Hier die INDACHs Kritik von Marco Rosenberg zu Disneys „Pirates of the Carribean – Salazars Rache“

Der erste Teil von „Fluch der Karibik“ gehört noch immer zu meinen Lieblingsfilmen. Teil 2 und 3 gefielen mir weniger und Teil 4 hatte ich mir dann gar nicht erst angeschaut. Deshalb war ich schon skeptisch, als ich mir den neuesten Film der Reihe, „Salazars Rache“, anschaute.

Wie Teil 1 beginnt dieser Film mit einem Flashback in die Kindheit eines der Protagonisten, in diesem Fall Will Turners Sohn Henry, der versucht, seinen Vater vom Fluch der Flying Dutchman zu befreien. Zurück in der Gegenwart werden dann flugs die neuen und wiederkehrenden Charaktere eingeführt. Der verfluchte Piratenjäger Salazar (Javier Bardem), der es vor Jahren beinahe geschafft hätte, sämtliche existierenden Piraten auszulöschen, jetzt aber als untoter im gefürchteten Todesdreieck gefangen ist. Die junge, hochintelligente Carina, die als Baby im Waisenhaus zusammen mit einem geheimnisvollen Tagebuch abgegeben wurde. Auch Kapitän Barbossa stößt später noch dazu. Und nicht zuletzt Jack Sparrow, der ohne Schiff, aber mit kleiner (noch) loyaler Crew versucht, an Land auf Beutefang zu gehen.

Jack Sparrow ist in diesem Film leider nur noch ein Schatten seiner selbst, ein hauchdünnes, löchriges Geflecht aus Klischees und Selbstzweifeln. Aus dem bauernschlauen, gewitzten Trickster aus den früheren Filmen ist ein Häuflein Elend geworden, der durch seine Sauferei und Niedergeschlagenheit ganz aus Versehen den Fluch, der Salazar ans Todesdreieck bindet aufhebt und somit sämtliche Piraten der Karibik in Gefahr bringt. Die einzige Möglichkeit ihn aufzuhalten, ist es ein mächtiges und als Legende verschrienes Artefakt zu finden, das sämtliche Flüche in der Karibik auf einen Schlag aufheben kann. Wie praktisch für Henry, da dieses Artefakt auch seinen Vater von seinem Fluch befreien könnte. Und zufälligerweise weist das Tagebuch von Carina den Weg zum Artefakt und nur sie weiß die Hinweise zu deuten.

Marco Rosenberg

Die Artefakte, Mythen und Charaktere in diesem Film hätten locker für eine ganze Serienstaffel gereicht, werden hier aber als Effektgewitter verpulvert. Der Plot und die Actionsequenzen scheinen am Reißbrett entstanden zu sein, frei nach dem Motto „Was haben wir in den bisherigen Filmen noch nicht gemacht, oder wie könnte man schon gesehenes übertreiben oder umwandeln, um es neu erscheinen zu lassen?“. Die Suspension of Disbelief wurde bei mir leider schon nach kurzer Zeit gebrochen, weil ständig neue Regeln und Bedingungen eingeführt werden, die das Logik-Gerüst des Films (und rückwirkend sogar der vorherigen Filme) zerfressen und gähnende Plot Holes hinterlassen.

Einige wenige Highlights hat der Film zu bieten, zum Beispiel die Entstehungsgeschichte wie Jack Sparrow zu seinem Namen, Kleidungsstil und Ruhm gelangte. Auch die ruhigeren Momente und (sehr kurzen) Cameos von Orlando Bloom und Keira Knightley stechen trotz Schmalzfaktor positiv heraus. Die Spezialeffekte sind allerdings so übertrieben und zahlreich, dass ich schnell abstumpfte und sich meine Gedanken von „Wow!“ zu „Why?“ wandelten. Schiffe die andere Schiffe fressen, explodierende Schiffe, und Gallionsfiguren, die erst dann lebendig werden, wenn das laute Action-Grundrauschen noch getoppt werden soll… muss das sein?

