7. Mai 2019 Johannes Wolters

Die INDAC-Kritik von Kutlu Yilmaz zu Marvels „Avengers: Endgame“

Mit Avengers Endgame setzt Marvel seinem Cinematic Universe nach 21 erfolgreichen Filmen und drei Phasen seinen ersten großen Meilenstein. Während das reguläre Marvel Universum auf Erde 616 (Main Comic-Kontinuität) schon einige Krisen mit zahlreichen Verlusten und Schicksalsschlägen einstecken musste, darf jetzt endlich auch Erde 19999 (MCU…ja, das Marvel Universum ist eigentlich ein Multiversum *smartass*) mehr als nur ein paar Federn lassen – und angesichts der bitteren Niederlage zum Ende von Infinity War menschelt es in Endgame erst einmal gewaltig.
Die Russo Brüder tun das einzig Richtige und geben ihren gestrauchelten Helden zu Beginn ungewohnt viel Zeit, sich ihre Wunden zu lecken. Das tut nicht nur dem Film, sondern dem gesamten Franchise gut, zeigt Marvel doch endlich, was alles in seinen (Film-)Charakteren steckt. Schien Infinity War zum großen Teil damit beschäftigt zu sein, all seinen Figuren ausreichend Screentime bescheren zu wollen, scheint bei Endgame zu Beginn die Zeit schier still zu stehen, um die wahren Bedürfnisse der Charaktere zu erkunden, die Sehnsüchte und Ängste zu beleuchten, die jede Figur schon immer umgetrieben haben und jetzt, angesichts der schweren (Leben-)Krise, mit aller Härte zutage treten. Zusätzlich setzt das Autorenduo Marcus/McFeely die Fallhöhe jeder Hauptfigur derart hoch an, dass man mit ihnen nicht mehr nur mitfiebert, sondern auch mitleidet. Man hat bereits viel verloren, doch nun hat man alles zu verlieren.

Das alles kommt ohne augenrollenswerten Pathos aus und bringt den Zuschauer näher an die Figuren heran. Doch keine Sorge, Endgame ist kein tragisches Jammertal. Neben den wirklich großartig gezeichneten Charakteren überzeugt der Film mit seinem gewohnt gut pointierten Humor (Thors und Quills niedliche Machospielchen), einigen wirklich unvorhersehbaren, teils schreiend komischen Einfällen, vielen wunderbaren ikonischen Szenen, die einen vor lauter „Yeah“-Gefühl mit geballter Faust regelrecht vom Kinositz aufstehen lassen möchten (Frauenpower!), und mutigen wie unkonventionellen Plot-Entscheidungen (Stichwort: Heist Movie). Natürlich beeindruckt Endgame wie gewohnt mit seinen überlebensgroßen Schlachten, den perfekten VFX und rasanten Actionszenen. Und auch diesmal bekommt nahezu jeder Superheld ausreichend Screentime, um Thanos ordentlich eins auf die Omme zu geben. Ein gehetzter Film wie
Infinity War ist Endgame aber diesmal nicht. Dies mag vor allem daran liegen, dass man sich auf die etabliertesten Figuren konzentriert und sich auf deren narrativen Stärken besonnen hat, während viele Helden sich nun mit kleinen Cameo-Auftritten begnügen müssen. Einigen Fans wird das sicherlich sauer aufstoßen, der Geschichte tut das nur gut.
Im Gegenteil, angesichts der vielen Stärken von Endgame kommt man sogar nicht umhin zu glauben, dass sich Regisseure und Drehbuchautoren monatelang in zahlreichen Fan-Foren
herumgetrieben haben, um sämtliche Hauptkritikpunkte aus Infinity War zu sammeln und diese in Endgame tunlichst zu vermeiden. So ist mit dem neuesten Superhelden-Streich Beides gelungen: Fan-Service und bestes Unterhaltungskino mit viel Herz, Humor und einer ordentlichen Portion Drama, die einen nie kalt
lässt. Avengers: Endgame markiert mit Recht den vorläufigen Höhepunkt des Marvel Cinematic Universe.

Ich hatte jedenfalls Pipi in den Augen.

Kutlu Yilmaz

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