6. Mai 2022 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Dominik Reinicke zu Sam Raimis „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“

Nach einer etwas längeren Pause wurden die INDAChse mal wieder in die Kinos geschickt. In meinem Fall war es ein Film, auf den viele Marvel-Fans schon seit der Ankündigung hingefiebert haben. Das Konzept des Multiversums enterte das Marvel Cinematic Universe mit dem Staffelfinale der Loki-Serie. Die Möglichkeiten, die das mit sich bringt, konnten in der Serie „What if…?“ oder im 2021 erschienen „Spider-Man: No Way Home“ bereits ein wenig erkundet werden. Das aber bisher nur angekratzte Potential und der mögliche Wahnsinn, welches ein Multiversum mit sich bringt, sollte jedoch in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ vollends ausgekostet werden.

Allein beim Titel war es bereits einfach, sich im Kopf die abgefahrensten Szenarien auszumalen. Welche verrückten Ideen, Universen und Charaktere würde uns der Film wohl bieten? Nun ja, weniger als man vielleicht hätte denken können.

Dominik Reinicke

Die Handlung dreht sich um America Chavez (Xochitl Gomez), eine junge Superheldin mit der Kraft, durch das Multiversum zu reisen. Auf ihrer Flucht vor diversen Monstern trifft sie auf Dr. Strange (Benedict Cumberbatch), mit dem sie schließlich auf Irrwegen durch die Universen reist, um den Entführungsversuchen ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Dabei spielt vor allem Wanda (Elizabeth Olsen) eine große Rolle, die emotional um ein Vielfaches schwerer wiegt, wenn man sich die Marvel-Serie „WandaVision“ vorher angeschaut hat. Da kommt man meines Erachtens nicht dran vorbei, da man die Motivation und die Entwicklung der „Scarlet Witch“ Wanda in diesem Film nicht ausführlich erklärt bekommt. Die Charaktere funktionieren ansonsten gut miteinander und gerade Newcomerin America wirkt auf Anhieb sympathisch, was ich wirklich nicht von allen Film- und Serien-Teenagern der letzten Jahre behaupten kann.

Auch visuell hat der Film was zu bieten und es gibt einige Money-Shots. Vor allem das Reisen durch die verschiedenen Welten sieht super beeindruckend aus. Dass Regisseur Sam Raimi hier am Werk war, merkt man vor allem daran, dass „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ der wohl brutalste MCU-Film bis dato ist. Es werden munter Monsteraugen aufgespießt und Leute zerteilt und zwar so, dass es schon Spaß macht, sich das anzuschauen. Vor allem in der zweiten Hälfte war ich jedoch sehr im Konflikt mit mir, was den Ton des Films betrifft. Denn egal, wie düster und ernst die Handlung im späteren Verlauf wird, der Film traut sich nicht, konsistent mit seiner Stimmung zu bleiben. Das ist ein Problem, was leider auch schon viele andere Marvel-Werke plagt, hier aber umso ersichtlicher wird. Mir fällt es leider unglaublich schwer, den Kampf, das emotionale Gespräch oder den Tod eines Charakters ernst zu nehmen, wenn nur wenige Sekunden später ein alberner Gag oder ein One-Liner folgt. Da haben die Marvel-Serien schon gezeigt wie es besser geht. Und wenn wir schon bei Dingen sind, die die Serien besser hinbekommen haben: Für einen Film, der „Multiverse of Madness“ heißt, gibt es tatsächlich weder viele Multiversen noch einen großen Haufen an „Madness“. Effektiv bereisen unsere Charaktere genau zwei andere Universen.

Während sich Marvel-Fans in ersterem über ein paar Cameos freuen können, gibt es im zweiten nichts, außer einem sehr drögen CGI-Kampf. Die kreativen Ideen eines Multiversums, wie wir sie aus den Comics, Filmen oder Serien kennen (zB. Krokodil-Loki, Marvel-Zombies, Star-Lord T`Challa) fehlen hier im Großen und Ganzen. Der Film wirkt sehr gestreamlined und will seine Zuschauer nicht überfordern. Und das finde ich sehr schade, da das Potential gefühlt riesig war. Klar, am Ende ist es immer noch ein überaus unterhaltsamer Blockbuster, der gut aussieht und Spaß macht. Aber das kann man über viele Marvel-Filme sagen und ich hatte gehofft, dass dieser hier herausstechen wird.

Dominik Reinicke

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