Wer auf viel Actionspektakel steht und auch beim drölfzigsten Bruckheimer-Krachbumm-Film noch selig grinsend aus dem Kino stolpert, wird an „Salazars Rache“ seine wahre Freude haben. Wer allerdings auf Feinheiten und clevere Plots steht, wird hier nicht glücklich.

Marco Rosenberg

 

Die INDAChs Kritik von Marina Hartfelder zu Disney „Pirates of the Carribean: Salazars Rache“

Der allzeit angetrunkene Jack Sparrow findet sich in einem völlig neuen Abenteuer wieder. Verfolgt von tödlichen Geister-Piraten Zombies, torkelt sich Jack Sparrow durch die neuste Episode von Pirates of the Caribbean. Das Einzige was ihn noch retten kann, ist der legendäre Dreizack des Poseidon. Ein mächtiges Artefakt, das jeden Fluch zu brechen vermag.
Der fünfte Teil der Piraten-Saga um Captain Jack Sparrow ist bei Weitem besser gelungen als der Vierte. Die Regisseure Joachim Ronning  und Espen Sandberg haben das Ruder herumgerissen und dem ‚Pirates of the Carribean‘
Franchise seinen Zauber zurück gegeben.
 
129 Minuten habe ich gespannt das Geschehen auf der Leinwand verfolgt und konnte mich an den wunderschönen Kulissen dieses visuellen Meisterwerks einfach nicht satt sehen. Eigentlich hätte ich den Film gerne gleich noch mal gesehen, nur um die Bilder im Detail betrachten zu können, ohne mich auf die Handlung konzentrieren zu müssen.
 
Teilweise ist so viel passiert, dass ich mit den schnell wechselnden Handlungssträngen nicht mitgekommen bin und mich gefragt habe: Wie sind die Protagonisten nun wieder dorthin gelangt? Da hätten durchaus ein oder zwei Sequenzen ausgelassen werden können. Ansonsten ist die Geschichte schlüssig und spannend erzählt.
 
Die Geister-Piraten Zombies sind faszinierend visualisiert. Die Kulissen sind traumhaft und erwecken beim Zuschauer das Bedürfnis sich spontan in die Karibik absetzen zu wollen. Die Musik von Geoff Zanelli unterstreicht das Wesen dieses Genres und hinterlässt Ohrwürmer.
 
Die Charaktere ergänzen sich wunderbar und Jack Sparrow, gespielt von Johny Depp, ist wieder in seiner gewohnten Form zu sehen, witzig und galant, auf seine ganz besondere Art und Weise. Das Wiedersehen mit altbekannten und beliebten Figuren macht einfach großen Spaß. Aber auch die nächste Generation, Katarina (Kaya Scodelario) und Jack (Brenton Thwaites) spielen auf hohem Niveau.
 
Fazit: Ein toller Film, gerade für die große Leinwand. Unbedingt sitzen bleiben und sich Überraschen lassen. Bestimmt ist das nicht der letzte ‚Pirates of the Caribbean‘ Film.

Marina Hartfelder

www.marinahartfelder.eu

Die INDAChs-Kritik von Stefan Poßner zu Disneys „Pirates of the Carribean – Salazars Rache“

