Hier die INDAChs Kritik von Thomas Phieler zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

 

Nachdem mir die Comics zu Valerian nur vom Hörensagen ein Begriff waren, konnte ich mich unvoreingenommen in den Kinosessel fallen lassen und schauen ob Luc Besson es mal wieder geschafft hat, mich zu begeistern. Ergebnis: „Mission accomplished“

137 Minuten lang hat mich Luc Besson mit auf die turbulente, mir noch unbekannte Geschichte von Agent Valerian und Laureline genommen und durchwegs die Spannung hochgehalten. Dane DeHaan schaffte es als Agent Valerian mit seiner draufgängerischen Art und seinen Sprüchen immer wieder Momente aufkommen zu lassen, die ihn für mich zu einem richtigen Sympathieträger gemacht haben.

Natürlich wäre das alles nicht möglich, wenn Cara Delevingne in ihrer Rolle als Laureline ihm immer geschickt Paroli geboten hätte. Als toughe Partnerin von Agent Valerian sorgte auch sie im richtigen Moment immer wieder für ein Schmunzeln. Auf der einen Seite spielt sie die ehrgeizige starke Frau, die aber dafür auf der anderen Seite alte Werte wie Ehe und die Voraussetzungen hochhält, das mehrmals in einer amüsanten Abfuhr der Annährungsversuche von Agent Valerian endet.

Beide, Dane DeHaan und Cara Delevinge haben ihre Rollen hervorragend gespielt und konnten mich voll und ganz überzeugen. Auch Clive Owen als Commander Arun Flitt und Rihanna als Bubble haben ihre Charaktere gut auf den Punkt gebracht.

Da wir von Luc Besson ja wissen, dass er Wert auf spektakuläre Bilder legt, hat er es ganz in der Manier vom 5ten Element wieder geschafft eine fantastische und bunte Welt zu kreieren. Die Stadt Alpha, die sich aus den ersten Schritten der Menschheit im All zu einer Zusammenkunft unzähliger Lebensformen aus dem ganzen All entwickelt hat, ist ein Ort des Friedens und zeigt eine immense Vielfalt an Spezies, die in dieser zu einem kleinen Planeten gewachsenen Stadt harmonisch miteinander leben. Luc Bessons charakteristische Handschrift bei der Gestaltung der verschieden Arten und Formen ist sichtbar wieder zuerkennen. Der Mix aus farbenreichen Science Fiction Szenerien sowie heruntergekommen und verlassenen Umgebungen haben sich gut in Waage gehalten und die visuellen Effekte sind extrem gut und glaubwürdig gelungen. Nur hier und da sind Kleinigkeiten zu sehen, die nicht ganz gepasst haben, welche wahrscheinlich nur geübten Augen auffallen werden.

Raphael Rau (links) und Thomas Phieler beim Besuch des Screenings von „Valerian“

Was mir extrem gut gefallen hat, war die Idee des „intra-dimensionalen Großen Marktes“, auf dem Agent Valerian zu Beginn des Film rasante Minuten verbringen musste um den Transmutator an sich zu bringen. Die Möglichkeit Dinge auf diesem Markt zu kaufen und per intra-dimensonalen Materiekonverter in die physische Welt zu bringen hat mich wirklich fasziniert. Auch die Umstände, das ein Teil des eigenen Körpers in der realen physischen Welt bewegt, während ein anderer Körperteil, in diesem Fall der Arm wie von Geisterhand getragen in einer anderen Dimension bewegt, kannte ich so noch aus keinem Film oder Serie. Das ist auch gleich die Überleitung zum einzigen Kritikpunkt, Anlehnungen an bestehende Filme. Immer wieder ist es mir bein manchen Bilder passiert, dass sie mich für einen kurzen aber einprägsamen Moment an andere Filme erinnerten. Hierzu gehörten ganz klar Avatar und Star Wars aber auch kurioserweise James Bond. Als Laureline zu anfangs mit ihrem Cocktailglas am perfekten Strand im klarem Wasser und blauem Himmel zu Agent Valerian schreitet musste ich unverzüglich an die alten 007 Filme denken, in denen es sich James am Ende immer mit seinen eroberten Bondgirls an perfekten Stränden gemütlich gemacht hat. ;P

Fazit: Luc Besson hat mit „Valerian – Die Stadt der 1000 Planeten“ ein gekonntes, vfx-reiches 3D-Abenteuer geschaffen, dass sehr unterhaltsam und spannend ist, und den Zuschauer zu keiner Zeit das Gefühl gibt, dass einem Hintergrundwissen zu den Comics fehlen könnte. Sehr gelungen und auf jeden Fall einen 2ten Kinobesuch wert. Von mir beide Daumen hoch.

Thomas Phieler

web: www.royalize.tv

 

Die INDAChs Kritik von Kay Delventhal zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“

Dane DeHaan stars in Luc Besson's VALERIAN AND THE CITY OF A THOUSAND PLANETS.

Photo Credit: Lou Faulon
Copyright:  © 2016 VALERIAN SAS Ð TF1 FILMS PRODUCTION.

„VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN“ – basiert auf dem Comic „Valerian und Veronique“ („Valérian und Laureliné“) von j.-C. Meziéres und P. Christin und ist ein wirklich tolles, buntes SiFi Spektakel. Auf jeden Fall sehenswert! Und das aus ganz verschieden Gründen. Und doch gibt es persönliche Kritikpunkte, doch dazu später mehr.

In den 80er Jahren habe ich als Teenager die phantasievollen Bildbände der Weltraumhelden „Valerian und Veronique“ verschlungen. Ich bin tief in die bunten Bilderwelten eingetaucht und habe die vielen Wesen und Planeten geliebt. Und muss heute wohl zugeben das mir damals die Vielschichtigkeit der Charaktere und der Bezug zu realen Problemen wie Landraub, Ausbeutung oder Machtmissbrauch nicht ganz bewusst geworden ist. „Valerian und Veronique“ ist auch ein Statement für Respekt gegenüber anderen und andersartigen. Im Gegensatz zu den vielen amerikanischen Stories ist in diesen Geschichten die Menschheit nicht immer der Gewinner … ganz im Gegenteil.

Der Film bzw. das Drehbuch von Luc Besson interpretiert auf eine etwas vage Weise den Band „Botschafter der Schatten“ („Ambassador of the Shadows“ / „L’Ambassadeur des Ombres“). Mein erster Kritikpunkt: Luc Bessons Drehbuch versucht in den ersten Minuten viel Background zu erklären und ein Setting zu schaffen, was zwar gelingt, aber seinen Preis hat. Ich hatte das Gefühl, als wenn der Film zwar auf die Graphic-Novel aufbaut aber davon ausgeht, dass die heutigen Zuschauer die Comics gar nicht kennen. Mir wäre eine Story die näher am original liegt sympathischer gewesen. Auch weil die Interpretation von Luc Besson eine eigene ist, eine neue und für mich leider nicht ganz gelungen.

Das führt zu meinen zweiten Kritikpunkt: Der Film erinnert mich immer wieder an das „Das fünfte Element“ („The Fifth Element“) und das finde ich nicht so gut, weil die Geschichte von „Valerian und Veronique“ ein eigenes Universum hat, reich an Kreaturen und unterschiedlichen Welten. Als Beispiel möchte ich „Station Alpha“ anführen, die im Film auf eine von Menschen gebaute Raumstation aufbaut („STAR TREK“ lässt grüßen). Im Original Comic gibt es „Central City“, welche von nicht-menschlichen Wesen erbaut wurde. Mit einen Rat ohne zentrale Gewalt. Welcher dann auch noch die Menschen für Hundert Jahre verbannt. Das Filmdesign der „Station Alpha“ wirkt unübersichtlich, wie ein Mischung aus Borg-Würfel und Balde-Runner. Es fehlt ihm die fantastische, außerirdische Qualität der „Central City“ aus den Comic-Büchern.

