Moritz Mayerhofer | Interview – vom Studium zum ersten Feature-Film

Name: Moritz Mayerhofer | Aktuelles Projekt: Jason and the Nukleonauts | Beruf: u.a. Animator, Animation Director, Mitgründer studioNICE


„Be your own boss or join a global player – a challange for young talents“ – ist der Titel des Vortrags, den Moritz Mayerhofer zusammen mit Ivan Beres (von Eipix) auf der diesjährigen FMX gehalten hat. Ein langer Titel für eine, besonders für junge Filmemacher und die, die es noch werden wollen, wichtige Frage: Wie macht man sich selbstständig in der hart umkämpften Filmbranche? Von den frühen Anfängen vor seinem Studium, als Student des Animationsinstitut der Filmakademie Ludwigsburg, über die Zeit danach mit seinem Diplomfilm, hat der Münchener einiges erlebt. Aktuell arbeitet er in seinem Unternehmen studioNICE an einem Konzept für seinen ersten Feature Film. Wir haben ihn interviewt.

„Ich hab schon immer gern gezeichnet“, fängt Moritz an zu erzählen. Als Kind war es als erstes die Liebe zu Comics und Cartoons, die ihn antrieb. Dann das Aha-Erlebnis: 1993 erscheint Jurassic Park in den Kinos.  Moritz erinnert sich: „Ich denke, für viele aus meiner Generation war das ein Auslöser“ – tatsächlich ist er bereits der zweite (und sicher nicht letzte) in unserer Interview-Reihe, der Spielbergs Dino-Blockbuster zu den Meilensteinen seiner Filmerinnerungen zählt. Wie seine Eltern seine Begeisterung fanden, möchten wir gerne wissen – „Sie haben mich da unterstützt. Erst war ich mir sicher, dass ich VFX machen will. VFX-Supervisor war mein Traumberuf, wegen dem hab ich das Filmstudium angefangen“.

„VFX-Supervisor war mein Traumberuf, wegen dem hab ich das Filmstudium angefangen“

„Traces of my Brother“ (Kurzfilm) © studioNICE & Moritz Mayerhofer

Die Filmakademie hatte er sich schon länger als Traumschule herausgesucht, so Moritz, „die Schule war mir bekannt, lange bevor ich mich beworben habe“. Zuerst bewarb er sich jedoch bei der HFF Potsdam, jedoch ohne Erfolg. 2003 startete er dann mit seinem innerhalb eines Monats eigens angefertigten, 3D-animierten Kurzfilms „The Last Tree“ einen Versuch an der Filmakademie – und wurde angenommen. Doch aus den ursprünglichen VFX-Plänen wurde schnell eine Liebe zum animierten Kurzfilm.

Sein Bewerbungsfilm zeigte damals bereits indirekt in diese Richtung, so Moritz – „Ich mag gezeichnete Hintergründe“. In seinem Abschlussfilm, „Urs“, hat er diese Idee ebenfalls umgesetzt. 2009 zog er dann mit seinem Diplomfilm um die Welt. Der 10-Minüter wurde auf diversen Festivals gezeigt und gewann einige Preise, unter anderem beim Melbourne International Animation Festival und dem Palm Springs International Short Fest.

„Amen!“ (Kurzfilm) © studioNICE & Moritz Mayerhofer

Wenn man sich seine Filmografie anschaut, merkt man, es war eine produktive Zeit – mehrere Kurzfilme wurden gemacht, bei denen er diverse Jobs von Layout bis Regie ausgeführt hat (hier eine Liste zur Filmografie). Ob beim Auslandsstudium an der rennomierten französischen Animationsschule Gobelins, seiner Teilnahme bei Animation Sans Frontières oder den Berlinale Talents – der junge Filmemacher ließ nichts aus. Nach „Urs“ zieht es ihn dann in die deutsche Hauptstadt, wo er mit weiteren Artists ein Studio anmietet.

Heute arbeitet Moritz Mayerhofer bei seinem ganz eigenen Studio: zusammen mit Daniel Wichterich gründete er in Berlin das „studioNICE„. Die beiden verbindet eine 6-Jahre-alte Freundschaft und viele gemeinsam realisierte Projekte. „Die Arbeit besteht zu einem Teil aus Werbeaufträgen und zum anderen aus privaten Projekten“, erklärt er. Vor 4 Jahren war das VR-Projekt „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ dran, für das er gemeinsam mit Terry Rudat und Nikolai Neumetzler Regie führte. Vorletztes Jahr produzierten und animierten sie für das Goethe Institut einen Clip für deren Online-Bibliothek. Auch Cinematics für Computerspiele, Musikvideos oder Webserien gehören zu den Arbeiten des studioNICE. Aktuell sind sie gemeinsam mit Spintop Entertainment an der Entwicklung und Planung zweier Animationsfilme in Kinofilmlänge. Von einem dieser Projekte, Jason and the Nucleonauts, gibt es bereits einen Teaser zu sehen.