SALAZARS RACHE liefert grundsolides sowie gefälliges Augen- und Ohrenfeuerwerk. Tatsächlich jedoch nicht mehr. Es fehlt eindeutig an Herz und Glaubwürdigkeit. Und das kann schade und sogar anstrengend sein.
Denn, wenn mir Motivationen der Charaktere abgehen oder die Welt auf der Leinwand ständig aus dem Selbstzweck heraus ihre eigenen Regeln bricht, distanziert sich mein Innerstes. Ich schalte dann zwar nicht ab, aber bin auch nicht Teil dieser Reise auf der Leinwand. Was bleibt ist Berieselung. Und zwar eine schätzungsweise 200 Mio. Dollar teure Berieselung.
Blieben ja noch wenigstens interessante Charaktere, welche man da beoachten könnte. Doch auch hier versagt SALAZARS RACHE.
Jack Sparrow war gewiss einmal ein Großer. Durch seine Exzentrik aber auch Spitzfindigkeit wirkte er gerade im ersten Teil der Filmreihe unglaublich plastisch. Im neuesten Werk hingegen wirkt er eher wie eine flache Projektion seiner Selbst, welche an den offensichtlichsten Stellen kräftig nachsaturiert, gar übersaturiert wurde. Seinem Beitrag zur Handlung trägt er torkelnd mit mehr Glück als Verstand durch Slapstick-Einlagen Rechnung.
Doch spielt Jack sowieso nur noch die zweite Geige.
Das eigentlich handlungstragende Päärchen kommt mit frischen unverbrauchten Gesichtern daher. Doch waren auch sie leider so flach, dass ich nicht einmal an ihre Namen erinnern kann. Just in diesem Moment habe ich deren Namen zwar nachgeschlagen, doch möchte ich den vorhergehenden Satz ehrlicherweise nun gern stehen lassen. Die Motivationen jenes Duos wirken ebenso generisch und bereits mehrfach bekannt wie deren Charakter.Salazar wirkte im Trailer durch eine spannende Mischung aus untoter grausamer Stoischkeit und fast flehend wirkender übertriebener Höflichkeit tief. Im Film hingegen war davon nicht mehr viel zu sehen. Allzu simpel waren seine Motivationen. Allzu simpel und bekannt wirkte auch das Rezept eines übermächtigen, übernatürlichen Antagonisten.
Leider wurde vehement darauf verzichtet, einmal etwas neu zu denken. Oder um mehr als zwei gedankliche Ecken herum Sachverhalte zu konstruieren. Vertan wirkte beispielsweise für mich die Chance auf ein gehaltvolles Spannungsfeld zwischen dem ehemals untoten Barbossa und dem immer noch untoten Salazar. Man sollte doch meinen, die beiden hätten sich etwas zu sagen. Hätten interessante Gedanken mit Witz zu teilen. Aber: Nichts.Dennoch war, wie immer, Captain Barbossa der heimliche Star in diesem Werk und der einzige Charakter mit Farbe. Leider wirkte sein finales Schicksal dann doch eher konstruiert und bei näherer Betrachtung unnötig.

Abschließend kann ich konstatieren, dass Freunde gepflegter Effekthascherei und markiger Musikuntermalung auf ihre Kosten kommen sollten. Mehr als Unterhaltung genau innerhalb der Spielzeit sollte man jedoch nicht erwarten. Wer gern über Filme nachdenkt wird SALAZARS RACHE wahrscheinlich anstrengend finden.

Wenn man bedenkt wie viele gute kleinere Filme für das Budget eines solch aufgeblähten aber hohlen Blockbusters gedreht werden könnten, dann halt! Solche Gedanken sind ungehörig. Kinoticket kaufen! Aber schnell!

Hier die INDAChs Kritik von Nuesret Kaymak zu Ridley Scotts „ALIEN: COVENANT“

Eine Filmkritik von Nuesret Kaymak

Als ein großer Fan von Ridley Scotts ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT von 1979, müsste ich inzwischen einen hippen, langen-wenn auch angegrauten – Bart tragen. Daher stehe ich der ALIEN-Filmreihe eher wohlgesonnen gegenüber und meine Kritik wird verständlicherweise kein Verriss, auch wenn der Film mir (ein paar wenige Male) einen Facepalm herauskitzeln wollte. Glücklicherweise hielt sich das in Grenzen denn die spannenden und beeindruckenden Strecken bestimmten den Tenor. Daher also schon zu Beginn und kurzgehalten: ja, Kinobesuch und Kinokarte lohnen sich. Meine Wertung: 9 von 10 Punkten. Ich erkläre im Folgenden, warum man sich den Film unbedingt zu zweit in im Kino ansehen sollte und warum die Macher die Adaption zur TV-Serie erwägen sollten.