Das führt mich zu dem Filmtitel: „VALERIAN“  … warum denn nicht: „Valérian und Laureliné“? Noch im Pressheft zum Film wird darauf hingewiesen, dass die Heldin selbstbewusst und stark angelegt sei. Ich würde sagen, dass der Filmplot sehr vorhersehbar ist und Laureliné im Comic deutlich emanzipierter dargestellt wird. Deshalb wundert es auch niemanden, dass am Ende der Prinz seine Prinzessin bekommt.

Mein letzter Kritikpunkt bezieht sich auf das Handwerkliche: Da ich den Film in 3D (Stereo) sehen durfte, ist mir aufgefallen, dass es am Anfang des Films kleine und größere Fehler gibt. Flackernde Kanten, falsches Depth-Sorting, etc. Nun, der Film wäre nicht in den Kinos, wenn die Fehler so groß wären, dass sie den Sehgenuss stark mindern würden, fällt aber trotzdem auf.

Jetzt möchte ich auf Gründe zu sprechen kommen den Film gut zu finden, die nicht direkt im Kino zu sehen sind. Luc Bessons Ehefrau Virginie Besson-Silla ist die alleinige Produzentin von „VALERIAN“. Das ist ein Novum in Zeiten, wo Filme häufig von einer ganzen Gruppe an Produzenten produziert werden. Es ist bemerkenswert und in Europa eine große Leistung. Auch das die Dreharbeiten ausschließlich in der „Cité du Cinema“ im Norden von Paris stattfanden ist bemerkenswert. Last not least, möchte ich erwähnen, dass Luc Besson im Rahmen der Design-Entwicklung ein Wettbewerb, in Zusammenarbeit mit Yahoo, ausgeschrieben hatte wo Jeder Artist seine eigenen Entwürfe einreichen konnten. Am Ende wurden aus tausenden Einreichungen 20 Kostüme ausgewählt, die dann auch in den Film gekommen sind.

Mein Resümee zu „VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN“ ist, dass der Film sehenswert ist. Ich hätte mir noch gewünscht, dass deutlich mehr der vielen Visual Effects in Europa bzw. Deutschland gemacht worden wären. So wurde nur ein kleiner Teil der VFX bei Mac Guff in Paris hergestellt, der größere Teil aber bei Weta Digital, Industrial Light & Magic und Rodeo FX.

Kay Delventhal

Die INDAChs Kritik von Benjamin Munz zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Luc Bessons VALERIAN macht eigentlich viel richtig und leider ruht er sich zu sehr auf seinem Bombast und seiner Visualität aus ohne die Figuren oder die Geschichte in die Tiefe gehen zu lassen.

Vor ein paar Jahren hätten wir es hier mit einem Meilenstein zu tun gehabt, aber nach unzähligen „Materialschlacht Filmen“ und vielen großen Science Fiction Epen schafft es Valerian leider nicht dem Gerne etwas neues abzugewinnen.

Der Film ist technisch brillant. Die Effekte sind absolut Top Notch und was man eben von gekauften Effekten von ILM und WETA zu erwarten hat.

Viele der einzelnen Set Pieces können auch überzeugen, sind teils lustig, teils spannend, teils sehr unterhaltsam, nur will sich eben kein Zusammenhang erkennen lassen.

Inhaltlich geht es leider auch eigentlich um nichts. Man hat fast das Gefühl, dass Luc Besson hier die gleiche Krankheit befallen hat die auch Ridley Scott bei seiner neuen Alien Anthology heimsuchte. Die Macher suhlen sich in ihrer technischen perfektion, ihren vielen kleinen und oftmals auch feinen Ideen und verlieren dabei aber den Blick fürs ganz, für eine kohärente Geschichte.

Leider reiht sich der Film für mich dabei dann ein in eine Reihe mit „JOHN CARTER FROM MARS“, der mich eigentlich sogar am Ende noch überraschte mit der doch vorhanden tiefe der Geschichte, mit „Jupiter Ascending“ und eben besagter Alien/Prometheus Erzählung.

Warum hier wer, was tut und warum wer wie handelt, gerät vollkommen ins Hintertreffen. Obwohl es Spaß macht unseren beiden Protagonisten bei ihrer Agenten-Mission zuzugucken und diese auch den Film „ertragbar“ machen (was ich bei dem Cast und dem Trailer nicht gedacht hätte), schaffen auch sie es nicht dem Film ein Ziel zu geben auf dessen Auflösung man hin fiebern könnte.

Als dann Valerian bei der Rettung seiner Holden auch noch quasi einen ganzen Alien Stamm ausrottet nur um später über die sinnlose Gewalt und die Vernichtung eines Alienstammes zu sinnieren und den Oberbösewicht damit an den Pranger zu stellen, hat der Film für mich im Nachklang leider viel verloren.

Es sind die vielen kleinen Details die eigentlich Spaß machen sollen, aber am Ende keinerlei Auflösung erfahren. Das geniale Schiff (KITT lässt Grüßen) hat dabei genauso wenig einen Payoff wie so manch genial etablierter Wunderanzug oder Spezialwaffe.

Ich wollte den Film wirklich gerne mögen, habe bei vielen einzelnen Szenen gelacht und mich prächtig unterhalten und am Ende dann wirklich geärgert, dass er es nicht schafft den Bogen zu zumachen sondern sich immerwieder um die eigene Achse dreht.

Das wir es hier mit dem Filmemacher zu tun haben der einstmals DAS FÜNFTE ELEMENT gemacht hat, ist eigentlich kaum zu glauben und wirklich schade.

Allerdings liegt die Latte nach 2 Guardians of the Galaxy Filmen einfach auch zu weit oben. Die ich mir sicher noch oft angucken werde und die es wirklich geschafft haben die Latte ein Stück höher zu legen, was Valerian, obwohl er eigentlich so viel richtig macht, eben einfach nicht schafft.

Hier hätte man sich vielleicht inhaltlich weiter vom Comic oder dem eigenen Ego lösen dürfen um zu mindestens eine Runde Geschichte zu erzählen.

5 von 10 Punkten…

Für einen Sonntagmittag ein cooler Film, aber eben nicht der versprochene Gamechanger den uns Europacorp hier versprochen hat.

Benjamin Munz

http://ratpack-film.de/

Die INDAChs Kritik von Letty Felgendreher zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Ohne das Wissen, dass der Film auf eine Comicreihe basiert, wollte ich – trotz meiner anfänglichen Skepsis nach dem Sehen des Trailers – dem Film ganz unvoreingenommen begegnen.

Hatte doch Luc Besson in meinen Jugendjahren mit „Das fünfte Element“ einen Film geschaffen, den ich wirklich sehr oft gut unterhalten gesehen habe.

Zunächst – die Anfangssequenz war sehr nett und hat wirklich gut gepasst. Dann geht es weiter. Wir begleiten die Spezialagenten Valérian und Laureline auf ihrer… ja was eigentlich. Wir begleiten sie bei ihren… Galaxis-Agentenaufgaben.

Wir begleiten zwei Personen(Cara Delevingne und Dane DeHaan), die im realen Leben zwar gar nicht mehr SO jung sind, aber im Film so wirken, als seien sie vielleicht gerade der Teenagerzeit entsprungen – die aber natürlich ganz viele wichtige Dinge zu entscheiden haben – dabei aber jedoch was ihre charakterliche Entwicklung angeht – nicht bedeutsam von der Stelle kommen.

Bedauerlicherweise konnte ich den beiden Hauptfiguren wenig abgewinnen. Zu gewollt cool waren sie und zu unnatürlich in ihrer Art.

Das „Bonding“ zu mir als Zuschauer funktionierte einfach nicht und erzeugte in mir eher das Gefühl, dass ich lieber mehr von allen anderen Charakteren gesehen hätte.

Leider spielt der Film nicht mit Klischees, sondern bedient sich ihrer nur in vollen Zügen. Da ist die fragile, elegante Alien-Rasse, denen Unrecht getan wurde – und da sind andere nicht terrestrische böse Wesen – die natürlich böse und plump und vielleicht auch etwas lustig und trottelig aussehen müssen.

Und da ist die „Stadt der tausend Planeten“, in der alles Wissen von unterschiedlichsten Völkern geteilt wird, aber von deren Zusammenspiel merken wir eigentlich nicht viel.

Genauso wenig wie vom eigentlichen Antagonisten.

