10. November 2018 Johannes Wolters

Fernseh-Programmhinweis: ZDF Samstag, 10. November 2018, 15.30 Uhr: Chika, die Hündin im Ghetto

Samstag, 10. November 2018, 15.30 Uhr
Puppen-Stopptrick, Deutschland 2015

Regie und Design Sandra Schießl, nach dem Buch von Batsheva Dagan
Buchadaption Carmen Blazejewski
Musik Hamburg Klezmer Band
Produzent Björn Magsig, Marion Heinßen (TRIKK 17)
Animation Rosanne Janssens, Mandy Müller, Oliver Throm
Puppenbau Marina Straub, Martin Molke, Hanna Habermann
Redaktion Katrin Pilz, Irene Wellershoff
Länge 15 Minuten

Basierend auf einem Kinderbuch von Batsheva Dagan erzählt der Kurzfilm „Chika, die Hündin im Ghetto“ kindgerecht die Geschichte einer wahren Begebenheit in einem jüdischen Ghetto zur Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Der fünfjährige Mikasch lebt mit seinen Eltern im Ghetto. Seine kleine Hündin Chika hilft ihm, sich trotz der Bedrohungen des Zweiten Weltkrieges und der Judenverfolgung als Kind zu entfalten. Als im letzten Kriegsjahr alle Hunde von den deutschen Besatzern eingezogen werden, muss sich auch Mikasch von Chika trennen. Der Deportation entkommen Mikasch und seine Eltern in einem Versteck. Die Sehnsucht nach Chika und der Glaube daran, sie eines Tages wiederzusehen, lassen Mikasch die schwere Zeit im Versteck überstehen. Die beiden finden nach Kriegsende tatsächlich wieder zueinander.

Der 15-minütige Kurzfilm im Puppenstopptrickverfahren wurde auf über 80 Filmfestivals weltweit gezeigt und hat bereits über 30 Preise gewonnen. Die Filmbewertungsstelle hat ihm das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen. Ganz bewusst behandeln die Geschichte und der Film „Chika, die Hündin im Ghetto“ die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Buchautorin und Kinderpsychologin Batsheva Dagan ist Shoa-Überlebende und reist noch immer regelmäßig nach Deutschland, um vor allem mit Kindern über ihre Erlebnisse zu reden. Sie selbst kommt auch im Prolog des Films zu Wort. Der Kurzfilm ist auf zdftivi.de und in der ZDFtivi-App abrufbar.

Statement von Regisseurin Sandra Schießl

Kinder und Krieg – diese Worte nebeneinanderzustellen, ist unerträglich. Und doch ist auch für Kinder die Welt voller schrecklicher Nachrichten und Geschehnisse, ob wir das wollen oder nicht. Es ist eine unsagbar wichtige Aufgabe, die Kinder mit diesen Erfahrungen nicht allein zu lassen und ihnen bei der Einordnung und Verarbeitung zur Seite zu stehen. Dies muss auf Augenhöhe und äußerst sensibel geschehen. Über die Emotionalität eines Trickfilms habe ich die Möglichkeit, die Kinder direkt anzusprechen und sie etwas grundsätzlich erfahren zu lassen. Gleichzeitig ist durch den Abstraktionsgrad des Designs eine Distanz gewährt, die klarmacht, dass eine Geschichte erzählt wird. Genau das möchten wir mit diesem Film tun: die Geschichte kindgerecht erzählen. Und hoffentlich damit ein Gespräch eröffnen.

Die Holocaust-Überlebende Batsheva Dagan hat für ihre eigene Arbeit als Kinderpsychologin ein Kinderbuch geschrieben, das die Vorlage zu unserem Film ist. Ich hatte lange Zeit beim Nachdenken über das Design des Filmes nur düstere graue Wochenschaubilder vor Augen, völlig ungeeignet, Kindern die Geschichte von Mikasch und Chika emotional nahezubringen. Die Idee, die Filmwelt aus historischen Gegenständen zu bauen, hat für uns dann die Aufgabe erfüllt, einen ganz direkten, haptischen Bezug zur Kriegszeit herzustellen, und ist zugleich sehr symbolträchtig. Der Film fungiert wie ein Suchbild, in dem der Bürgersteig aus Büchern und der große alte Koffer, in dem Mikaschs Familie wohnt, einen Anreiz geben können, mit Kindern auch tiefergehend in das Gespräch über die Kriegszeit einzusteigen. Doch vor allem sollen die Zuschauer über die ausdrucksstarken Gesichter unserer Figuren ein Gefühl dafür bekommen, wie schlimm und ungerecht es damals zuging – ohne Schock oder Angst, denn das war Batsheva Dagan immer das wichtigste Anliegen: Es gibt Hoffnung und daher eben auch ein Happy End.

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