Warnung an alle, die die ALIEN-Filmreihe NICHT kennen

Nicht wenige werden behaupten, Ridley Scotts erste ALIEN-Verfilmung gelte als einer der besten Science-Fiction-Horror-Filme – wenn nicht sogar als der beste. Und ja, natürlich und selbstverständlich ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man es sich antun mag, einen verstörenden Film – wie auch jetzt ALIEN: CONVENANT – freiwillig anzusehen! Man sollte nicht vergessen, dass bei all der raffinierten Ausstattung, den grandiosen Kulissen und nicht zuletzt der interessanten Storyline einschließlich tadelloser Darsteller – die ALIEN-Filmreihe einschließlich des Spin-off PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN – wesentliche Anteile des GORE– und SPLATTERFILM-Genres aufweisen. Sensible Zuschauer dürfen sich daher auf zwei schweißtreibende Stunden mit verstörenden Momenten und furchteinflößenden Bildern einstellen! Aber auf dem Jahrmarkt weiß ja vorher auch jeder, worauf er sich mit einer Achterbahnfahrt einlässt. Daher sollte man den Film unbedingt mit seinem Partner ansehen. Wer DRACULA-Filme mag, ist hier gut aufgehoben.

INHALT

Es geht um den schrecklichsten Albtraum des Menschen überhaupt: die Fremdbestimmung. Die Kirche nennt es Besessenheit, die Biologie Parasitismus. In ALIEN: COVENANT wie auch der ganzen ALIEN-Filmreihe ist es das handlungsbestimmende Thema: eine außerirdische Lebensform zweckentfremdet den Menschen zur Brutstätte des Nachwuchs. Der menschliche Körper dient einem Parasiten als „Nest“ und „Nahrungsquelle“ zugleich. Der mit den Sporen infizierte Mensch, sich dessen nicht bewusst zur wandelnden Babynahrung degradiert zu sein, darf noch kurze Zeit aschfahl durch die Gegend wanken – bis die Brut soweit herangereift ist (und das geschieht in einem irre schnellen Tempo) und quasi aus dem Ei schlüpft.

Den Schlüpfvorgang muss man sich im Übrigen wortwörtlich vorstellen -filmisch gekonnt in Szene gesetzt von Altmeister Sir Ridley Scott persönlich samt perfektem Stab an Spezialisten für Design, CGI und Maske. Wie auch schon in den Vorgängerfilmen, bestimmt besonders die Zeit zwischen „Befruchtung“ und „Geburt“ die eigentliche Filmhandlung und damit die altbewährte Frage, wer denn nun befallen ist, es noch werden wird- und wer nicht. Also das bewährte Zehn kleine Negerlein -Spielchen bei, welches – je nach dem -einmal blutig und weniger blutig ausfällt. Und hier liegt leider einer der Schwächen des Films. Aber dazu später…

PRO

Eines muss man den Machern lassen: die (audio-) visuelle Umsetzung ist in jedem der ALIEN-Filme – auch und besonders in ALIEN: COVENANT – einfach nur perfekt! Es sind Könner, die hier bis hinein in die Farbnuancierung ein ausgetüfteltes, optisches Meisterwerk in Szene setzen. Echte Virtuosen, denen es gelingt – selbst in Zeiten, in denen TV-Serien mit beschaulicher CGI längst dem Kino den Rang- und die Alleinherrschaft über das Publikum abgelaufen haben – noch imponieren kann. Der Film überzeugt nicht nur technisch an Raffinesse und Präzision sondern auch in der ästhetischen, im Design. Die durchdachte, ausgewogene Komposition muss man daher auf der großen Leinwand genießen, da man sonst das imposante Seherlebnis nur in einer Annäherung – jedoch nie in seiner vollen Entfaltung erleben kann. Das gilt natürlich nicht für die, die auf YouTube- und Handy-Filmchen abonniert sind. Kein noch so leistungsfähiger Großbildfernseher kommt an die Dimension der bildgewaltigen Optik eines digitalen Hochleistungsprojektors heran, der das Kino der Gegenwart an seine ursprüngliche Aufgabe als Lichtspieltheater zurückführt und inthronisiert.