Schade, wirklich schade, es gibt schon ganz nette Einfälle, die Weltenabschnitte innerhalb der Raumstation/Stadt sind ansehnlich präsentiert, die Wesen schön anzusehen.

Alles hätte optisch den Plot gut unterstützen können, hätte der denn ein wenig mehr Anspruch gehabt.

Letty Felgendreher

Doch das zum Teil schwer nachvollziehbare Verhalten der Protagonisten, Unlogik innerhalb der Welt, einige deutliche Schnittfehler und Charaktere, die nur als Mittel zum Zweck in der Galaxiesuppe dienen, führen nicht zu einem runden Eindruck des Filmes.

Es gibt die Momente, wo man zu spüren vermag, dass der Film Potential gehabt hätte – wäre er eben nicht so einfach gestrickt und so klischeebehaftet.

So bleibt es einfach ein weiterer sehr CGI-lastiger Film, in dem das Herz – die Geschichte – in ihrer Darstellung leider zu kurz kommt.

Wer auf digitalen Augenschmaus und seichte Unterhaltung steht – der wird dennoch unterhalten sein.

Letty Felgendreher, Leipzig

Die INDAChs Kritik von Simon Leykamm zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“

Luc’s Filme haben mich immer, immer begeistern koennen.
Mit „Valerian et Laureline“ ist ihm und seinem Team eine sehr unterhaltsame Comic-Verfilmung gelungen – mit viel Witz und Charme – was mich dazu inspirierte mir am Folgetag ein paar Valerian-Comics zuzulegen . Die Geschichte wird aus meiner Sicht sehr liebevoll und detailverliebt erzaehlt. Die gestalterische Ausarbeitung der Charaktere und Szenarien ist beeindruckend und vollgespickt mit kleineren und grösseren Überraschungen , dabei aber trotz der Umfänge nicht aufdringlich.
Neben den beeindruckenden Charakteren , den VFX- und SpecialEffekten, sticht aber auch hervor , dass der Film sehr sauber ausgearbeitet und geschnitten ist ( guter Flow ) , sowie einen sehr „fetzigen“ Soundtrack bietet – wie man es von Luc’s Filmen gewohnt ist (Sei es nun 5th Element , Taxi , Minimoys oder The Dancer )!

Simon Leykamm, München

Die INDAChs Kritik von Sebastian König zu Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Valerian & die Stadt der tausend Planeten – Auf diesen Film war ich sehr neugierig, da mir das Kino-Erlebnis von „Das fünfte Element“ gut in Erinnerung geblieben ist.
Denn die Voraussetzungen klingen traumhaft: Luc Besson verfilmt „Valerian & Veronique“, den Comic, der ihn , u.a., zu seinem eigenen 95′ Sci-Fi-Epos inspirierte.
Und man wird nicht enttäuscht: Genau wie der Comic sprüht der Film vor visuellem Einfallsreichtum. Damit ist nicht nur das Design an sich gemeint, sondern wie es für das visuelle Erzählen genutzt wird. Wie die Welt von „Valerian“ funktioniert, wird weniger verbal, denn visuell erklärt, einerseits, um Zusammenhänge schneller vermitteln zu können, andererseits als Stilmittel, daß den Zuschauer die Welt selbst entdecken läßt. Das schließt auch die zahlreichen und durchaus beeindruckenden Spezialeffekte und Animationen des Films ein, die sich nach einem eindrucksvollen Auftakt in die Story und die Welt einfügen.
An der Seite der beiden Hauptfiguren Valerian und Laureline, wie Veronique im Original heißt, erlebt man die fiktive Zukunft der Menschheit, in der sich beide in ihrem Beruf als Spezialagenten ganz natürlich bewegen. Auf diese Natürlichkeit ist das Design ausgerichtet, das ganz bewußt auf das baut, was wir in unserer Welt kennen, damit wir, trotz des teils absurden Sci-Fi-Settings, immer bei den Charakteren bleiben können. Denn der Film lebt von der Dynamik der beiden Hauptfiguren, die sich in Teamarbeit von Cliffhanger zu Cliffhanger hangeln und ständig gegenseitig retten. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, die ihre Rollen wunderbar schräg durch eine schräge Welt laufen lassen. Das ist auch einer der Punkte, mit dem der Film nah an der Comicvorlage bleibt, von zahlreichen Orten, Szenen und Motiven mal abgesehen. Kenner des Comics werden wohl ihre Freude haben und viel entdecken können.

„Valerian & die Stadt der tausend Planeten“ ist große Blockbuster-Unterhaltung, der Luc Besson einen persönlichen Stempel verpasst hat, indem er sich erfrischend nah an den Ideen des Comics orientiert. Abgesehen vom eigentlichen Plot des Films, fesselt einen dieser Film durch sein dynamisches Duo, den Comicalben-artigen Erzählrhythmus und das vielfältige Design. Dazu noch ein wunderbarer Score von Alexandre Desplat und das Kino-Abenteuer ist perfekt!

Sebastian Könighttps://youtu.be/gzyLc3hzYh4
artofbasti.com

Hier die INDAChs Kritik von Finn-Ole Mehl zu „Planet der Affen: Survival“/“War for the Planet of the Apes“

Der dritte Teil einer Trilogie ist häufig einer der schwächeren. Bei der „Planet der Affen“ Trilogie ist das zum Glück nicht der Fall. Die moderne Affen-Reihe – oder die Caesar-Trilogie, die 2011 mit „Rise of …“ begann, wird jetzt von Matt Reeves, der bereits 2014 bei „Dawn of …“ Regie führte, zu einem würdevollen Abschluss gebracht. Die drei Filme bilden einen rundes Ganzes, eine in sich geschlossene Geschichte, nämlich die von Caesar: Vom unschuldigen Labor-Versuchs-Äffchen bis hin zum Anführer der Affen begleiten wir Caesar auf seiner Reise. In „War“ geht Andy Serkis‘ Caesar auf Rachefeldzug gegen die Menschen, angeführt von Woodly Harrelsons Colonel. Caesar muss sich seinen inneren und äußeren Dämonen stellen. Und Andy Serkis liefert brilliante Arbeit.
Die Motion-Capture-Technik ist seit „Dawn“ noch einmal um einiges besser geworden. Zu keiner Zeit hatte man das Gefühl Computerfiguren auf der Leinwand zu sehen; jeder Affe war absolut überzeugend und realistisch. In Verbindung mit Serkis‘ genialem Minenspiel entsteht dabei etwas ganz besonderes, das jeder selbst gesehen haben sollte. Auch das Zusammenspiel von Serkis und Harrelson ist packend und spannungsreich.

„War“ ist – wie der Name bereits vermute lassen sollte – ein Kriegsfilm; mit allem Blut, Dreck und Drama was dazu gehört. Das Settting mag futuristisch, post-apokalyptisch, fantastisch sein – die Dramatik und Komplexität und die Charaktere, sowie deren Handlungen und Motivationen erscheinen aber absolut real, glaubhaft und fesselnd.
Comic Relief ist gerade in solch dramatischen Filmen immer ein schwieriges Thema. Mit Steve Zahns ehemaligem Zoo-Affen Bad Ape, dem Caesar und Co unterwegs begegnen, ist „War“ sicherlich ein Risiko eingegangen. Glücklicher Weise ein Risiko, das sich vollkommen ausgezahlt hat. Bad Ape liefert erfolgreiche Auflockerungen der sonst so sehr ernsten Handlung ohne dabei jemals albern, peinlich oder unpassend zu wirken, und überzeugt gleichzeitig durch seine emotionale Hintergrundgeschichte.

Finn-Ole Mehl

Nicht unerwähnt bleiben sollen außerdem Karin Konoval als Oranguntan Maurice, Toby Kebbell als Schimpanze Koba und Amiah Miller als stummes Menschenkind Nova, die alle einen umwerfenden Job machen.
„War for The Planet Of The Apes“ ist brilliant geschrieben, hervorrgend inszeniert und umwerfend gut gespielt. Die Kombination aus perfekter Motion-Capture- und CGI-Technik und der darstellerischen Leistungen ist absolut magisch.
Also, am besten „Rise“ und „Dawn“ direkt nochmal zu Hause nachholen oder auffrischen und dann ab ins Kino.

