3. Mai 2019 Johannes Wolters

Die INDAC Kritik von Michael Knoll zu Marvels „Avengers: Endgame“

Marvel Studios' AVENGERS: ENDGAME..Rocket (voiced by Bradley Cooper)..Photo: Film Frame..©Marvel Studios 2019

Nach 11 Jahren ist das MCU (Marvel Cinematic Universe) bereit seine dritte Phase abzuschließen (wenn man SPIDER-MAN: FAR FROM HOME nicht mitzählt) und die Messlatte der Erwartungen sind hochgelegt. Das überraschende und aus dramaturgischer Sicht gute Ende von INFINITY WAR, muss, wenn möglich mit ebenso großen Überraschungen, weitergesponnen werden. Prognosen der Boxoffice-Zahlen fordern den umsatzstärksten Film der Reihe. Zahllose offene Story-Stränge müssen zu Ende erzählt werden. Und unterhalten soll das Ganze auch noch. – Dafür hat der Film drei Stunden Zeit. Wird es ausreichen, alle Erwartungen zu erfüllen?

Die Russo Brüder haben neben James Gunn wohl die qualitativ besten Filme des MCU hervorgebracht und auch diesmal gelingt ihnen ein Popcornstück, das zu überraschen weiß. Ohne den Inhalt zu verraten, kann man sagen, dass dieser Film nicht nur ein elfjähriges Kinoereignis abschließt, er nutzt sogar alles bisher erzählte für seine eigene Handlung. ENDGAME ist überraschend, weniger actionreich als sein Vorgänger und vor allem emotionaler. Aber wie sein Vorgänger lässt der Film sich nicht von neueren Erfolgen wie CAPTAIN MARVEL verwirren, sondern konzentriert sich auf die Geschichte, die es von langer Hand zu erzählen galt, und presst nicht eine kürzlich populär gewordene Figur unnötig präsent in die Story hinein. Während sich INFINITY WAR stark auf bestimmte Figuren konzentriert hat, nutzt ENDGAME ebenso eine Handvoll Charaktere, um den Rest der Geschichte zu erzählen. Wie Yondu in GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 wird hier z. B. Nebula als ehemalige Schurkin auf ihren Weg zur Heldin beleuchtet. Dies sorgt für Abwechslung und viel Potenzial für Humor und Drama. Das scheint überhaupt der Motor des Films zu sein, sich auf die Figuren zu konzentrieren. Sich an ihren Wünschen und Schwächen abzuarbeiten. Dabei kann man argumentieren, das Plot und Action zu kurz kommen. Allerdings kommt man mit mindestens einer Actionsequenz auf seine Kosten und man muss sich eh Fragen, wie viel hochgetaktete CGI Action man überhaupt verarbeiten kann bzw. ob das wirklich den Sehgenuss ausmacht. Was Plot angeht, muss man wohl Logiklöcher erwarten. Einerseits gibt es zu viel zu erzählen, andererseits tritt zugunsten der Unterhaltung eine abnehmbare Comiclogik in den Vordergrund. Alles andere, dass keinen wirklichen Sinn ergibt, ist dank gutem Storytelling zu verkraften, denn letztendlich dient alles einem höheren Ziel.

Kurz gesagt: AVENGERS: ENDGAME ist ein gelungener Abschluss, der sich auf seine Figuren konzentriert und verlässt. Der Film ist eine Reflexion eines elfjährigen Kinomarathons, sowohl auf als auch vor der Leinwand, der trotz aller Klischees und Erwartungen mehr als einmal zu überraschen weiß. Dank genügend Plots und gekonnt wechselnden Tonalitäten, ist die gefühlte Lauflänge weit unter 180 Minuten. Und auch wenn Disney/Marvel ihre Gelddruckmaschine voraussichtlich in derselben Geschwindigkeit weiter betreiben und der Zuschauer wieder jährlich mit mehreren Blockbustern befeuert wird, scheint ENDGAME der beste Grund zu sein, eine Weile mit Comicverfilmungen zu pausieren und sich jenseits des Hypes den aussterbenden originellen Stoffen widmen. Denn so sehr ENDGAME amüsiert, so sehr Stars auch scheinen, diese Filme und deren Marktmacht sorgt für eine kinematische Monokultur, die nur der zahlende mündige Zuschauer verhindern kann. Das soll den Spaß nicht nehmen, nur darauf verweisen, dass ein Abschluss, auch wirklich mal ein Abschluss sein kann.

Michael Knoll

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