24. Juni 2015 Stephanie Spital

Erste Ergebnisse der Studie zur Animationsfilmbranche in Europa in Annecy präsentiert

Alle Informationen aus der Pressemitteilung vom 17. Juni 2015, zum kompletten Bericht Focus on Animation gelangt ihr hier.

 

17/06/2015 : Pressemitteilung

  • 14,7 % der europäischen Kinobesuche entfielen 2014 auf Animationsfilme
  • Ein Fünftel der Kinobesuche für Animationsfilme in Europa entfällt auf europäische Produktionen
  • 50 Animationsfilme wurden in Europa zwischen 2010 und 2014 im Jahresdurchschnitt produziert
  • 300 Kinderkanäle haben ihren Sitz in der EU, und spezielle On-Demand-Angebote für Kinder sind auf dem Vormarsch
Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle hat im Rahmen des MIFA-Workshops, den sie gemeinsam mit der Europäischen Kommission am 17. Juni 2015 organisiert hat, erste Ergebnisse der von Creative Europe finanzierten Studie „Mapping of the Animation Industry in Europe“ präsentiert.
Zur Vorstellung des Berichts Focus on Animation HIER ABRUFBAR der ersten Veröffentlichung im Rahmen dieses umfangreichen Forschungsprojekts, kamen etwa 150 MIFA-Teilnehmer. Die Präsentation übernahmen Marta Jiménez Pumares, Deirdre Kevin und Julio Talavera Milla von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle. Eröffnet wurde die Konferenz von Lucía Recalde vom MEDIA-Unterprogramm von Creative Europe der Europäischen Kommission. Ein Expertenkreis unter dem Vorsitz von Christophe Erbes diskutierte im Anschluss über die Ergebnisse und die generellen Herausforderungen und Chancen für die Branche.

Bei der Eröffnung der Konferenz heute morgen in Annecy erklärte Lucia Recalde: „Die Kultur- und die Kreativbranche sind ein wichtiger Wachstums- und Jobmotor in Europa. Es ist unsere Aufgabe, die Entwicklung dieser Branchen zu unterstützen, ihnen im digitalen Zeitalter zum Erfolg zu verhelfen und sicherzustellen, dass kulturelle Vielfalt im Zentrum unseres Handelns steht. Wie wir heute sehen können, ist die Animationsbranche ein extrem vielversprechender Sektor. Gemessen an den Zuschauerzahlen zählt die Animationsbranche auch zu den Bereichen des audiovisuellen Sektors mit dem größten Exportpotenzial. Wir unterstützen die Animationsbranche bereits über das MEDIA-Unterprogramm von Creative Europe. Die heutige Analyse ist ein sehr wichtiger Beitrag zu unserer Arbeit. Sie wird uns helfen festzustellen, wie wir den Bereich weiter fördern können. Ich freue mich darauf, den vollständigen Bericht zu erhalten und die Ergebnisse Ende des Jahres in Paris mit der Informationsstelle zu diskutieren.“

Das Team der Informationsstelle präsentierte folgende Resultate:

14,7 % der europäischen Filmbesuche entfallen 2014 auf Animationsfilme.

Animationsfilme erreichten in Europa im Zeitraum 2010–2014 durchschnittlich 179,8 Millionen Kinobesuche jährlich, das entspricht z.B. einem Marktanteil von 14,7 % im Jahr 2014. Russland, Großbritannien und Irland sowie Frankreich waren mit einem Anteil von mehr als der Hälfte dieser 179,8 Millionen Kinobesuche Europas größte Animationsmärkte. Beim Anteil der Animationsfilme in den einzelnen Ländern ragen jedoch kleinere Länder wie die drei baltischen Staaten, die Slowakei und Slowenien heraus, allen voran Lettland mit einem Anteil von 26 % der gesamten Kinobesuche.

Ein Fünftel der Kinobesuche für Animationsfilme in Europa entfällt auf europäische Produktionen

188 neue (d. h. 2014 oder bis zu zwei Jahre davor produzierte) Animationsfilme liefen 2014 in der Europäischen Union im Kino, davon waren 107 in der EU produziert. Während europäische Filme in Europa im Durchschnitt einen Marktanteil 33,3 % erreichten, kamen europäische Animationsfilme nur auf einen Anteil von 20 %. Den höchsten Anteil an den Kinobesuchen für Animationsfilme (71,6 %) erzielten die 44 amerikanischen Filme, die im selben Jahr im Kino liefen. Darüber hinaus besteht bei den Besucherzahlen eine starke Konzentration an der Spitze: Auf die 20 europäischen Animationsfilme mit dem höchsten Einspielergebnis, die zwischen 2010 und 2014 im Kino liefen, entfielen 84 % aller Kinobesuche für Animationsfilme in Europa.

50 Animationsfilme wurden in Europa zwischen 2010 und 2014 im Jahresdurchschnitt produziert

250 europäische Animationsspielfilme wurden zwischen 2010 und 2014 produziert (und ins Kino gebracht). Dies entspricht lediglich 3 % des Produktionsvolumens und 3% aller europäischen Kinobesuche. Mit einem Anteil von 40 % an der Gesamtproduktion von Animationsfilmen in Europa waren Frankreich, Spanien und Großbritannien die größten Produzenten. Produktionsländer mit mittlerem und geringem Volumen wie Belgien, Luxemburg oder Irland ragen dagegen als Minderheitspartner heraus.