Filmtempo, Kameraeinstellungen und Lichtsetzung sind von Meisterhand geschaffen und ziehen den Zuschauer in seinen Bann. Der Sound als auch die musikalische Untermalung ist inzwischen so perfekt auf die Schnitte abgestimmt, dass man sich als Zuschauer gewürdigt fühlt und spürt, einer anspruchsvollen Vorstellung beizuwohnen. Es ist ein wenig ARTE-Feeling aufgekommen: Ruhe und Qualität… das Gegenteil hysterischer Massenproduktionen. Die Ausstattung ist recht gelungen – wenngleich in allen ALIEN-Produktionen die Story sich –handlungsbedingt- nur an wenigen Schauplätzen abspielt: im Raumschiff und auf einem sehr begrenzten, erdähnlichen Umfeld eines Planeten.

Trotzdem kann sich das Ergebnis sehen lassen: das Produktionsteam – mit knapp 15.000 Spezialisten in der Größe einer Kleinstadt– hat zweifellos großartiges geschaffen, was dem Film auch anzusehen ist! Es ist eindeutig in die die Kategorie Großproduktion einzuordnen und allenfalls werden nur noch chinesische Monumentalfilm-Produktionen mithalten können dürfen. Das geflügelte Wort Klasse statt Masse gilt jedoch nicht für ALIEN: COVENANT – sondern bekräftigt nur umso mehr die ebenso geläufige Redewendung „Big is beautiful“ oder „the best that money can buy“. Allerdings mit dem Vorteil, nicht als Popcorn-Film zu enden: ein US-Regisseur hätte wohl alles lustiger realisiert, was dem Film natürlich in keinem Fall zuträglich wäre. Die Naturaufnahmen sind zwar nicht so farbenfroh und niedlich wie in Peter Jacksons HERR DER RINGE, aber ebenfalls ein optischer Genuss! Überhaupt haben sich die Gestalter sehr erfolgreich austoben dürfen: Setting und Aufmachung sind -durch die Bank durch – sehr überzeugend.

CONTRA

Es heißt „nobody is perfect”… was leider auch hier greift. Aber welches Projekt ist denn auch schon völlig makellos? Dafür bräuchte es übermenschliche Qualitäten, dem qua Naturgesetze keine Folge geleistet werden kann. Als eine der Schwächen des Films kreide ich etwas Inhaltliches, Musikalisches an: die Spitze gegen „David“. Sein „Übermenschen“-Tick wird – um den Irr- und Wahnsinn zu untermauern -musikalisch mit Richard Wagners DIE WALKÜRE untermalt, was meiner Meinung nach schon sehr an Schlagkraft gelitten hat. Mag sein, dass es ein Running Gag des angelsächsischen Humors ist die ewige Verbindung zwischen Größenwahn und menschenverachtendem Wahnsinn mit der Musik Richard Wagners gleichzusetzen. Oder nur ein Insider-Joke in Richtung des Hauptdarstellers Michael Fassbender, mit dessen deutsch-irischen Wurzeln ist (Fassbenders Vater ist Deutscher) – es ist nichts wirklich Neues. Nichts wirklich Prickelndes.

Aber es gibt ja da draußen einen ganzen Haufen junger Leute, die sich für Geschichte kaum bis gar nicht interessieren und dafür vielleicht mehr für Poesie: Zitate und Verweise aus und in die englische Poesie deuten an, wohin die Reise geht: „Ozymandias“ – das Sonett Percy Bysshe Shelleys, mit dem Thema Vergänglichkeit der Menschheit, dem Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus von der Gattin des ebenerwähnte Shelleys, Mary Shelley (ein schreibfreudiges Paar) und Gedichten Lord Byrons (dessen Frau ihn für einen Geisteskranken hielt). Merke: der Wahnsinn steht auf Dichtung in Reimform und das Grauen in Reinform!