Noch eine kurze Zeile zum INDAC Event in Berlin:
Es war ein ganz toller Abend. Bevor wir in der Astor Film Lounge den Film mehr über einen Monat vor Kinostart vorgeführt bekamen, wurde der Film von Matt Reeves und Andy Serkis persönlich auf der Bühne angekündigt. Natürlich haben die beiden auch ein paar Fragen zum Film und zur Motion-Capture-Technologie beantwortet. Es ist immer eine große Freude zu sehen, mit welcher Leidenschaft Andy Serkis über seine Arbeit spricht – jetzt für mich zum ersten Mal auch live, ganz ohne Bildschirm.
Danke INDAC.

Finn-Ole Mehl

Digitrick Wanie, Potsdam

Hier die INDAChs Kritik von Alena Nicolai zu „ATOMIC BLONDE“ mit den VFX von Chimney & SLICE

Der Vorspann beginnt: 1989, Berlin vorm Mauerfall, Zeitaufnahmen, Nachrichtensendungen… ein tiefer Seufzer macht sich in mir breit  – noch ein Wendenfilm, muss das jetzt sein? Doch Halt! Mit Graffiti wird ein dickes Kreuz über den Bildschirm gemalt „not that kind of story“. Aha, denke ich mir, sondern?
Atomic Blonde erzählt die Geschichte der MI6-Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) die nach Berlin geschickt wird, um – tadaaa – „die Liste“ in Sicherheit zu bringen. Auf dieser befinden sich (natürlich) die Identitäten aller Agenten in Berlin. Gleichzeitig soll der Doppelagent enttarnt, gefasst und als Exempel verurteilt werden: Get the list, find the traitor, bring him back and trust no one! Ahja, alles schon mal gehört und gesehen, denke ich mir – warum also noch sitzen bleiben?
Der Film punktet mit Augen- und Ohrenschmaus: Berlin Ende der 80, das heißt nostalgisches Setting, herrliche Mode (Plastiktrenchcoats, Fliegerbrillen, Schnäuzer), Trabis und ja bitte, danke MUSIK. Völlig losgelöst von der Erde, 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont summe ich zufrieden auf meinem Sitz mit. Während ich die Atmosphäre genieße, treffe ich eine Reihe an gewollt-skurrilen Figuren; allen voran Frau Geheimagentin – deren Tätigkeiten variieren zwischen Wodka auf Ex, Zigarette und ordentlich Prügelei. Der hübsche, französische Schatten (S.Boutella), deren Auftreten durch die Nahaufnahme ihrer Schuhe gekennzeichnet ist. Der russische Gegenspieler, der seine Brutalität beweist, indem er junge Rapper aufmöbelt und alles (also „seine Jungs“) daran setzt, mit Fräulein Blonde ein „Treffen“ zu arrangieren. Ein ständig betrunkener Geheimdienstler (J. McAvoy) aka MI6s golden boy, dem Fräulein Blonde nicht traut, der Zuschauer nicht traut und der MI6 auch nicht traut. Ein sympathischer Jüngling, der sich mühelos von Ost nach West zu bewegen scheint und das jugendliche Pulverfass verwaltet. Der Stasi-Listenschmuggler mit dem originellen Namen Spyglass (E. Marsan), der selbstverständlich das gesamte Dokument auswendig gelernt hat. Und nicht zu vergessen – wir haben es hier mit einer ausländischen Produktion zu tun, die in Deutschland spielt… was wäre diese ohne Herrn Schweiger. Wie immer wortkarg, treffend besetzt als
Uhrenmacher.
Der Film scheint an Farbeinstellung gut machen zu wollen, was der lieblosen Story fehlt. Jedes Setting ist in sein eigenes Farbmotiv getaucht – das kalt-graue Badezimmer, indem sich eine nackte, graue Agentin in einem Eiswürfelbad die Wunden kühlt – gekonnt vermischt mit der warmen Flamme des Feuerzeuges. Das Verhörzimmer, stilvoll in schwarz/weiß, passend zur Kleidung und Frisur der Dame. Und abgesehen von Farbe und Ton? Lässt uns das Ganze kalt: Die Agentin scheint ohne jegliche Tarnung völlig unerkannt zu bleiben, was dem Zuschauer ein Rätsel bleibt, denn diese Haarfarbe prägt nicht nur den Filmtitel, sondern ist als Blickfang einfach extrem

auffällig. Wer nun wen hereinlegt und Doppel-doppelbluffs verursacht wird mir als Zuschauer vehement aufgedrückt. Und entweder wird getrunken oder geprügelt.
Fazit: schönes Farbspiel, nostalgischer Soundtrack doch für meinen Geschmack zu geradlinig und unheimlich langatmig – fast 2 Stunden, das ginge auch kürzer. Kino, welches höchstens die Lust auf Wodka on Ice weckt – und sogar der Nichtraucher anschließend gerne eine Zigarette so verführerisch zwischen die Lippen legen möchte wie Frau Blonde es vormacht. Na dann – einschenken und auf Ex. Please repeat.

Alena Nicolai

Art Therapist

 

Hier die INDAChs Kritik von Raphael Rau zu Luc Bessons „VALERIAN -Die Stadt der Tausend Planeten“


Kritik Valerian – And the City of a thousand Planets

Gleich zu Beginn nach den Logos, wenn David Bowie – Space Oddity zu spielen beginnt und die ersten Bilder alter Weltraummissionen auf der Leinwand erscheinen und gezeigt wird, wie sich die Raumfahrt und damit die Menschheit im Laufe der Jahre bis hin in die Zukunft entwickelt hat, verbreitet sich ein angenehmes Gefühl der Nostalgie gemischt mit einer Ahnung, dass der Film evtl. etwas anders sein wird, als der typische 0815 Sci-Fi Blockbuster, den man in den letzten Jahren von Hollywood serviert bekommen hat. Dieser Anfang ist zudem ein perfekter Übergang von unserer Realität in die faszinierende bunte Welt von Valerian, die sich in den  nächsten 137 min auf der Leinwand entfaltet.

Wir folgen den beiden Spezialagenten Laureline und Valerian, die dabei sind, ein seltenes Gut aus einem Schwarzmarkt-Deal zu sichern. Doch anscheinend hat der sichergestellte Gegenstand mehr Wert, als vermutet. Bei Nachforschungen treten immer mehr Ungereimtheiten zu Tage, welche die Vermutung auf eine Verschwörung nahe legen. Im Handlungsverlauf folgen wir nun diesen Beiden, wie sie sich durch die Welt der „tausend Planeten“ kämpfen, um die Wahrheit über diesen Gegenstand und die Verschwörung in Erfahrung zu bringen.

Luc Besson manövriert die Charaktere ständig zu neuen interessanten Stationen und Orte, die weitere Aspekte dieser vielfältigen Welt der tausend Planeten zum Vorschein bringen. Der an den Tag gelegte Ideenreichtum und das Produktionsdesign ist grandios. Diese Vielfalt vermittelt einem Tiefe und Präsenz der Welt, die man in vielen aktuellen Blockbustern vermisst. Noch viel bemerkenswerter ist jedoch, dass Luc Besson trotz des ganzen Trubels es schafft, eine gute emotionale Bindung zwischen Protagonisten und Zuschauer herzustellen. Das lässt einem die ganzen Welt durch die Augen der Charaktere noch eindrucksvoller erleben.

Natürlich wäre der Film auch kein Luc Besson Film, wenn er nicht auch gewollt etwas absurd wäre. Man muss es schon mögen, in eine poppige, bunte, verrückte und teilweise stereotypische Patchwork-Welt geschmissen zu werden. Manchmal wird das Motto „The Show Must Go On“ mehr zelebriert, als sich weiter um Charaktertiefe zu bemühen. Aber letztendlich muss man auch klar sagen, dass Vale

Raphael Rau

rian – der Film – auch gar nicht mehr vor hat, als dieses dem Zuschauer anzubieten. Er will ein bunt-poppiger, unterhaltsamer Sci-Fi Film mit großartigen Bildern, tollem World Building / Design und guten Schauspielern sein. Und dieses ist absolut gelungen!

