleine auf die Reise begeben. Gemeinsam mit seinem lebendig gewordenen Talisman Monkey muss er die drei Teile einer heiligen Samurai-Rüstung zu finden, die einst sein Vater zusammenführte und damit die Götter erzürnte.

Der Film präsentiert sich als abwechslungsreiches Abenteuer, das sich nicht davor sträubt an den richtigen Stellen düster und brutal zu sein. Auf der anderen Seite wird er durch viele komödiantische Elemente aufgeheitert, die ein gutes Gegengewicht liefern.

Optisch liefert er mindestens das, was seine Vorgänger bereits darboten. Wenn er sie in manchen Sequenzen nicht sogar toppt und neue Maßstäbe setzt. Technisch wirkt der Film so ausgearbeitet, dass man über weite Stellen vergisst, dass es sich um einen Stop-Trick handelt. Das liegt nicht daran, dass der Computer sehr viel nachbearbeitet hat. Es liegt an dem enorm hohen Niveau, auf dem LAIKA kontinuierlich arbeitet. Die Charakterdesigns sind ausgefallen und fügen sich dennoch gut in das LAIKA-Universum ein. Die Szenerien bieten eine hohe Range an Abwechslung und sind immer ausgefeilt.

Wo sich die Geister streiten werden, ist wohl die Geschichte an sich. Dabei geht es nicht einmal um die Originalität oder Fehler im Ablauf, sondern um die Art, wie sie erzählt ist. Beim Ansehen von KUBO bekommt man den Eindruck, dass die Macher sich über mehr Inhalt bewusst waren, als sie auf der Leinwand vermitteln. So kommt es immer wieder zu Situationen, die man nicht gleich versteht und sich dazu selber einen Reim machen muss. Das liegt einerseits an der permanenten Konzentration auf das optische und visuelle Erzählen und anderseits auf das reduzieren von Information auf Emotion. Die Macher haben offensichtlich mehr darauf verlassen, starke Emotionen zu evozieren und weniger darum gekümmert, gezielte Information zu liefern. Das tut dem Sehvergnügen von KUBO keinen Abbruch, kann stellenweise aber ermüden und aufhalten. Dennoch kann man den Film auf einer emotionalen Ebene genießen und sich von der Optik überraschen lassen. Er ist spannend, fantasievoll und für nahezu alle Altersklassen ansehnlich.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Flop an den Kinokassen nicht so groß ist, dass es das Studio in ernsthafte Gefahr bringt. Denn neben AARDMAN gibt es leider kein großes Studio mehr, dass sich so wünschenswert mit der Stopp-Trick-Technik befasst und das Genre Animationsfilm abwechslungsreicher und spannender macht.

Die INDAChs Kritik von Jan Walter zu Laikas „Kubo – Der tapfere Samurai

Kubo kuemmert sich, seit dem Tod seines Vaters, um seine Mutter und unterhaelt seine Zuhoerer im nahegelegenen Dorf als Geschichtenerzaehler. Er besitzt magische Kraefte und seine Mutter warnt ihn vor seinem Grossvater, Moon King, und ihren boesen Schwestern, die
ihm bereits ein Auge gestohlen haben und es auch auf sein verbleibendes, zweites Auge abgesehen haetten. Aus Versehen beschwört er einen Geist
aus der Vergangenheit herauf und um das Geheimnis seines Vermaechtnisses zu lueften, begibt er sich auf die Suche nach einer magischen Ruestung. Mit Hilfe seiner Gefaerten, Monkey und Beetle, besteht er viele Gefahren und begegnet auf seiner Reise unheimlichen Kreaturen, wie einem riesigen Skelett.

Soviel zur Handlung. Dieses Jahr auf der SIGGRAPH gab es eine Veranstalung namens ‚“Kubo and the Two Strings“: One Giant Skeleton, One Colossal Undertaking‘, das sich dem ca. 5,5 Meter (18 feet) hohem Skelett und den damit verbundenen Problemen bei der Produktion eines Stop-Motion Filmes gewidmet hatte. Laika, die Firma die bereits Filme wie Coraline und auch die Boxtrolls mit aehnlicher Technologie gedreht hatte, musste sich damit auseinander setzten, wie sie eine solch grosse „Puppe“ herstellen und dann, mit entsprechendem Gewicht, animieren lassen koennte. All die bisherigen Produktionen hatten den 3D-Druck von Teilen ihrer Hauptdarsteller erlaubt, was bei dieser Groesse mit Sicherheit nicht mehr praktikabel ist. Bei der Groesse des Skeletts sind natuerlich auch die Sets, in denen sich die Darsteller bewegen, dementsprechend gross und lassen sich nicht mehr komplett mit „Miniaturen“ realisieren. D.h. bei manchen Shots waren der Boden und eventuell 2 bis 3 Meter der umgebenden Waende traditionell modelliert, waehrend alles ueber diese Hoehe hinaus gehendes ueber CG Elemente realisiert wurde. Das Problem die echten Gegenstaende mit den Computer Generierten so zu verbinden, dass dieser Uebergang nicht sichtbar ist, ist zwar aus anderen Filmprojekten bekannt, tritt aber bei Stop-Motion Produktionen (in dieser Form, der Set-Extension) eher selten auf.

Waehrend Aardman Studios noch eher fuer die traditionelle Stop-Motion Herstellung bekannt ist, hat man sich bei Laika von Anfang an eher mit der Einbindung von Computer-Technologie in diesen Prozess beschaeftigt. Frueher (vor ca. 15 Jahren) wurden noch oft sogenannte Animatronics fuer Close-Ups verwendet, weil CG noch nicht in der Lage war, die Details (Farbe, Haare, Federn) glaubhaft in einer Nahaufnahme zu rendern, und Puppenspieler oft wesentlich realistischere Mimik ueber Robotik in Echtzeit realisieren konnten. Heute stellt dies in der Regel kein Problem mehr dar. Bei einigen Shots fragt man sich, warum man ueberhaupt den gewaltigen Aufwand fuer Stop-Motion betreibt, wenn dann z.B. die Kamera ein gewaltiges Meer (gerendert in CG) zeigt und die Darsteller (in Stop-Motion aufgenommen) inklusive ihres Bootes nur noch wenige Pixel gross sind. Aber dies sind Details, die eher auf einer SIGGRAPH besprochen und beantwortet werden.

Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Praedikat besonders wertvoll versehen. Neben der Handlung, der Identitaetsfindung eines Jungen, waren mit Sicherheit auch die wunderschoenen und ueberaus poetischen Bilder, die mit ihrer Liebe zum Detail vielleicht gerade bei Stop-Motion Filmen auftreten, mit fuer die Vergabe dieses Praedikats verantwortlich.

Jan Walter

Neuer Trailer: Kubo – Der tapfere Samurai (3D) – ab dem 6. Oktober in den deutschen Kinos

Hier die Website zum Laika Studio!

Clever, kindhearted Kubo (voiced by Art Parkinson of Game of Thrones) ekes out a humble living, telling stories to the people of his seaside town

Kontakt

Wir sind erreichbar! Seid nicht schüchtern, schreibt uns oder schickt uns eine Zeichnung.