13. Mai 2019 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Cem Karayakas zu Marvels „Avengers: Endgame“

Für Avengers Endgame waren die Erwartungen sehr groß. Der Film soll eine Ära dieses Superhelden Universums beenden. Kurz gesagt hatte ich sehr viel Spaß im Kino und die 3 Stunden, die man im Sessel verbringt, sind pures Entertainment. Aber leider schafft der Film es nicht ein würdiger Nachfolger zu Infinity War zu sein.

Bevor ich aber zu End Game kommen kann, muss ich über die Prämisse sprechen, die Infinity War gesetzt hat.

Cem Karayakas

Cem Karayakas

Zum ersten Mal hat ein Marvel Film einen wirklichen Antagonisten. Also, überhaupt. Ein Charakter, der wirklich den Protagonisten gegenübersteht. Thanos Stärke als Antagonist liegt nicht in seiner Kraft, sondern in der Durchsetzungsfähigkeit seiner Ideologie. Egal wie kurzsichtig der Plan die Population des Universums auf 50% zu reduzieren ist, Thanos ist ein Charakter, der deutlich durch Motive handelt (nicht aus Gier, oder dem puren Willen, die Erde zu zerstören). Damit komme ich zum Problem der Avengers. Sie haben keine Ideologie, kein Ziel, gar nichts. Die Avengers sind eine Gruppe Übermenschen, die aus dem Trieb zu Überleben erst im Nachhinein handeln, um den Status quo zu erhalten. Deshalb ist jemand wie Thanos mit einer Weltansicht eines 14-Jährigen schon eine große Bedrohung. Dabei ist es nicht zu leugnen, dass es nicht Bemühungen vorher gab. Ironman versuchte in den Teilen davor einerseits eine Defensive aufzubauen und andererseits war er auch dafür die Avengers zu reformieren. Doch die restlichen Superhelden waren dagegen. Sie kämpfen nur für das Aufrechterhalten der Welt, wie sie ist und für Probleme die Thanos sieht, haben sie nun mal keine Antworten.

Nun zu Endgame: Da wird das auch angesprochen. Es wird sich darüber aufgeregt, dass sie nur die Menschen rächen und nicht beschützen. Mit diesen Folgen müssen sie jetzt leben. Das große Problem ist. Das wird im Film nicht mehr behandelt. Thanos Idee und die große Schwäche der Avengers wird vergessen und ignoriert. Die Figuren müssen nicht über sich wachsen, sie müssen keine Antworten liefern und sie müssen nichts an ihrem Verhalten ändern. Es gibt leider keine Spur von einem Pay-Off dieser Filmreihe.

Der Film steht als unterhaltsamer Action Blockbuster für sich. Damit muss man Leben können. Wenn man mehr Erwartungen hat, wird man leider enttäuscht. Bei Lord of the Rings hat man keine Chance die Geschichte zu verstehen, wenn man nicht den ersten Teil guckt. Ich würde behaupten, dass man diesen Film schauen kann, ohne einen anderen gesehen zu haben. Natürlich sind dann einem die Charaktere sehr fremd. Aber die Charaktere, für die man was fühlen soll, bekommen ihre emotionale Einführung für den Film. Das ist sehr schade, denn Storylines und Beziehungen, die in den Teilen davor aufgebaut wurden, werden nicht mehr behandelt und Charaktere werden zu einem Abschluss gebracht, ohne dass diese Geschichten beendet werden. Das Potenzial eines multimedialen Universums wird leider schlichtweg links liegen gelassen und nicht mal die Relevanz des Vorgängers wird sich zunutze gemacht. Kurz gesagt ist es unfassbar schade, dass das Marvel Cinematic Universe sich nur durch Charaktere auszeichnet, die mal miteinander interagieren und nicht durch eine größere zusammenhängende Geschichte.
Aber der Film hat trotz des verschenkten Potentials mir sehr gut gefallen! Der Film teilt sich auf in 3 unterschiedliche Genre. Es fängt an im Drama, geht über in einen Heist-Thriller und endet im großen Bombast Action-Film. Und alle 3 funktionieren für sich unfassbar gut. Der Film schafft es melancholische Töne zu treffen, dann Spannung zu erzeugen um am Ende nur noch episch zu sein. Und da gibt es eine Figur, die das alles auch ziemlich gut trägt: Tony Stark. Zwar kommen Captain America und Thor auch nicht zu kurz, doch die Figur von Robert Downey Jr. ist bei Weitem die emotionalste und sie kommt auch echt nicht zu kurz. Der Film nimmt sich viel Zeit um in sein Leben und in seine Vergangenheit einzutauchen und erzählt damit den vielschichtigsten und interessantesten Charakter. Ich habe mitbekommen, wie Leute fanden, dass Thanos zu kurz kam, doch dafür gibt der Film einem Tony.
Und damit komm ich zum Schlusssatz: Tony Stark ist zwar nicht der Held, den das MCU verdient hat, aber der, den es braucht.

 

 

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