Luc Besson ist es mit seinem neuesten Film geglückt ein imposantes und farbenfrohes Meisterwerk zu kreieren, dass an Einfalls- und Detailreichtum nicht missen lässt, aber sich auch gekonnt bei geistesverwandtem Material sich zu inspirieren weiß – ohne zu abgekupfert zu wirken. Evtl. wird sich der eine oder andere Zuschauer dabei etwas stark an Avatar erinnert fühlen. Wer allerdings seine Vorurteile über Bord wirft und sich in die Welt der tausend Planeten entführen lässt, hat wundervolle Kinostunden zu erwarten, die sicherlich in Erinnerung bleiben.


Raphael Rau

http://www.silverwing-vfx.de/

Die Indachs-Kritik von Mario Doll zu Universals „DIE MUMIE“ mit Tom Cruise

Mit Tom Cruise, Russel Crowe und Regisseur / Produzent Alex Kurtzman lässt Universal erneut eines seiner bekanntesten Filmmonster „Die Mumie“ auferstehen. Gleichzeitig soll es das erste Monster-Abenteuer im extra erschaffenen „Dark Universe“ Franchise darstellen und weitere Remakes (z.B. Frankenstein, Dracula, Wolfsman… für letzteren Film ist sogar aktuell Dwayne The Rock Johnson im Gespräch) sollen bekanntlich folgen bis ein Aufeinandertreffen der Mega-Monster stattfinden wird.
Mit „Die Mumie“ soll hierfür nun abermals der Grundstein neu gelegt werden, da der ursprüngliche Startfilm „Dracula Untold“ vor 3 Jahren die Fans und somit an der Kinokasse enttäuschte.

Zur Story:
Nick Morton (Tom Cruise) ist ein egoistischer Draufgänger, der stets an seinen Vorteil zuerst denkt. „Erst schießen, dann fragen“ könnte sein Motto sein und so bleibt es nicht aus, dass er sich und andere stets in brenzlige Situationen bringt. Aus reiner Geldgier plündert er z.B. im Irak Kulturstätten und legt dabei ganz aus Versehen das Grab und den Sarkophag der ägyptischen Prinzessin Ahamanet (genial: Sofia Boutella) frei, die von ihrem Volk verbannt und lebendig mumifiziert wurde – die größte Strafe im alten Ägypten. Da Morton damit jedoch das Böse entfesselt hat und auch selbst mit einem Fluch belegt wird, sind die unbeschwerten Tage für ihn und seine Freunde nun definitiv vorbei. Nahezu gleichzeitig werden bei Tunnelarbeiten in London alte Gräber von Kreuzrittern entdeckt. Für beides interessiert sich eine geheime Organisation, die sich der Erforschung des Bösen verpflichtet hat außerordentlich. Dessen Leiter Dr. Henry Jekyll (Russel Crowe) weiß die Zeichen zwar richtig zu deuten, hütet aber selbst jedoch ebenfalls ein großes, dunkles Geheimnis…
„Die Mumie“ ist ein richtig gut gemachtes und kurzweiliges Horror-Action-Abenteuer mit 110 Minuten in brillantem 3D, sowie mit einem fabelhaftem, stimmungsvollen Score. Tom Cruise´s Charakter Nick Morton ist mir zwar am Anfang ein wenig auf den Nerv gegangen (weil er mir einfach zu überdreht war) aber auch das hat sich mit der Zeit dann glücklicherweise gelegt. Richtig hervorragend besetzt finde ich die Rolle der Prinzessin Ahamanet mit Sofia Boutella, die schon in „Kingsman“ zeigen durfte, wie böse sie sein und dabei noch hübsch aussehen kann. Ebenfalls sieht man Russel Crowe an, dass er richtigen Spaß mit seiner (Doppel)Rolle hat. Es gibt sehr viele tolle Ideen, die im Film perfekt umgesetzt wurden, z.B. wie der Sarkophag von Ahamanet vor der Welt verborgen wurde (unterirdisch, in einem Quecksilber-Bad), die sich teilenden Pupillen, der Flugzeugabsturz, uvm. Universal setzt bei „Die Mumie“ tatsächlich alles auf eine Karte: man hat zwei, drei Mal das Gefühl, dass hier zwischen Hommage und Horror absolut ein Blockbuster kreiert werden musste, um das „Dark Universe“ nun im zweiten Anlauf auf die richtige (á la „Marvels Cinematic Universe“) Bahn zu lenken. Meiner Meinung wird dies auch gelingen und die Rechnung aufgehen, denn wo Tom Cruise draufsteht, ist auch Tom Cruise drin. In Südkorea z.B. ist der Film bereits am 06.06.2017 angelaufen und hat direkt einen bemerkenswerten Startrekord mit Einnahmen in Höhe von 7,3 Mrd. koreanischen Won / rund 5,9 Mio. Dollar aufgestellt! Mal schauen wie sich „Die Mumie“ im Rest der Welt schlägt und ob die Zuschauer sich in ihren Bann ziehen lassen… Ich finde ihn jedenfalls „unheimlich“ gut 🙂
Mario Doll, Berlin

Die INDAChs Kritik von Markus Müller zu Disney „Pirates of the Carribbean – Salazars Rache“

Karibik für alle:

Nachdem ich die ersten drei Teile mit abnehmender Begeisterung im Kino gesehen hatte, schaffte es der vierte Teil der Reihe nur noch mit Verspätung in meinen Bluray Player. Irgendwie hatte sich die Idee des tuntigen Deppen meines Empfindens nach totgelaufen. Zu jener Zeit hätte ich tatsächlich lieber eine Verfilmung des letzten Michael Crichton Romans Pirate Latitudes durch Steven Spielberg gesehen, aber es blieb nur bei der Ankündigung.
Umso überraschter war ich ob des fünften Teils bei dem ich aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Das Timing war sehr gut, der Film startete mit einem hohen Tempo und schaffte es dieses über die volle Länge zu halten. Auch nahm Johnny wieder eher eine Nebenrolle ein, als wie zuletzt im vierten Teil. Dadurch hatten die anderen Darsteller wesentlich mehr Raum, besonders Kaya Scodelario konnte hier überzeugen. Jarvier Bardem gab einen tollen Fiesling ab, dessen Motivation nachvollziehbar war und er durchaus Sympathien wecken konnte.
Einzig der Showdown wirkte ein wenig fad und ließ in mir das Gefühl aufkommen, dass es sich die Macher etwas zu einfach gemacht hatten. (Stichwort: Moses)
Schlussendlich kann ich sagen, dass mich der Film überrascht und wider Erwarten begeistert hat und mit wunderbar dreckigen Setpieces und fantastisch überdrehtem Humor auf die volle Lauflänge zu unterhalten wusste. Würde ich mir noch ein zweites Mal ansehen!
Markus Müller
Animation Designer

Hier die INDACHs Kritik von Marco Rosenberg zu Disneys „Pirates of the Carribean – Salazars Rache“

Der erste Teil von „Fluch der Karibik“ gehört noch immer zu meinen Lieblingsfilmen. Teil 2 und 3 gefielen mir weniger und Teil 4 hatte ich mir dann gar nicht erst angeschaut. Deshalb war ich schon skeptisch, als ich mir den neuesten Film der Reihe, „Salazars Rache“, anschaute.

Wie Teil 1 beginnt dieser Film mit einem Flashback in die Kindheit eines der Protagonisten, in diesem Fall Will Turners Sohn Henry, der versucht, seinen Vater vom Fluch der Flying Dutchman zu befreien. Zurück in der Gegenwart werden dann flugs die neuen und wiederkehrenden Charaktere eingeführt. Der verfluchte Piratenjäger Salazar (Javier Bardem), der es vor Jahren beinahe geschafft hätte, sämtliche existierenden Piraten auszulöschen, jetzt aber als untoter im gefürchteten Todesdreieck gefangen ist. Die junge, hochintelligente Carina, die als Baby im Waisenhaus zusammen mit einem geheimnisvollen Tagebuch abgegeben wurde. Auch Kapitän Barbossa stößt später noch dazu. Und nicht zuletzt Jack Sparrow, der ohne Schiff, aber mit kleiner (noch) loyaler Crew versucht, an Land auf Beutefang zu gehen.

