30. November 2022 Johannes Wolters

Dresden, DIAF: „Die seltsame Historia von den Schiltbürgern“ – Filmpremiere der digitalen Fassung

Sa, 3. Dezember 2022, 19.30 Uhr

Bild: Animatorin Ina Rarisch bei der Arbeit an den Schiltbürgern. ©DIAF

Der erste abendfüllende Trickfilm der DDR, „Die seltsame Historia von den Schiltbürgern“ feiert am Sonnabend, dem 3. Dezember, seine „digitale Premiere“ im Dresdner Museumskino. Die DEFA-Stiftung hat die Adaption des berühmten Volksbuchs u.a. mit den Mittels des Freistaates Sachsen aufwendig digitalisieren und restaurieren lassen. Fast auf den Tag genau 61 Jahre nach der Filmpremiere erlebt nun die digitale Variante ihre Erstaufführung. Der Sohn des Regisseurs hat sein Kommen angekündigt.

Regisseur Johannes (Jan) Hempel (1917-1998) arbeitete drei Jahre lang mit seinem Team an diesem Mammutwerk. Hunderte Figuren, Szenenbilder und Requisiten mussten sie für den 68-Minüter bauen und animieren. Sie drehten den Film zwei Mal: einmal im gebräuchlichen Bild- und Tonformat (Seitenverhältnis 1:1,37, Mono Ton) und einmal im Breitbildformat „Totalvision“ (amerik. Bezeichnung: Cinemsascope; Seitenverthältnis 1:2,35) und Vier-Kanal-Ton.

Regisseur Johannes (Jan) Hempel, geboren in Bautzen, betrachtete sich als Sorbe. Er war mit „Wolf und Füchsin“ (1950) der Schöpfer des ersten sorbischen Puppentrickfilms und gehörte 1955 zu den Mitbegründern des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden. Nahezu zwei Jahrzehnte lang arbeitete er als Austattungsleiter des Staatlichen Ensembles für Sorbische Volkskultur Bautzen (heute Sorbisches National-Ensemble). Nicht zuletzt wegen Hempels sorbischer Herkunft feierte man die Schiltbürger-Premiere am 7. Dezember im Zentraltheater Bautzen, danach gab es im Bautzener „Haus der Sorben“ eine vom dortigen Kreislichtspielbetrieb und der Domowina organisierte „Aussprache mit den Künstlern“.

Regisseur Johannes (Jan) Hempel mit einer Schiltbürger-Animationsfigur. ©DIAF

Regisseur Johannes (Jan) Hempel mit einer Schiltbürger-Animationsfigur. ©DIAF

Nicht lange nach seiner staatlichen Abnahme im Juni 1961 mit Vorschusslorbeeren bedacht, verstummte die Euphorie um den Film nach seiner Erstaufführung recht bald. Er wurde zwar offiziell nie „verboten“, aber die offensichtliche satirische Anspielung auf den drohenden Untergang eines Gemeinwesens in Schutt und Asche durch Schlamperei und Misswirtschaft bot wohl zu viele Parallelen zum eigenen Land; als „Kinderfilm“ jedenfalls war das fertige Werk kaum zu gebrauchen. Der Film wurde nur noch selten gespielt, dem Regisseur Vergeudung volkswirtschaftlicher Ressourcen vorgeworfen. Letztlich 1962 aus dem Dresdner Trickfilmstudio gedrängt, arbeitete Johannes (Jan) Hempel bis zu seinem Ruhestand – nicht erfolglos – als privater Filmhersteller für Wirtschafts- und Industriefilme.

Premiere Die seltsame Historia von den Schiltbürgern (digitale Fassung)

R: Johannes (Jan) Hempel, DDR 1961, ca. 90 Min.

Der erste abendfüllende Puppentrickfilm der DDR feierte seine Kino-Premiere am 7. Dezember 1961 in Bautzen.

Einführung: Dr. Volker Petzold

Datum/Zeit: Sa, 3. Dezember 2022, 19.30 Uhr
Ort: Museumskino der Technischen Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1–3, 01277 Dresden
Einlass: eine halbe Stunde vor Spielbeginn
Eintritt: 6 € / 5 € (ermäßigt)

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