22. Juli 2018 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Michael Knoll zu Marvels „Ant-Man and the Wasp“

ANT-MAN, das wortwörtliche Kleinod des MCU (Marvel Cinematic Universe) soll 3 Jahre nach seinem Debüt nun wieder die Leinwand erobern und endlich klären, warum ausgerechnet dieser Held nicht Bestandteil des INFINITY WAR Films war, oder eben auch nicht…

Bestach der erste ANT-MAN Film vor allem mit Humor und einer eher fadenscheinigen Story, die auf eine Serviette gepasst hat inklusive einem leider unterforderten Corey Stroll als antagonistischer Waffenbauer, geht die Fortsetzung glücklicherweise andere Wege. Diesmal entschied man sich für eine komplexere Geschichte mit drei antagonistischen Kräften. Nummer 1: Das FBI, welches den Hausarrest unseres Helden Scott Lang überwacht und seinen flüchtigen Mentor Hank Pym sucht. Dies sorgt für viele komödiantische Spannungsmomente, doch kommt in Form des zuständigen Agenten, gespielt von Randall Park, leider zu oft dümmlich daher. 2: Den Waffenhändler, ja Parallelen zum ersten Teil lassen sich wohl nicht vermeiden, verkörpert durch den (wieder!) unterforderten Walton Goggins. Aber der wichtigste Part ist Nummer 3: Der durch Wände gehende Superschurke ‚Ghost‘. Warum wichtig? Ohne zu viel zu verraten, es handelt sich um eine Figur mit einer persönlichen und emotionalen Agenda, die mit ihrer Fähigkeit nicht (wie im ersten Teil) den Hauptcharakter imitiert, sich trotzdem sehr gut ins Ant-Man Universum einfügt. Diese Tatsachen und das Ant-Man noch einen Sidekick namens ‚Wasp‘ bekommt, machen den klaren Unterschied des Films im MCU aus. Eine kleine emotionale Geschichte, welche die Figuren in den Vordergrund schiebt und sich mal nicht um die Rettung der Welt dreht.

Michael Knoll

Perfekt ist der Film allerdings nicht. Hier und da hätten ein paar Spitzen zugunsten der Charakterformung wegfallen können, denn der Film braucht eigentlich keine Blödeleien um sich auf seine humoristische Seite zu verlassen. Auch einige Logik-Löcher bzw. Erklärungen wären schön gewesen, um auch die Skeptiker im Kino zu beruhigen und die filmische Welt konsistenter zu gestalten.

Aber die wesentliche Frage nach dem Kontext im MCU bleibt. Man muss bis zur Mid-credit Scene warten, bis die Verbindung endlich hergestellt wird und dann ist es auch eher enttäuschend. Es entstehen 2 Eindrücke: Erstens, dass der Film auch vor INFINITY WAR hätte spielen können und es sich in der Filmreihenfolge um eine Verleih-technische Studioentscheidung handelt, die leider nicht aus der bzw. den Geschichten heraus begründet ist. Was bleibt, ist der fade Nachgeschmack, dass das MCU gar nicht so gut durchdacht ist und größtenteils auf Pseudo-Zusammenhängen basiert. Zweitens haben die Ereignisse des INFINITY WAR rund um die Welt scheinbar absolut keinen Einfluss auf San Francisco, wo ANT-MAN spielt. Dies sorgt für Irritationen und unterstreicht erstere These noch.

Am Ende bleibt ein unterhaltsamer Popcorn-Film im Schatten seiner Studio-Limitierungen. Wer den ersten Teil mochte, wird auch sicherlich hier seinen Spaß haben. Viele Dinge wurden definitiv zum Guten justiert, aber es bleibt noch erzählerische Luft nach oben. Ein Potenzial, das hoffentlich noch ausgeschöpft wird.

Michael Knoll

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