Jack Sparrow ist in diesem Film leider nur noch ein Schatten seiner selbst, ein hauchdünnes, löchriges Geflecht aus Klischees und Selbstzweifeln. Aus dem bauernschlauen, gewitzten Trickster aus den früheren Filmen ist ein Häuflein Elend geworden, der durch seine Sauferei und Niedergeschlagenheit ganz aus Versehen den Fluch, der Salazar ans Todesdreieck bindet aufhebt und somit sämtliche Piraten der Karibik in Gefahr bringt. Die einzige Möglichkeit ihn aufzuhalten, ist es ein mächtiges und als Legende verschrienes Artefakt zu finden, das sämtliche Flüche in der Karibik auf einen Schlag aufheben kann. Wie praktisch für Henry, da dieses Artefakt auch seinen Vater von seinem Fluch befreien könnte. Und zufälligerweise weist das Tagebuch von Carina den Weg zum Artefakt und nur sie weiß die Hinweise zu deuten.

Marco Rosenberg

Die Artefakte, Mythen und Charaktere in diesem Film hätten locker für eine ganze Serienstaffel gereicht, werden hier aber als Effektgewitter verpulvert. Der Plot und die Actionsequenzen scheinen am Reißbrett entstanden zu sein, frei nach dem Motto „Was haben wir in den bisherigen Filmen noch nicht gemacht, oder wie könnte man schon gesehenes übertreiben oder umwandeln, um es neu erscheinen zu lassen?“. Die Suspension of Disbelief wurde bei mir leider schon nach kurzer Zeit gebrochen, weil ständig neue Regeln und Bedingungen eingeführt werden, die das Logik-Gerüst des Films (und rückwirkend sogar der vorherigen Filme) zerfressen und gähnende Plot Holes hinterlassen.

Einige wenige Highlights hat der Film zu bieten, zum Beispiel die Entstehungsgeschichte wie Jack Sparrow zu seinem Namen, Kleidungsstil und Ruhm gelangte. Auch die ruhigeren Momente und (sehr kurzen) Cameos von Orlando Bloom und Keira Knightley stechen trotz Schmalzfaktor positiv heraus. Die Spezialeffekte sind allerdings so übertrieben und zahlreich, dass ich schnell abstumpfte und sich meine Gedanken von „Wow!“ zu „Why?“ wandelten. Schiffe die andere Schiffe fressen, explodierende Schiffe, und Gallionsfiguren, die erst dann lebendig werden, wenn das laute Action-Grundrauschen noch getoppt werden soll… muss das sein?

Wer auf viel Actionspektakel steht und auch beim drölfzigsten Bruckheimer-Krachbumm-Film noch selig grinsend aus dem Kino stolpert, wird an „Salazars Rache“ seine wahre Freude haben. Wer allerdings auf Feinheiten und clevere Plots steht, wird hier nicht glücklich.

Marco Rosenberg

 

Die INDAChs Kritik von Marina Hartfelder zu Disney „Pirates of the Carribean: Salazars Rache“

Der allzeit angetrunkene Jack Sparrow findet sich in einem völlig neuen Abenteuer wieder. Verfolgt von tödlichen Geister-Piraten Zombies, torkelt sich Jack Sparrow durch die neuste Episode von Pirates of the Caribbean. Das Einzige was ihn noch retten kann, ist der legendäre Dreizack des Poseidon. Ein mächtiges Artefakt, das jeden Fluch zu brechen vermag.
Der fünfte Teil der Piraten-Saga um Captain Jack Sparrow ist bei Weitem besser gelungen als der Vierte. Die Regisseure Joachim Ronning  und Espen Sandberg haben das Ruder herumgerissen und dem ‚Pirates of the Carribean‘
Franchise seinen Zauber zurück gegeben.
 
129 Minuten habe ich gespannt das Geschehen auf der Leinwand verfolgt und konnte mich an den wunderschönen Kulissen dieses visuellen Meisterwerks einfach nicht satt sehen. Eigentlich hätte ich den Film gerne gleich noch mal gesehen, nur um die Bilder im Detail betrachten zu können, ohne mich auf die Handlung konzentrieren zu müssen.
 
Teilweise ist so viel passiert, dass ich mit den schnell wechselnden Handlungssträngen nicht mitgekommen bin und mich gefragt habe: Wie sind die Protagonisten nun wieder dorthin gelangt? Da hätten durchaus ein oder zwei Sequenzen ausgelassen werden können. Ansonsten ist die Geschichte schlüssig und spannend erzählt.
 
Die Geister-Piraten Zombies sind faszinierend visualisiert. Die Kulissen sind traumhaft und erwecken beim Zuschauer das Bedürfnis sich spontan in die Karibik absetzen zu wollen. Die Musik von Geoff Zanelli unterstreicht das Wesen dieses Genres und hinterlässt Ohrwürmer.
 
Die Charaktere ergänzen sich wunderbar und Jack Sparrow, gespielt von Johny Depp, ist wieder in seiner gewohnten Form zu sehen, witzig und galant, auf seine ganz besondere Art und Weise. Das Wiedersehen mit altbekannten und beliebten Figuren macht einfach großen Spaß. Aber auch die nächste Generation, Katarina (Kaya Scodelario) und Jack (Brenton Thwaites) spielen auf hohem Niveau.
 
Fazit: Ein toller Film, gerade für die große Leinwand. Unbedingt sitzen bleiben und sich Überraschen lassen. Bestimmt ist das nicht der letzte ‚Pirates of the Caribbean‘ Film.

Marina Hartfelder

www.marinahartfelder.eu

Die INDAChs-Kritik von Stefan Poßner zu Disneys „Pirates of the Carribean – Salazars Rache“

SALAZARS RACHE liefert grundsolides sowie gefälliges Augen- und Ohrenfeuerwerk. Tatsächlich jedoch nicht mehr. Es fehlt eindeutig an Herz und Glaubwürdigkeit. Und das kann schade und sogar anstrengend sein.
Denn, wenn mir Motivationen der Charaktere abgehen oder die Welt auf der Leinwand ständig aus dem Selbstzweck heraus ihre eigenen Regeln bricht, distanziert sich mein Innerstes. Ich schalte dann zwar nicht ab, aber bin auch nicht Teil dieser Reise auf der Leinwand. Was bleibt ist Berieselung. Und zwar eine schätzungsweise 200 Mio. Dollar teure Berieselung.
Blieben ja noch wenigstens interessante Charaktere, welche man da beoachten könnte. Doch auch hier versagt SALAZARS RACHE.
Jack Sparrow war gewiss einmal ein Großer. Durch seine Exzentrik aber auch Spitzfindigkeit wirkte er gerade im ersten Teil der Filmreihe unglaublich plastisch. Im neuesten Werk hingegen wirkt er eher wie eine flache Projektion seiner Selbst, welche an den offensichtlichsten Stellen kräftig nachsaturiert, gar übersaturiert wurde. Seinem Beitrag zur Handlung trägt er torkelnd mit mehr Glück als Verstand durch Slapstick-Einlagen Rechnung.
Doch spielt Jack sowieso nur noch die zweite Geige.
Das eigentlich handlungstragende Päärchen kommt mit frischen unverbrauchten Gesichtern daher. Doch waren auch sie leider so flach, dass ich nicht einmal an ihre Namen erinnern kann. Just in diesem Moment habe ich deren Namen zwar nachgeschlagen, doch möchte ich den vorhergehenden Satz ehrlicherweise nun gern stehen lassen. Die Motivationen jenes Duos wirken ebenso generisch und bereits mehrfach bekannt wie deren Charakter.Salazar wirkte im Trailer durch eine spannende Mischung aus untoter grausamer Stoischkeit und fast flehend wirkender übertriebener Höflichkeit tief. Im Film hingegen war davon nicht mehr viel zu sehen. Allzu simpel waren seine Motivationen. Allzu simpel und bekannt wirkte auch das Rezept eines übermächtigen, übernatürlichen Antagonisten.
Leider wurde vehement darauf verzichtet, einmal etwas neu zu denken. Oder um mehr als zwei gedankliche Ecken herum Sachverhalte zu konstruieren. Vertan wirkte beispielsweise für mich die Chance auf ein gehaltvolles Spannungsfeld zwischen dem ehemals untoten Barbossa und dem immer noch untoten Salazar. Man sollte doch meinen, die beiden hätten sich etwas zu sagen. Hätten interessante Gedanken mit Witz zu teilen. Aber: Nichts.Dennoch war, wie immer, Captain Barbossa der heimliche Star in diesem Werk und der einzige Charakter mit Farbe. Leider wirkte sein finales Schicksal dann doch eher konstruiert und bei näherer Betrachtung unnötig.

