24. Oktober 2016 Johannes Wolters

Die INDAChs-Kritik von Michael Knoll zu Universals/Laikas „KUBO – Der tapfere Samurai“

Das amerikanische Animationsstudio LAIKA schickt, beinahe genau zwei Jahre nach BOXTROLLS, den nächsten Stop-Motion-Film in die deutschen Kinos. Und zum ersten Mal in der Studiogeschichte werfen die amerikanischen Boxoffice-Zahlen dunkle Schatten voraus.  Die Erzählung über den Samurai-Jungen Kubo, der von Göttern und Monstern gejagt, versucht sein Schicksal anzunehmen, floppte in den USA an den Kinokassen. Im Schnitt konnten die LAIKA-Filme ihre Budgets (60 Millionen Dollar) verdoppeln, während KUBO bis jetzt (Stand 16.10.2016) das Budget gerade einmal umgesetzt hat. Da auch die Kritiken fast ausschließlich positiv ausfallen, muss ein jeder selbst den Film sehen, um die Frage beantworten zu können, woran das liegen mag.

KUBO präsentiert uns eine aufgearbeitete japanische Folklore, in der der Sohn eines lange verstorbenen Samurai-Kriegers, eines Tages von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird, die nach seiner Geburt schon sein Auge stahlen und nun das andere fordern. Kubos Mutter kann, dank ihrer Zauberkraft, die Angreifer stoppen, aber Kubo wird von ihr getrennt und muss sich alleine auf die Reise begeben. Gemeinsam mit seinem lebendig gewordenen Talisman Monkey muss er die drei Teile einer heiligen Samurai-Rüstung zu finden, die einst sein Vater zusammenführte und damit die Götter erzürnte.

Der Film präsentiert sich als abwechslungsreiches Abenteuer, das sich nicht davor sträubt an den richtigen Stellen düster und brutal zu sein. Auf der anderen Seite wird er durch viele komödiantische Elemente aufgeheitert, die ein gutes Gegengewicht liefern.

Optisch liefert er mindestens das, was seine Vorgänger bereits darboten. Wenn er sie in manchen Sequenzen nicht sogar toppt und neue Maßstäbe setzt. Technisch wirkt der Film so ausgearbeitet, dass man über weite Stellen vergisst, dass es sich um einen Stop-Trick handelt. Das liegt nicht daran, dass der Computer sehr viel nachbearbeitet hat. Es liegt an dem enorm hohen Niveau, auf dem LAIKA kontinuierlich arbeitet. Die Charakterdesigns sind ausgefallen und fügen sich dennoch gut in das LAIKA-Universum ein. Die Szenerien bieten eine hohe Range an Abwechslung und sind immer ausgefeilt.

Wo sich die Geister streiten werden, ist wohl die Geschichte an sich. Dabei geht es nicht einmal um die Originalität oder Fehler im Ablauf, sondern um die Art, wie sie erzählt ist. Beim Ansehen von KUBO bekommt man den Eindruck, dass die Macher sich über mehr Inhalt bewusst waren, als sie auf der Leinwand vermitteln. So kommt es immer wieder zu Situationen, die man nicht gleich versteht und sich dazu selber einen Reim machen muss. Das liegt einerseits an der permanenten Konzentration auf das optische und visuelle Erzählen und anderseits auf das reduzieren von Information auf Emotion. Die Macher haben offensichtlich mehr darauf verlassen, starke Emotionen zu evozieren und weniger darum gekümmert, gezielte Information zu liefern. Das tut dem Sehvergnügen von KUBO keinen Abbruch, kann stellenweise aber ermüden und aufhalten. Dennoch kann man den Film auf einer emotionalen Ebene genießen und sich von der Optik überraschen lassen. Er ist spannend, fantasievoll und für nahezu alle Altersklassen ansehnlich.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Flop an den Kinokassen nicht so groß ist, dass es das Studio in ernsthafte Gefahr bringt. Denn neben AARDMAN gibt es leider kein großes Studio mehr, dass sich so wünschenswert mit der Stopp-Trick-Technik befasst und das Genre Animationsfilm abwechslungsreicher und spannender macht.

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