Die INDAChs-Kritik von Nils Eckhardt zu Universals/Laikas „KUBO – Der tapfere Samurai“

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Nils Eckhardt

Um einen Kinofilm in Stop-Motion zu produzieren muss man ein bisschen verrückt oder etwas masochistisch veranlagt sein – oder beides. Demnach sind die Mädels und Jungs von LAIKA vollkommen wahnsinnig – wahnsinnig gut!
KUBO ist visuell umwerfend inszeniert. Der logistische Aufwand die Figuren und Sets zu planen und zu bauen muss enorm gewesen sein: allein für den Mund der Kubo-Puppe wurden, laut Pressematerial, 11.000 verschiedene Variationen angefertigt.
Wenn man sich vor Augen führt, dass jedes Mal die Haare von Kubos Kopfvorderseite entfernt werden mussten, um seinen Gesichtsausdruck ändern zu können wundert es nicht, dass ein Animator über die gesamte Produktionsdauer von 94 Wochen durchschnittlich nur etwa 16 Frames am Tag geschafft hat.
Die Geschichte mutet, wie von LAIKA zu erwarten, teilweise etwas skurril an und ist nicht unbedingt das, was ich als leichte Kost bezeichnen würde. Der Tod ist ein generelles Thema, der Verlust von geliebten Menschen, Familienintrigen, aber auch die Tatsache, dass es stets weiter geht im Leben, auf die ein oder andere Art. Über Veränderung und Weiterentwicklung erzählt KUBO, zwei Themen, die in der heutigen, oft sehr weichgespülten Film- und Fernsehlandschaft gerade für Kinder meist zu kurz kommen.
Kommt Leute: mutet euren Kindern ruhig mal etwas zu – traut ihnen etwas zu. Für Kindergartenkinder ist KUBO freilich noch nichts, aber die Altersfreigabe ab sechs Jahre halte durchaus für gerechtfertigt. Außer ein paar Schwächen im Screenplay, wobei ich durch den ein oder anderen Achsensprung kurz Orientierungsschwierigkeiten hatte, kann ich KUBO – DER TAPFERE SAMURAI rundum empfehlen.
(Wenn ihr die Möglichkeit haben solltet den Film in 2D anzuschauen würde ich das vorziehen. Die wirklich umwerfenden 3D-Momente halten sich in Grenzen. Außerdem geht hinter der 3D-Brille doch immer ein wenig die Brillanz der Bilder flöten, die bei KUBO durch tolle Lichtstimmungen eigentlich sehr schön ist.)

Nils Eckhardt

nilseckhardt.com/

Storyboard, München, Animation, Illustration, Concept Art, Character Design, Comic, Storyboard Supervision.

 

Nils Eckhardt von der Illustratoren Organisation zum Thema Urheberrrecht

Der INDAC Blog hatte am 2.Januar einen Beitrag über den neuen Entwurf zum Urheberrecht gepostet. Dankenswerterweise hat Nils Eckhardt von der IO dazu eine Antwort verfasst, der hier nachfolgend zu lesen ist:

Moin liebe Trickfilmer,
in diesem Rahmen möchte ich gerne auf die Stellungnahme der Initiative Urheberrecht (I.U.) zum gleichen Gesetzesentwurf hinweisen, die in genau die andere Richtung geht:

http://www.urheber.info/aktuelles/2015-12-18_urhebervertragsrecht-stellungnahme-der-ini-urheberrecht

Dass die Verwerter hier ihre Felle davonschwimmen sehen und den Teufel an die Wand malen überrascht mich nicht. Der Kuchen wird halt nicht größer, soll aber eben künftig ein wenig mehr zugunsten der Urheber verteilt werden – zurecht, wie ich finde. Was bei der aktuellen Gesetzeslage fehlt, ist eine Möglichkeit für die Kreativen mit ihren Auftraggebern auf Augenhöhe zu verhandeln. Der vorliegende Entwurf enthält genau die richtigen Mittel, um das in Zukunft zu gewährleisten – endlich.

Hoffen wir, dass die Verwerterlobby sich nicht durchsetzen kann und das Gesetzesvorhaben ohne Änderungen den Bundestag passiert.

In diesem Sinne, liebe Grüße an alle und viel Erfolg.
Nils Eckhardt (IO)

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