Abschließend kann ich konstatieren, dass Freunde gepflegter Effekthascherei und markiger Musikuntermalung auf ihre Kosten kommen sollten. Mehr als Unterhaltung genau innerhalb der Spielzeit sollte man jedoch nicht erwarten. Wer gern über Filme nachdenkt wird SALAZARS RACHE wahrscheinlich anstrengend finden.

Wenn man bedenkt wie viele gute kleinere Filme für das Budget eines solch aufgeblähten aber hohlen Blockbusters gedreht werden könnten, dann halt! Solche Gedanken sind ungehörig. Kinoticket kaufen! Aber schnell!

Hier die INDAChs Kritik von Nuesret Kaymak zu Ridley Scotts „ALIEN: COVENANT“

Eine Filmkritik von Nuesret Kaymak

Als ein großer Fan von Ridley Scotts ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT von 1979, müsste ich inzwischen einen hippen, langen-wenn auch angegrauten – Bart tragen. Daher stehe ich der ALIEN-Filmreihe eher wohlgesonnen gegenüber und meine Kritik wird verständlicherweise kein Verriss, auch wenn der Film mir (ein paar wenige Male) einen Facepalm herauskitzeln wollte. Glücklicherweise hielt sich das in Grenzen denn die spannenden und beeindruckenden Strecken bestimmten den Tenor. Daher also schon zu Beginn und kurzgehalten: ja, Kinobesuch und Kinokarte lohnen sich. Meine Wertung: 9 von 10 Punkten. Ich erkläre im Folgenden, warum man sich den Film unbedingt zu zweit in im Kino ansehen sollte und warum die Macher die Adaption zur TV-Serie erwägen sollten.

Warnung an alle, die die ALIEN-Filmreihe NICHT kennen

Nicht wenige werden behaupten, Ridley Scotts erste ALIEN-Verfilmung gelte als einer der besten Science-Fiction-Horror-Filme – wenn nicht sogar als der beste. Und ja, natürlich und selbstverständlich ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man es sich antun mag, einen verstörenden Film – wie auch jetzt ALIEN: CONVENANT – freiwillig anzusehen! Man sollte nicht vergessen, dass bei all der raffinierten Ausstattung, den grandiosen Kulissen und nicht zuletzt der interessanten Storyline einschließlich tadelloser Darsteller – die ALIEN-Filmreihe einschließlich des Spin-off PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN – wesentliche Anteile des GORE– und SPLATTERFILM-Genres aufweisen. Sensible Zuschauer dürfen sich daher auf zwei schweißtreibende Stunden mit verstörenden Momenten und furchteinflößenden Bildern einstellen! Aber auf dem Jahrmarkt weiß ja vorher auch jeder, worauf er sich mit einer Achterbahnfahrt einlässt. Daher sollte man den Film unbedingt mit seinem Partner ansehen. Wer DRACULA-Filme mag, ist hier gut aufgehoben.

INHALT

Es geht um den schrecklichsten Albtraum des Menschen überhaupt: die Fremdbestimmung. Die Kirche nennt es Besessenheit, die Biologie Parasitismus. In ALIEN: COVENANT wie auch der ganzen ALIEN-Filmreihe ist es das handlungsbestimmende Thema: eine außerirdische Lebensform zweckentfremdet den Menschen zur Brutstätte des Nachwuchs. Der menschliche Körper dient einem Parasiten als „Nest“ und „Nahrungsquelle“ zugleich. Der mit den Sporen infizierte Mensch, sich dessen nicht bewusst zur wandelnden Babynahrung degradiert zu sein, darf noch kurze Zeit aschfahl durch die Gegend wanken – bis die Brut soweit herangereift ist (und das geschieht in einem irre schnellen Tempo) und quasi aus dem Ei schlüpft.

Den Schlüpfvorgang muss man sich im Übrigen wortwörtlich vorstellen -filmisch gekonnt in Szene gesetzt von Altmeister Sir Ridley Scott persönlich samt perfektem Stab an Spezialisten für Design, CGI und Maske. Wie auch schon in den Vorgängerfilmen, bestimmt besonders die Zeit zwischen „Befruchtung“ und „Geburt“ die eigentliche Filmhandlung und damit die altbewährte Frage, wer denn nun befallen ist, es noch werden wird- und wer nicht. Also das bewährte Zehn kleine Negerlein -Spielchen bei, welches – je nach dem -einmal blutig und weniger blutig ausfällt. Und hier liegt leider einer der Schwächen des Films. Aber dazu später…

PRO

Eines muss man den Machern lassen: die (audio-) visuelle Umsetzung ist in jedem der ALIEN-Filme – auch und besonders in ALIEN: COVENANT – einfach nur perfekt! Es sind Könner, die hier bis hinein in die Farbnuancierung ein ausgetüfteltes, optisches Meisterwerk in Szene setzen. Echte Virtuosen, denen es gelingt – selbst in Zeiten, in denen TV-Serien mit beschaulicher CGI längst dem Kino den Rang- und die Alleinherrschaft über das Publikum abgelaufen haben – noch imponieren kann. Der Film überzeugt nicht nur technisch an Raffinesse und Präzision sondern auch in der ästhetischen, im Design. Die durchdachte, ausgewogene Komposition muss man daher auf der großen Leinwand genießen, da man sonst das imposante Seherlebnis nur in einer Annäherung – jedoch nie in seiner vollen Entfaltung erleben kann. Das gilt natürlich nicht für die, die auf YouTube- und Handy-Filmchen abonniert sind. Kein noch so leistungsfähiger Großbildfernseher kommt an die Dimension der bildgewaltigen Optik eines digitalen Hochleistungsprojektors heran, der das Kino der Gegenwart an seine ursprüngliche Aufgabe als Lichtspieltheater zurückführt und inthronisiert.

Filmtempo, Kameraeinstellungen und Lichtsetzung sind von Meisterhand geschaffen und ziehen den Zuschauer in seinen Bann. Der Sound als auch die musikalische Untermalung ist inzwischen so perfekt auf die Schnitte abgestimmt, dass man sich als Zuschauer gewürdigt fühlt und spürt, einer anspruchsvollen Vorstellung beizuwohnen. Es ist ein wenig ARTE-Feeling aufgekommen: Ruhe und Qualität… das Gegenteil hysterischer Massenproduktionen. Die Ausstattung ist recht gelungen – wenngleich in allen ALIEN-Produktionen die Story sich –handlungsbedingt- nur an wenigen Schauplätzen abspielt: im Raumschiff und auf einem sehr begrenzten, erdähnlichen Umfeld eines Planeten.

Trotzdem kann sich das Ergebnis sehen lassen: das Produktionsteam – mit knapp 15.000 Spezialisten in der Größe einer Kleinstadt– hat zweifellos großartiges geschaffen, was dem Film auch anzusehen ist! Es ist eindeutig in die die Kategorie Großproduktion einzuordnen und allenfalls werden nur noch chinesische Monumentalfilm-Produktionen mithalten können dürfen. Das geflügelte Wort Klasse statt Masse gilt jedoch nicht für ALIEN: COVENANT – sondern bekräftigt nur umso mehr die ebenso geläufige Redewendung „Big is beautiful“ oder „the best that money can buy“. Allerdings mit dem Vorteil, nicht als Popcorn-Film zu enden: ein US-Regisseur hätte wohl alles lustiger realisiert, was dem Film natürlich in keinem Fall zuträglich wäre. Die Naturaufnahmen sind zwar nicht so farbenfroh und niedlich wie in Peter Jacksons HERR DER RINGE, aber ebenfalls ein optischer Genuss! Überhaupt haben sich die Gestalter sehr erfolgreich austoben dürfen: Setting und Aufmachung sind -durch die Bank durch – sehr überzeugend.