Passend zur Poesie und ein Brückenschlag zur darstellenden Kunst sind wohl in ALIEN: COVENANT die Einstellungen mit dem barfüßigen Androiden in langen Unterhosen. In seiner futuristischen Borduniform wirkt David (Michael Fassbender) wie ein netter, barfüßiger Balletttänzer. Und tatsächlich wirkt der Kampf zwischen den Androiden Walter und David (Fassbender in einer Doppelrolle) später auch teilweise eher wie ein Tanz, denn ein Kampf. In die gleiche Kerbe, der modischen, muss ich schlagen, wenn ich Davids erstes Erscheinen als Retter in der Not seziere: mit langem Haar und im schicken Kapuzenmantel erinnert David eine Fantasy-Figur aus HERR DER RINGE, den Waldläufer oder die Elfen. Das Michael Fassbender in dem vor einem halben Jahr zuvor in den Kinos laufenden Film ASSASIN CREED eine ähnliche Figur spielte, ist bestimmt dem Zufall geschuldet: auch hier spielt Fassbender eine Doppelrolle – die des Callum Lynch und Aguilar de Nerha. Auch hier darf er schicke mittelalterliche Klamotten tragen und sich ebenfalls akrobatisch austoben. Ich bin vielleicht mit all den Querverbindungen im Merchandising zu uninformiert, um mir tiefergehende Gedanken zur Motivation bezgl. der Kostüme zu machen.

Das Thema Mittelalter ist meiner Meinung nach einer der Schwachpunkte in ALIEN: COVENANT. Allzu sehr liegt die Betonung auf einem mittelalterlich betonten Ambiente. Gut, laut Story lebten die ausgestorbenen Bewohner des Planeten in einer mittelalterlich anmutenden Welt. Die aber zeitgleich über eine Hochtechnologie verfügte, die u. a. Raumfahrten ermöglichte. Vielleicht bin ich ja hier persönlich etwas aus der Spur und aufgrund des Alterungsprozesses etwas fantasieloser geworden – aber auf mich wirkt das alles etwas farblos und albern. Die Kargheit einer kalten und kargen Trutzburg nimmt viel Raum ein und sorgt mit seinen steinernen Gängen und Treppen für eine düstere, unheimliche Atmosphäre, die etwas an GAME OF THRONES erinnert. Natürlich fehlt hier nicht die obligatorische Kammer des Hexenmeisters, des Alchemisten – der einem Sträfling gleich offenkundig eine lebenslange Haftstrafe verbüßt: überall sieht man Skizzen herumhängen. Fein säuberlich im Humboldt-Stil mit Feder auf Büttenpapier gezeichnet – sieht man sie ordentlich nebeneinanderhängen. Eingelegte Föten in großen Einmachgläsern sowie ausgestopfte Exponate vervollständigen das Bild des verrückten Wissenschaftlers und lassen den brodelnden Wahnsinn erahnen. Es sind Bilder aus der abendländischen Kultur, die sich tief in die Wahrnehmung eingegraben haben und die man irgendwo schon gefühlte tausend Mal gesehen hat. Zumindest Europäern mit ihrem kollektiven Erbe des Mittelalters – wird es schwer fallen, etwas Neues zu entdecken. Durch den Erfolg der TV-Serie GAME OF THRONES und dem damit losgetretenen Hype um das Thema Mittelalter – wird das inzwischen wohl auch weltweit gelten. Aber die Darsteller machen es wieder wett…


HAUPTCAST

Michael Fassbender in der Doppelrolle als Walter und David (…mit einem unsagbar passenden, devoten Diener-Gesicht – der es mit Mühe schafft, zum teuflischen Mephisto zu mutieren. Er wirkt, wie ich meine, noch als Ekel sehr nett und teilt somit das Schicksal Pierce Brosnans).

Katherine Waterston als Offizierin Daniels (…der weichgezeichneten Reinkarnation von Offizierin Ripley – der grandiosen Sigourney Weaver: Hauptdarstellerin aller ALIEN-Filme).

NEBENCAST

Guy Pearce als Sir Peter Weyland (…mit einem viel zu kurzen Auftritt und Sommersprossen, die mir bis jetzt nie so aufgefallen sind)

James Franco als Captain Jake Bransom (…eine Glanzrolle, weil noch sehr, sehr viel kürzer)

Billy Crudup als Captain Oram (…dem Kapitän wider Willen, der es überzeugend schafft einen tiefgläubigen Schwächling zu spielen)

Danny McBride als Pilot Tenessee (…in der stereotypischen Rolle als Haudegen)

Demian Bechir als Sergeant Lope (…der ständig herumballerte und zu wenig Sprechtext hatte als dass er negativ hätte auffallen können)

Carmen Ejogo als Karine (…Orams Frau, die den perfekten Coach und Manager abgibt)

Jussie Smollett als Pilot Ricks (…der perfekt betroffen aus der Wäsche schauen kann und garantiert der nächste Denzel Washington Hollywoods wird)

Callie Hernandez als Pilotin Upworth (…die viel zu jung und zu hübsch für die Rolle der Pilotin ist)

Und einige andere, die das gleiche Schicksal teilen, welches etlichen Crew-Mitgliedern in roter Uniform in Star Trek (Raumschiff Enterprise) zuteil wurde.