„Was für einen Rat würdest du deinem jungen selbst geben, wenn du in der Zeit zurückreisen könntest?“, fragen wir Moritz. – „Mehr experimentieren im Studium. Das ist sehr wertvoll. Man muss die Zeit reifen lassen, nicht wahnsinnig werden, es langsam angehen.“ Er fügt hinzu: „Nach meinem Diplom dachte ich, ich könnte direkt den ersten Kinofilm machen. Aber die Realität ist doch etwas härter als ‚das Wunderland Filmschule’…“

„Man darf den Spaß nicht verlieren“

Was ist nun anders als in der Filmschule, fragen wir nach. Man müsse professioneller werden, das Chaos kontrollieren, und man könne weniger Experimente wagen, müsse mehr planen, antwortet Moritz. „Der ganze Prozess kann sehr schön sein, man kann es sich aber auch schnell kaputt machen. Man darf den Spaß nicht verlieren.“ Ist es schwer, die Verantwortung mit einem eigenen Unternehmen selbst tragen zu müssen? Er nickt. Dann lacht er: „Ich hab mal gefreelanced, das hat sich für mich angefühlt wie Urlaub!“.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview und freuen uns schon auf die weitere Entwicklung der beiden Filmprojekte!

Klaudia Urban

INDAC Korrespondentin bei der FMX 2018


Unbedingt sehenswert!! Campus CINEMA // „Urs“ von Moritz Mayerhofer

In der Mediathek von ARD ALPHA kann man mindestens noch die kommende Woche die Doku über URS und Moritz Mayerhofer aus der Reihe Campus CINEMA sich anschauen. Und dies sollte man und frau auch unbedingt tun. Da findet sich natürlich auch der komplette Film URS, den hoffentlich schon alle gesehen haben!!

Hier der Link zur Doku auf ARD ALPHA

Moritz Mayerhofer schrieb dazu:

„Ziemlich genau 10 Jahre nachdem die Arbeit an „Urs“ begonnen hat, wollte ich nochmal allen Beteiligten Danke sagen!

Ich freue mich, dass sich die Arbeit so gelohnt hat und unser Film auch heute noch – 7 Jahre nach seiner Fertigstellung – ein Publikum findet! Gleichzeitig macht es mich sehr stolz zu sehen wo Euch Eure Arbeit hingebracht hat! Ich hoffe wir können eines Tages wieder einmal zusammenarbeiten! You rock!!

Jonas Jarvers, Peter Thomas Gromer, Michael J. Diehl, Marcus Neuberger, Jan Marten Locher, Martin Weigl, Ellen Schäuble, Thomas Hinke,
Stefanie Strauss, Michael Lederhuber, Julia Luisa Ocker, Benjamin Swiczinsky, Leszek Plichta, Felix Mertikat, Johannes Schiehsl, Roli Petri Petrizza, Daniel Brkovic, Martin Puttkammer, Oliver Vogel, Thomas Moser, Hendrik Panz, Wolfram Kampffmeyer, Stefan Habel, Derek Roczen, Falko Paeper, Stina McNificent McNicholas, Jakob Von Moers, … und alle die ich jetzt möglicher Weise vergessen habe!“

campus-cinema-animationsfilm-urs-124~_v-img__3__4__m_-f5b946176ecf9749b4c4b7e228bd704e8144111bMoritz Mayerhofer wurde 1981 in München geboren und hat schon in der Video AG auf dem Gymnasium jedes Jahr einen Kurzfilm gedreht. Von 2003 bis 2009 hat er dann Animation an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Sein Studium beendete er mit dem animierten Kurzfilm „Urs“, der auch international erfolgreich war. Er hat viele Preise gewonnen und wurde auf der Oscar-Shortlist in den Kreis der besten zehn Filme im Bereich Animation aufgenommen. Moritz hat an vielen Austausch- und Networking-Programmen teilgenommen, darunter die „Animation sans Frontières – ASF“ und den „Berlinale Talents“. Hin und wieder sitzt er in der Jury von Internationalen Filmfestivals und versucht seine Erfahrungen im Filmemachen in Workshops wie zum Beispiel im Smedlab in Nigeria weiterzugeben. 2012 hat er das Animationsstudio „studioNICE“ in Berlin mitgegründet. Nach Kurzfilmen wie „Die Spuren meines Bruders“ und „Father“ konzentriert er sich jetzt auf Langfilme. Gerade arbeitet er an einem animierten Wüstenmärchen.

 

campus-cinema-animationsfilm-urs-122~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647

10989426_10154013238741255_398899676506214525_o

 

 

 

Kontakt

Wir sind erreichbar! Seid nicht schüchtern, schreibt uns oder schickt uns eine Zeichnung.