CONTRA

Es heißt „nobody is perfect”… was leider auch hier greift. Aber welches Projekt ist denn auch schon völlig makellos? Dafür bräuchte es übermenschliche Qualitäten, dem qua Naturgesetze keine Folge geleistet werden kann. Als eine der Schwächen des Films kreide ich etwas Inhaltliches, Musikalisches an: die Spitze gegen „David“. Sein „Übermenschen“-Tick wird – um den Irr- und Wahnsinn zu untermauern -musikalisch mit Richard Wagners DIE WALKÜRE untermalt, was meiner Meinung nach schon sehr an Schlagkraft gelitten hat. Mag sein, dass es ein Running Gag des angelsächsischen Humors ist die ewige Verbindung zwischen Größenwahn und menschenverachtendem Wahnsinn mit der Musik Richard Wagners gleichzusetzen. Oder nur ein Insider-Joke in Richtung des Hauptdarstellers Michael Fassbender, mit dessen deutsch-irischen Wurzeln ist (Fassbenders Vater ist Deutscher) – es ist nichts wirklich Neues. Nichts wirklich Prickelndes.

Aber es gibt ja da draußen einen ganzen Haufen junger Leute, die sich für Geschichte kaum bis gar nicht interessieren und dafür vielleicht mehr für Poesie: Zitate und Verweise aus und in die englische Poesie deuten an, wohin die Reise geht: „Ozymandias“ – das Sonett Percy Bysshe Shelleys, mit dem Thema Vergänglichkeit der Menschheit, dem Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus von der Gattin des ebenerwähnte Shelleys, Mary Shelley (ein schreibfreudiges Paar) und Gedichten Lord Byrons (dessen Frau ihn für einen Geisteskranken hielt). Merke: der Wahnsinn steht auf Dichtung in Reimform und das Grauen in Reinform!

Passend zur Poesie und ein Brückenschlag zur darstellenden Kunst sind wohl in ALIEN: COVENANT die Einstellungen mit dem barfüßigen Androiden in langen Unterhosen. In seiner futuristischen Borduniform wirkt David (Michael Fassbender) wie ein netter, barfüßiger Balletttänzer. Und tatsächlich wirkt der Kampf zwischen den Androiden Walter und David (Fassbender in einer Doppelrolle) später auch teilweise eher wie ein Tanz, denn ein Kampf. In die gleiche Kerbe, der modischen, muss ich schlagen, wenn ich Davids erstes Erscheinen als Retter in der Not seziere: mit langem Haar und im schicken Kapuzenmantel erinnert David eine Fantasy-Figur aus HERR DER RINGE, den Waldläufer oder die Elfen. Das Michael Fassbender in dem vor einem halben Jahr zuvor in den Kinos laufenden Film ASSASIN CREED eine ähnliche Figur spielte, ist bestimmt dem Zufall geschuldet: auch hier spielt Fassbender eine Doppelrolle – die des Callum Lynch und Aguilar de Nerha. Auch hier darf er schicke mittelalterliche Klamotten tragen und sich ebenfalls akrobatisch austoben. Ich bin vielleicht mit all den Querverbindungen im Merchandising zu uninformiert, um mir tiefergehende Gedanken zur Motivation bezgl. der Kostüme zu machen.

Das Thema Mittelalter ist meiner Meinung nach einer der Schwachpunkte in ALIEN: COVENANT. Allzu sehr liegt die Betonung auf einem mittelalterlich betonten Ambiente. Gut, laut Story lebten die ausgestorbenen Bewohner des Planeten in einer mittelalterlich anmutenden Welt. Die aber zeitgleich über eine Hochtechnologie verfügte, die u. a. Raumfahrten ermöglichte. Vielleicht bin ich ja hier persönlich etwas aus der Spur und aufgrund des Alterungsprozesses etwas fantasieloser geworden – aber auf mich wirkt das alles etwas farblos und albern. Die Kargheit einer kalten und kargen Trutzburg nimmt viel Raum ein und sorgt mit seinen steinernen Gängen und Treppen für eine düstere, unheimliche Atmosphäre, die etwas an GAME OF THRONES erinnert. Natürlich fehlt hier nicht die obligatorische Kammer des Hexenmeisters, des Alchemisten – der einem Sträfling gleich offenkundig eine lebenslange Haftstrafe verbüßt: überall sieht man Skizzen herumhängen. Fein säuberlich im Humboldt-Stil mit Feder auf Büttenpapier gezeichnet – sieht man sie ordentlich nebeneinanderhängen. Eingelegte Föten in großen Einmachgläsern sowie ausgestopfte Exponate vervollständigen das Bild des verrückten Wissenschaftlers und lassen den brodelnden Wahnsinn erahnen. Es sind Bilder aus der abendländischen Kultur, die sich tief in die Wahrnehmung eingegraben haben und die man irgendwo schon gefühlte tausend Mal gesehen hat. Zumindest Europäern mit ihrem kollektiven Erbe des Mittelalters – wird es schwer fallen, etwas Neues zu entdecken. Durch den Erfolg der TV-Serie GAME OF THRONES und dem damit losgetretenen Hype um das Thema Mittelalter – wird das inzwischen wohl auch weltweit gelten. Aber die Darsteller machen es wieder wett…


HAUPTCAST

Michael Fassbender in der Doppelrolle als Walter und David (…mit einem unsagbar passenden, devoten Diener-Gesicht – der es mit Mühe schafft, zum teuflischen Mephisto zu mutieren. Er wirkt, wie ich meine, noch als Ekel sehr nett und teilt somit das Schicksal Pierce Brosnans).

Katherine Waterston als Offizierin Daniels (…der weichgezeichneten Reinkarnation von Offizierin Ripley – der grandiosen Sigourney Weaver: Hauptdarstellerin aller ALIEN-Filme).

NEBENCAST

Guy Pearce als Sir Peter Weyland (…mit einem viel zu kurzen Auftritt und Sommersprossen, die mir bis jetzt nie so aufgefallen sind)

James Franco als Captain Jake Bransom (…eine Glanzrolle, weil noch sehr, sehr viel kürzer)

Billy Crudup als Captain Oram (…dem Kapitän wider Willen, der es überzeugend schafft einen tiefgläubigen Schwächling zu spielen)

Danny McBride als Pilot Tenessee (…in der stereotypischen Rolle als Haudegen)

Demian Bechir als Sergeant Lope (…der ständig herumballerte und zu wenig Sprechtext hatte als dass er negativ hätte auffallen können)

Carmen Ejogo als Karine (…Orams Frau, die den perfekten Coach und Manager abgibt)

Jussie Smollett als Pilot Ricks (…der perfekt betroffen aus der Wäsche schauen kann und garantiert der nächste Denzel Washington Hollywoods wird)

Callie Hernandez als Pilotin Upworth (…die viel zu jung und zu hübsch für die Rolle der Pilotin ist)

Und einige andere, die das gleiche Schicksal teilen, welches etlichen Crew-Mitgliedern in roter Uniform in Star Trek (Raumschiff Enterprise) zuteil wurde.

MEIN RAT AN DIE PRODUZENTEN…

Machen Sie endlich eine TV-Serie daraus! Es hat mit Gene Roddenberrys STAR TREK geklappt, es funktioniert auch mit ALIEN! Eineinhalb bis zwei Stunden sind einfach zu schnell vorbei – Handlungsbogen und Dramaturgie für diese kurze Zeitspanne einfach zu vorhersehbar! Aber als Serie könnten im Fall einer erfolgreichen Umsetzung – mehrere Staffeln eine langanhaltende Aufmerksamkeitsspanne generieren. Und das Thema noch für Jahre erhalten.

Nuesret Kaymak

http://www.atelierkaymak.de

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