MEIN RAT AN DIE PRODUZENTEN…

Machen Sie endlich eine TV-Serie daraus! Es hat mit Gene Roddenberrys STAR TREK geklappt, es funktioniert auch mit ALIEN! Eineinhalb bis zwei Stunden sind einfach zu schnell vorbei – Handlungsbogen und Dramaturgie für diese kurze Zeitspanne einfach zu vorhersehbar! Aber als Serie könnten im Fall einer erfolgreichen Umsetzung – mehrere Staffeln eine langanhaltende Aufmerksamkeitsspanne generieren. Und das Thema noch für Jahre erhalten.

Nuesret Kaymak

http://www.atelierkaymak.de

Die INDAChs Kritik von Mariusz Ginel zu Bruckheimers „Piraten der Karibik: Salazars Rache“

Pirates of the Caribbean Salazars Rache ist der mittlerweile sechste Teil der Reihe und ist eine exzellente Fortsetzung. Sie beinhaltet alles was wir an Pirates of the Carbbean lieben: Action, Witz, Esprit, eine wunderschöne Kulisse und natürlich Johnny Depp als Captain Jack Sparrow.

Die karibische Welt mit ihrer Geschichte der Piraten ist einzigartig. Die Effekte, als auch die komplette Aufmachung sind erstklassig umgesetzt worden und lässt einen gerne in diese Welt eintauchen. Die dazu gebotene musikalische Kulisse erzeugt so manches Gänsehautgefühl.

Auch wenn die Reihe Pirates of The Caribbean nicht für ihren Tiefgang bekannt ist und man dies auch im fünften Teil nicht erwarten sollte, so weiß sie doch auf einem hohen Niveau zu unterhalten. Dies trifft auch im neuen Teil zu, auch wenn das Ende ein wenig zu langatmig ist und zu effektvoll umgesetzt wurde, gleicht er dies wiederrum mit seinen anderen exzellenten Szenen aus.

Die Schauspieler integrieren sich erstklassig in diese Welt und spielen ihre Rollen exzellent. Allen voran Captain Jack Sparrow, gespielt von Johnny Deep. Der bekifft wirkende, oft betrunkene Freibeuter, mit seinem Charm und Witz, trägt allein mit seiner Person viel zum Film bei.

So ist auch der neuste Teil dieser Reihe, ein echter Pirates of the Caribbean, der die Erwartungen, die seine Vorgänger vorausgeschickt haben, voll erfüllen kann. Daher die uneingeschränkte Weiterempfehlung, vor allem auf der großen Leinwand.

Mariusz Ginel
3D and Animation Artist

www.mariuszginel.de

 

Die INDAChs Kritik von Lars Seiffert zu Ridley Scotts ALIEN:COVENANT

Mit Alien: Covenant, seinem dritten Regiewerk in der Alien Saga, hält Ridley Scott endlich sein Versprechen und lässt erneut die berühmte H.R. Giger Kreatur auf die Fans los. Im Weltraum hört dich ja bekanntlich niemand schreien, dafür darf das die Crew des Raumschiffs Covenant tun, welches auf Kolonisierungskurs ist. Per Funkspruch vom verschollenen Androiden David werden sie, auf den ehemaligen Planeten der „Ingenieure“ (aus Prometheus) gelockt und müssen sich dort nicht nur mit einer neuen Pre-Alienrasse sondern auch mit einem zum Dr. Frankenstein mutierten David herumschlagen. Dessen Zwilling Walter ist Teil der Covenant Crew und es kommt zur grossen Frage Erzeuger oder Maschine. Neben diesem interessanten Plot, wirft Scott für die ausgehungerten Fans noch eine gute Portion Action und blutige Schocks in die Runde. Die CGI Effekte der Kreaturen fallen manchmal doch recht negativ auf und durch die starke Präsenz von Michael Fassbender, bleiben die restlichen Charaktere leider wieder nur Alien Futter. Herausgestochen hat für mich der atmosphärische Score mit eindeutiger Jerry Goldsmith Referenz. Nach dem etwas klobigen Prometheus von 2012, geht es nun eigentlich schon in die richtige Richtung,aber es ist definitiv noch Luft nach oben.
Dann bis zum nächsten Mal, Sir Ridley Scott!

