2. April 2019 Johannes Wolters

Dumbo – oder dieser Elephant fliegt nicht – Die INDAC Gast-Kritik von Andreas Wessel-Therhorn zu Tim Burtons neuem Film

Andreas Wessel-Therhorn

Die erste halbe Stunde ist nicht schlecht. Sie folgt einigermaßen der Original-Geschichte. Statt Timothy der Maus und der geschwätzigen Elephanten geht es hier um Holt ( Colin Farrell), dem ehemaligen Dressurstar, der nach dem ersten Weltkrieg zu einem kleinen Familienzirkus zurückkehrt zu seinen zwei Kindern, deren Mutter an der Grippe verstorben ist. Zirkusdirektor Medici ( Danny deVito ) hat eine trächtige Elephantendame erworben, von deren Baby er sich erhöhte Zuchauerzahlen erhofft. Aber das Baby hat grosse Ohren… so weit so gut. Schon bald erkennen die Kinder, dass der kleine Elephant mit Hilfe von Federn und seinen grossen Ohren, fliegen kann. Ja, und dann geht der Film abwärts. Um die einfache Geschichte von Dumbo , in 64 Minuten erzählt in Walt Disney’s 1941 Klassiker, auf zwei Stunden zu dehnen, gibts allerhand Charaktere und Situationen, die vor allem dazu beitragen, dass es sich weniger um Dumbo dreht, sondern um alles andere. Im 2ten Akt tauch plötzlich ein böser Showman ( Michael Keaton) auf, der sich den kleinen Zirkus einverleibt, um aus Dumbo mehr Geld zu schlagen. Jetzt wird die Handlung immer seltsamer – eine Art Steampunk Disneyland ( komplett mit Carousel of Progress), eine Akrobatin, die auf Dumbo reiten soll, die Entlassung der alten Zirkustruppe…

Direkt von Anfang an sieht der Film sehr nach cgi aus. Dumbo selbst, so niedlich mit seinen grossen Augen gezeichnet, wirkt hier eher seltsam, photorealistisch mit Riesenaugen. Da wäre ein normales Elephantenbaby (die ja sowieso schon niedlich sind) mit grossen Ohren wahrscheinlich besser gewesen.

Am meisten allerdings hat mich die Story gestört. Es geht bei Dumbo um jemanden, der wegen seiner Differenz zur Normalität und Erwartung ausgelacht und verhöhnt wird, der aber dann grade wegen dieser Differenz triumphiert. Deswegen ist die Geschichte auch fast zu Ende, als er sich endlich wagt, zu fliegen. Hier fliegt er schon relativ früh in der Handlung und alles , was danach kommt, ist Quatsch mit Soße. Da hilft auch der riesige Score mit himmlischen Chor nicht. Die einfache Aussage der Gschichte ist hier verwässert, überdesigned, laut und krass.

Für mich, höchstens ein C-.

Es ist unratsam, ein Meisterwerk ‘verbessern’ zu wollen. Für eine viel gelungenere Neuverfilmung kann ich ‘Pete’s Dragon’ empfehlen.

Andreas Wessel-Therhorn

 

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