1. Dezember 2017 Johannes Wolters

Die INDACHs Kritik von Robert Hranitzky zu Pixars „COCO“

Mit „COCO“ hat Pixar mal wieder ein Meisterwerk erschaffen.

Mit den letzten beiden Filmen „Cars 3“ und „Finding Dorie“ wurde ich nicht so sehr abgeholt, da beide letztlich „nur“ Fortsetzungen waren und somit auch nicht eine gänzlich neue Welt mit neuen Charakteren vorgestellt haben. Allerdings ist Coco ein wahres Feuerwerk an fantastischen Bildern, Figuren und natürlich einer sehr bewegenden Geschichte.

Mit „Ratatouille“, „Wall-E“ und „Alles steht Kopf“ gehört „COCO“ zu meinen absoluten All-Time-Favorite Pixar Filmen. Pixar schafft es mal wieder auf wunderbare Weise die verschiedenen Zielgruppen von Groß und Klein anzusprechen, so dass die Jüngsten einen Riesenspaß am Klamauk und der perfekt animierten Situationskomik haben – vielleicht aber die übergeordnete Geschichte nicht in dem Maß verstehen wie z.B. Erwachsene es tun. Die Geschichte selbst hat viele Botschaften, in erster Linie natürlich das übergeordnete Thema Familie. Es geht um Generationen und Traditionen, damit auch einhergehend das Erwachsenwerden, wo auch Abschied, Loslassen und entsprechend leider auch der Tod dazugehört. Aber auch Themen wie Träume und (Musiker) Karriere werden auf subtile aber faszinierende und charmante Weise behandelt – welchen Preis muss man unter Umständen zahlen, wenn man berühmt werden möchte und was stellt das mit einem an? „COCO“ kommt in einigen Momenten mit so einer emotionalen Wucht daher, wie in den bewegendsten Szenen von „Oben“ und „Alles steht Kopf“.

Im Kinosaal schien jedenfalls kaum ein Auge trocken geblieben zu sein. Man möchte sich beim Schauen des Films freuen, tanzen und weinen – selbstverständlich kommt dabei das Lachen nie zu kurz, ganz gleich ob dies von Klamauk oder einem smarten Witz ausgelöst wird. „COCO“ bedient das komplette emotionale Spektrum und ist wahrlich wie eine Achterbahnfahrt. Die bunte, lebensfrohe und liebenswerte mexikanische Kultur wird wunderbar dargestellt und obwohl der Film fast sechs Jahre bis zur Fertigstellung gebraucht hat, kommt er genau zur richtigen Zeit in die Kinos. Ohne dabei politisch zu sein setzt „COCO“ ein positives Zeichen und ist bereits jetzt schon der erfolgreichste Film aller Zeiten in Mexiko! Dabei ist die Machart und die technische Umsetzung gewohnt hoch. Ganz gleich ob es die Art der Animation, das Characterdesign oder der schöne Look ist.

Es ist faszinierend zu sehen, dass neben einer wunderbaren Story auch die visuelle Qualität ein, mal wieder, unfassbar hohes Level hat. Die Herausforderung Skelette „lebendig“ und eben nicht furchterregend darzustellen ist Pixar beispielhaft gelungen. Sämtliche menschliche Charaktere sind ebenfalls mit einer unfassbaren Liebe zum Detail gestaltet worden und könnten selbst als „echte“ Schauspieler nicht besser zum Leben erweckt werden.

Da bei „COCO“ Musik eine sehr große Rolle spielt, darf hier auch der großartige Soundtrack von Michael Giacchino nicht unerwähnt bleiben. Grundsätzlich bin ich kein großer Fan davon, wenn in Filmen gesungen wird. Allerdings passt das in diesem Film wunderbar rein, weil es einfach Sinn macht und eben zur Story gehört. Hinzu kommt auch, dass die Songs wirklich schön sind und authentisch mexikanisch wirken – selbst in der deutschen Synchro! Eine wahres Meisterwerk welches auf allen Ebenen und Sinnen begeistert.

Ein großer Dank auch an Johannes Wolters von INDAC für das Privileg, diesen schönen Film in der Preview gesehen zu haben.

Robert Hranitzky

http://www.hranitzky.com/

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