23. Juli 2019 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Janine Heine zu Jon Favreaus „Der König der Löwen“

Mit „Der König der Löwen“ erscheint die mittlerweile dritte Disney-„Real„filmadaption diesen Jahres. Disney setzt bei diesem Film sehr auf das Nostalgiegefühl und beeindruckt vor allem bei der Einstiegsszene, die Bild für Bild mit der ’94er Version übereinstimmt. Es funktioniert zum Einstieg sehr gut und das neue Musikarrangement passt wie die Faust aufs Auge. Die Landschaften sehen unfassbar fotorealistisch aus. Insgesamt kann man zur Kameraarbeit/den Kamerafahrten, Effekten und Gestaltung nur sagen, dass sie beeindrucken. Der Film sieht toll aus.

Auch wird dadurch viel deutlicher wie groß die Savanne tatsächlich ist. Aber dieser realistischer Look bringt auch einige Schwierigkeiten mit sich. So fallen kleinste Unstimmigkeiten direkt ins Auge und stören aktiv. Leider verlieren manche Szenen auch ihre Wirkung, die in der animierten Version sehr kraftvoll waren, nur weil eine solche realistische Darstellung die überzeichnende Dramatik nicht zulässt. Auch Mimik und Gestik leiden ein wenig drunter, allerdings hatte ich persönlich nicht allzu starke Probleme damit. Für mich wurden die Emotionen der Tiere trotzdem klar genug dargestellt. Trotzdem hätte ich mir gerne etwas mehr gewünscht, denn so zeigt der Film hauptsächlich nur wie weit die Technik mittlerweile ist, anstatt sich etwas zu trauen und damit zu spielen. Wenn man darüber hinwegsieht ist der Film aber trotzdem gut, die Geschichte nimmt einen immer noch mit. Die Charaktere sind die gleichen und kriegen teils sogar ein wenig mehr Geschichte. In Gesprächen erfährt man nebenbei ein paar Informationen mehr. Timon und Pumbaa zum Beispiel bekommen einige neue Witze und Szenen, die einen laut zum Lachen bringen. Die Synchronsprecher im Originalton liefern eine solide Arbeit ab und vorallem Donald Glover als älterer Simba hat mir sehr zugesagt. Man konnte die Emotionen in ihren Stimmen spüren. Beim Gesang war es etwas anders. Wie bereits gesagt, fand ich die neuen Arrangements gut und passend, letzendlich war es Musik mit der man bereits viel verbindet und die Nostalgie unterstützt die positiven Gefühle gegenüber des Soundtracks. Negativ aufgefallen ist mir jedoch der neue Song „Spirit“, er fällt komplett raus und hört sich für mich einfach nur nach einem Beyoncé-Song an und kein König der Löwen-Song. Für sich allein ist es ein passables Lied, aber er hat mich komplett aus dem Film gerissen. Er bringt weder den Sound noch die Emotionen, die die anderen Lieder des Films haben, rüber. Leider hat mich auch „Can You Feel The Love Tonight“ nicht komplett überzeugt. Beyoncé ist zu dominant, es fühlt sich mehr nach einem Gesangswettbewerb an als ein Duett. Die Gefühle über die gesungen werden, gehen komplett in den vielen Riffs unter. Während Donald Glover in seiner Rolle bleibt und Simba singen lässt, singt nicht Nala sondern Beyoncé. Das Lied ist immer noch ein fantastischer Song, aber funktioniert hier einfach nicht so wie in der ’94er Version. Ein anderer Song der mir viel bedeutet ist „Be Prepared“, für mich einer der besten und ikonischsten Disneysongs aller Zeiten. In dieser Version wurde er stark abgeändert und gekürzt. Die Stimmung konnte er gut vermitteln, aber hinterließ nicht wirklich einen bleibenden Eindruck. Möglicherweise waren die Änderungen und Kürzungen, aber auch die richtige Entscheidung. Er hätte in diesem neuem Look einfach nicht so funktionieren können, es hätte sehr komisch gewirkt den Hyänen eine Choreo zu geben, zu mal auch ihr Verhältnis gegenüber Scar ein anderes ist als in der animierten Version. Ihm würde zu viel fehlen, im Gegensatz zur Musical Adaption und dem Original und deswegen finde ich es in diesem Fall verzeihbar.

Nichtsdestotrotz fand ich den Film als eigenständigen Film gelungen und ich glaube er kann besonders Menschen, die die ’94er Version nicht kennen, verzaubern wie damals das Original. Die Geschichte berührt noch genauso wie damals und der Look raubt einem den Atem. Man baut eine Bindung zu den Charakteren auf und leidet und lacht mit ihnen. Es ist schade, dass Zazu und Rafiki zu kurz kommen, manche Szenen ziehen sich ein wenig und insgesamt hätte ich mir gewünscht sie hätten sich mehr getraut bei dem Film. Aber nichts davon macht ihn in meinen Augen zu einem schlechten Film, denn als Film an sich funktioniert er und macht Spaß, deshalb bin ich nicht enttäuscht. Nur als Remake hat er es schwer. Ich würde „Der König der Löwen“ 2019 jenen empfehlen, die das Original nicht kennen und jedem der offen ist, sich nochmal auf das altbekannte Abenteuer in neuem Gewand zu begeben. Das Original bleibt und wird nicht ersetzt.

Mit dieser Einstellung kann man,denke ich sehr viel Spaß mit Remakes haben.

Janine Heine

 

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