Hinweis: Ranking nach Anzahl der lokalen Produktionen (100% nationale und mehrheitliche Koproduktionen).
Eine lebhafte Diskussionsrunde

Eine Expertenpanel, geleitet von Christophe Erbes  unter Teilnahme u.a. von Luca Milano (RAI Fiction), Marc Dupontavice (Xilam Animation), Carlos Biern (BRB International) und Paul Young (Cartoon Salon) diskutierte in der Folge die Befunde und die generellen  Herausforderungen und Potentiale für die Industrie. Luca Milano dankte der Kommission und der Informationsstelle für diesen neuen Bericht, den er als „Werkzeug zur Entwicklung neuer Strategien“  bezeichnete.  Carlos Biern forderte ein  „globales Denken“  in der Animations-Industrie.  Lucia Recalde erklärte, dass der FOCUS on Animation darauf abzielt, „ganzheitlich die gesamt Industrie zu betrachten“.  Mit Blick auf kreative Talente fügte Sie hinzu, dass es nicht allein darum gehe, diese Talente zu fördern, sondern auch dafür zu sorgen, dass diese Talente in Europa blieben.
Anhaltendes Wachstum von Fernseh- und audiovisuellen On-Demand-Diensten in Europa
Focus on Animation ist der Ausgangspunkt für künftige Forschungsarbeiten zu den Fernseh- und On-Demand-Märkten. Die Geschäftsführende Direktorin der Informationsstelle, Susanne Nikoltchev, betonte, dass die in Straßburg ansässige Informationsstelle das Interesse und die Bewegung, die diese erste Publikation angestoßen hat, aufgreifen werde. Sie erklärte, “ Dank unseres Wissens und Knowhows, wie auch auf Grund des Mandats für dieses Projekt, sei die Informationsstelle hervorragend dafür aufgestellt, weitere Untersuchungen und Publikationen zur  Animationsindustrie in Europa zu verwirklichen.“ Leider sind zu diesen Märkten viel weniger Daten verfügbar als zum Film, besonders im Hinblick auf das Produktionsvolumen. Die nachstehende Grafik  zeigt eine europäische Momentaufnahme der Kinderfernsehkanäle und eine Analyse der Herkunft von Animationsinhalten für eine Auswahl wichtiger Anbieter. Die Analyse zeigt, dass europäische Kinderkanäle generell einen höheren Anteil europäischer Animationsinhalte aufweisen als die zu US-Konzernen gehörenden Kanäle in der EU. Der Bericht zeigt aber auch Ausnahmen von dieser Feststellung auf, bei denen sich die US-Marken in einigen Ländern deutlich stärker als in anderen für lokale Inhalte engagieren.

Fernsehen und On-Demand-Dienste (wo sich gerade der Wettbewerb beim Erwerb von Inhalten und bei der Bereitstellung von Diensten für Kinder intensiviert) werden in den nächsten Monaten im Rahmen des Forschungsprojekts umfassender untersucht.

Hinweis: Dies schliesst die Sprachversionen gesamteuropäischer Marken ein.


Wenn Sie Informationen über die Publikationen oder eine Einladung zu der Präsentation Ende des Jahres in Paris haben möchten, wenden Sie sich bitte an: alison.hindhaugh@coe.int

 

 
HintergrundZum MEDIA-Unterprogramm
Das von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene und finanzierte Forschungsprojekt im Rahmen des MEDIA-Unterprogramms von Creative Europe wird von der Informationsstelle durchgeführt. Ziel dieses EU-Projekts ist die Förderung des Animationsfilmsektors in Europa durch Bereitstellung dringend benötigter Daten über die Branche und ihre Funktionsweise. Die Informationsstelle in Straßburg arbeitet dabei mit CARTOON und der in Annecy ansässigen „Stadt der bewegten Bilder“ – CITIA – zusammen. Die zweite Publikation, eine umfassendere Studie mit dem Titel – Mapping the Animation Industry in Europe – wird für die Europäische Kommission veröffentlicht und Ende dieses Jahres in Paris vorgestellt. Sie wird auf den Websites der Kommission frei verfügbar sein. Diese Studie wird an die Daten aus der ersten Publikation anknüpfen und eine gründlichere Analyse der Branche bieten.
Das MEDIA-Unterprogramm von Creative Europe unterstützt die Animationsbranche: Im Jahr 2014 waren 16 % der Projekte, deren Entwicklung finanziert wurde, reine Animationsprojekte, und 25 % der Unterstützung für die Fernsehproduktion entfiel auf Animationsinhalte. Initiativen, die sich an die Animationsbranche richten, werden auch im Rahmen anderer Teile des MEDIA-Unterprogramms finanziert, namentlich Schulungen und Maßnahmen für den Marktzugang. Die Forschungsarbeiten, die zurzeit von der Informationsstelle durchgeführt werden, werden einen Beitrag zur Klärung der Frage leisten, wie der Sektor weiter unterstützt werden soll.
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