11. Mai 2018 Johannes Wolters

Die Filmkritik von Alena Nicolai zu Marvels „Avengers | Infinity War“

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR..Thanos (Josh Brolin)..Photo: Film Frame..©Marvel Studios 2018

Zunächst einmal SPOILER. Dann geht’s weiter!

 

Was soll ich sagen?

Vielleicht, dass ich seit über einer Woche vor einem leeren Dokument sitze, im Hintergrund flüstert die Stimme Schreib doch endlich deine Kritik… Ja, gerne. Aber was soll ich denn sagen?

Vielleicht sollte ich damit anfangen zu erzählen wovon der Film überhaupt handelt? Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Worum geht es überhaupt?

Thanos? Definitiv!

Thanos, ein mächtiger Despot und Ziehvater van Gamora, will übermächtig werden und die gesamte Galaxie unterwerfen oder besser gesagt nach seinen Wünschen gestalten. Dazu benötigt er die Infinity Stones und wie wir als Zuschauer seit mehreren Teilen im Marvel Cinematic Universe (MCU) wissen, sind diese verstreut, versteckt und beschützt. Thanos zieht also plündernd und mordend durch das Weltall, schickt seine Schergen aus und löscht jeden aus, der sich ihm in den Weg stellt. Soweit also kein unbekannter Plot.

Überladen mit Gedanken und Erwartungen bin ich dann endlich im Kino gelandet. Ein wunderbar kribbeliges Gefühl im Bauch „Wie wird diese Geschichte weitergehen“? Film ab – und direkt das erste Fragezeichen im Kopf. Wo zur Hölle sind wir? Denn eine Hölle scheint es zu sein. Bruchstücke eines Raumschiffes und tote Körper stapeln sich auf der Kinoleinwand. Ich schlucke. Alles andere als eine leichte Atmosphäre. Bin ich doch von Guardians Vol. 2 mehr als verwöhnt mit skurrilem Slapstick. Ich muss dazu sagen, dass ich im letzten Jahr nicht (!) Thor: Ragnarök gesehen habe. „My bad“ wie sich herausstellt, denn Inifinity War setzt nahtlos dort an. Nach kurzer Verwirrung (warum ist Fury im Weltall und warum hat er Haare? Ach halt, das ist Thor..?!) Chris Hemsworth in seiner Paraderolle. Geschlagen, gebeutelt, unrasiert, einäugig widersetzt er sich Thanos.  Hier freut sich mein weibliches Fanherz und ganz nach dem Motto „nur ein schmutziger Aragon, ist ein guter Aragon“  halte mich ich zurück die Arme hochzureißen und ihn anzufeuern.

Leider hält meine teeniehafte Stimmung gerade mal ein paar Minuten. Nach einem unspektakulären Muskelspiel, setzt Thanos unter das Zusammentreffen einen Schlussstrich und nimmt sich wofür er gekommen ist. Im Vorbeigehen werden Loki und Heimdhal entsorgt, der Rest in die Luft gesprengt. Cut.

Wie, was… what happened? Ich schaue auf die Uhr. Keine 15 Minuten. Was ist da gerade passiert? Die Anfangsszene setzt sowohl das Tempo als auch den Ton. Die Atmosphäre ist anders als in allen anderen MCU Filmen. Das Kino ist still, das Publikum angespannt. Ein unangenehmes, stumpfes Gefühl setzt sich in meiner Magengegend fest. Es sagt: Ich will nicht. Jetzt eine Woche nach Infinity War ist „ich will nicht“ immer noch der Satz, der sich für mich durch diesen Film zieht.

Ich will nicht wissen, welcher lächerlichen Ideologie Thanos folgt und damit sein Verhalten entschuldigt.

Ich will nicht lachen, über die kleinen Seitenhiebe, doch manchmal kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Doch von Herzen kommt es nicht.

Ich will nicht hören, where, who or why Gamora is.

Ich will nicht sehen, wie Team um Team nach Schema F (introduction, fight, destruction) geschlagen und abserviert wird.

Ich will nicht sitzen bleiben und auf den Nachspann warten.

Und doch tue ich es, den ganzen Film lang.

 

Also was sage ich jetzt? Inifinity War, ein Film in epischer Länge. Nur für Fans wohlgemerkt, alle anderen werden mit Figuren überladen, die sie weder kennen noch lieben. Aber es ist bildgewaltig und das nicht zu knapp. Die VFX sind gigantisch. So lieblos die Charaktere in den Film hineingeschleudert (und herausgerissen) werden, so liebevoll waren hier Hunderte Visual Artists am Werk und geben mir worldbuilding deluxe. Da verzeihe ich auch den ein oder anderen starren CG-Charakter.

Und nachdem ich meine Urlaubsabende damit zugebracht habe, vorherige Teile des MCU noch einmal zu anzuschauen (und ja dieses Mal mit Black Panther und Thor: Ragnarök enden werde), sage ich: Auf ein Zweites.

Ich will also doch und vor allem will ich Part 2, und zwar sofort, motherfucker.

 

Alena Nicolai

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Comment (1)

  1. Hahaha das umschreibt sehr gut, was ich auch gedacht hatte. Irgendwie möchte man sich abwenden…aber die Materialschlacht alleine lässt einen nach mehr verlangen.

    😀

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