18. November 2015 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Michael Knoll zu „Die Tribute von Panem: Mockingjay 2“

Kaum einer hätte gedacht, dass sich der Erfolg einer YA (= Young Adult / Jugendliteratur) Adaption noch einmal mit der TWILIGHT-‚Saga‘ messen kann. Aber THE HUNGER GAMES ist angetreten, sich neben den schier unzähligen anderen Reihen zu etablieren und hat einen noch größeren Triumphzug hingelegt. Nun neigt sich die Reihe dem Ende zu und hinterlässt gleichzeitig das Vermächtnis, des während den Dreharbeiten verstorbenen Philip Seymour Hofmann. Ob er deswegen im Grab rotiert oder doch mit den Göttern speist, werden wir wohl nie erfahren (jedenfalls nicht zu unseren Lebzeiten).

THG MOCKINGJAY TEIL 2 bedeutet Fanservice. Denn YA-Fans können sich als die treuesten aller Zuschauer entpuppen. Sie zu vergraulen, bedeutet für eine Reihe meist nach dem ersten Teil schon das Aus (z. B. BEAUTIFUL CREATURES). Des Weiteren war der erste Teil der HUNGER GAMES auch einer der Wegbereiter für Jennifer Lawrence‘ Hollywood Karriere. Mittlerweile eine der gefragtesten und teuersten Darstellerinnen der A-Liga, die ihre Transformation in der HG-Reihe von der pummeligen Teenager Heldin wider Willen, zur vollschlanken gut geschminkten Actionheldin gemacht hat. Sie ist stellvertretend für die anderen Darsteller, Charaktere und auch die Fans gewachsen. Alles wirkt älter, reifer und düsterer. Nur das FSK ist bei 12 geblieben, obwohl die Fans ironischerweise mitwuchsen. Aber um genügend Kapital in die Kinokassen zu spülen ist eben kein Gewaltschnitt zu viel. Dies führt zu leichter Verwirrung, da sich die Macher nicht einig waren, ob man physische Gewalt nun im Kopfkino ablaufen lässt oder explizit darstellt. Man wollte irgendwie beides und schneidet so schnell drumherum, dass im Zuschauer gar nicht das Gefühl von Schmerz aufkommt. Das mag auch daran liegen, dass Figuren als entscheidend eingeführt werden und beiläufig wegsterben. Deren Tod wird dann später, wenn überhaupt, nur im Dialog verhandelt.
Aber da sind wir wieder beim Grundproblem des Fanservices. Denn scheinbar werden wichtige oder erinnerungswürdige Figuren und Ereignisse mit aller Kraft in die filmische Handlung gepresst, obwohl dafür schlicht und einfach kein Platz ist. Dieselbe starrköpfige Haltung zeigt sich auch beim Umgang mit der Figur von Philip Seymour Hofmann. Statt eines Recasts wird eine Greenscreen-Aufnahme nach der anderen verwendet und zeigt ihn beim Beobachten oder Beisitzen wichtiger Handlungen und andere Figuren müssen seine Aussagen später überliefern. Es handelt sich hierbei nämlich um einen sogenannten „sitzen-und-reden-Film“, was wünschenswert ist, wenn der Hintergrund der Geschichte nicht ein Kriegsszenario wäre, indem die Figuren handeln müssen. Aber vom Krieg ist wenig zu sehen, denn sehr oft ruhen oder warten die Figuren einfach nur und verhandeln beinahe alles im Dialog.
Das Finale der Trilogie bzw. Tetralogie wird so zu einem einzigen Kompromiss, der mehr will, als er in Wirklichkeit liefern kann. THG MOCKINGJAY Teil 2 ist ein Fanpleaser, aber jeder der Schritte zum pleasen der Fans ist auch ein Problem für den „normalen“ Zuschauer. So ist der Abschluss der Reihe genau das was man erwartet. Ein rundes Finale, indem die Story etwas dahin holpert, und zwischen (teils banalen) Dialogszenen etwas Action gestreut ist. Viel Screentime für Frau Lawrence und seltsame Dilemmen die so widersprüchlich aufgelöst werden, wie sie kamen. Leider wird die Subversivität, die einerseits durch klare ikonische Bilder erreicht wird und fest in der eigentlichen Prämisse verankert ist, nur zur Rahmenhandlung. Denn im Kern werden alle losen Stränge (wie die Dreiecksbeziehung) beendet und ein Happy End erzwungen, dass nur den Anschein von bittersweetness erweckt. Dafür braucht der Film seine beinahe 2 ½ Stunden Spielzeit. Aber wer über die glattgebügelten Ungereimtheiten der Handlung hinwegsehen kann und sich auch bei den Vorgängern amüsieren konnte, den erwartet ein befriedigendes Popcornkino. Nicht mehr und nicht weniger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.