Lars Seiffert, Köln

Die INDAChs Kritik von Helena Barbie zu Sir Ridley Scotts „ALIEN : COVENANT“

“Alien: Covenant” die Fortsetzung von “Prometheus – Dunkle Zeichen” spielt zehn Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers und bringt den Zuschauer wieder näher an die Handlung von “Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt”.

Das Kolonieschiff “Covenant” ist mit 2.000 schlafenden Menschen unterwegs um auf einem fremden Planeten eine neue Existenz aufzubauen. Durch einen Weltraumsturm erleidet das Schiff einen Schaden, so dass die Crew aus einem mehrjährigen Schlaf aufgeweckt werden muss. Durch ein Signal entdeckt die Crew einen möglicherweise bewohnbaren Planeten und  entscheidet sich dazu von der geplanten Route abzuweichen.

Michael Fassbender verkörpert wieder den Androiden des Schiffs. Auch als David dem Androiden der Prometheus sehen wir ihn in Covenant wieder. Er spielt diese Doppelrolle der Androiden wahnsinnig glaubwürdig, besonders weil er es schafft den Zweifel in das Vertrauen dass die Menschen in die künstliche Intelligenz haben zu etablieren.

Auch wenn “Alien: Covenant” wieder einiges offen lässt, bietet die Geschichte nichts neues und ist zum Teil sehr vorhersehbar. Das ganze schreitet schnell voran und lässt fast schon zu wenig Spielraum um beim Zuschauer Angst aufzubauen. Dennoch schafft dieser Film es kontinuierlich Spannung aufzubauen und einen mit dem Bedürfnis nach Mehr zurück zu lassen.

Helena Barbie

Die Kulissen strotzen nur so vor Liebe zum Detail, ob im Raumschiff, in höhlenartigen Räumen oder verlassenen Plätzen, jedes Set erzählt seine eigene Geschichte. Die Kreaturen, wirken animalisch, überlegen und realistisch. Zudem hat man es geschafft, dass die Interaktion von zwei Charakteren, welche von einem Schauspieler verkörpert werden, gar nicht mehr nach einer Herausforderung aussieht. In dem Film spielen die visuellen Effekte eine tragende Rolle und sind im perfekten Maß angesiedelt ohne den Film zu überschatten.

Also eine absolute Empfehlung für einen Busch im Kino, nicht nur für Fans der Alien Filmreihe.

Helena Barbie

The path to paradise begins in hell. Ridley Scott returns to the universe he created, with ALIEN: COVENANT, a new chapter in his groundbreaking ALIEN franchise. The crew of the colony ship Covenant, bound for a remote planet on the far side of the galaxy, discovers what they think is an uncharted paradise, but is actually a dark, dangerous world. When they uncover a threat beyond their imagination, they must attempt a harrowing escape. In Theaters – May 19, 2017

Cast: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Amy Seimetz, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Nathaniel Dean, Alexander England, Benjamin Rigby

Directed by: Ridley Scott

Die INDAChs Kritik von Werner Reifberger zu Sir Ridley Scotts „ALIEN:COVENANT“

Ridley Scott kehrt abermals nach Prometheus zurück zu seinen Wurzeln und erfand mit „Alien:Covenant“ nichts wirklich neues, was aber dem Film trotzdem nicht schadet um wirklich sehenswert zu sein.

Außerdem beantwortet er einige Fragen die vor allem die Hintergründe der „Xenomorphs“ betrifft und schließt mit seiner Sequel Triologie, storymässig immer mehr zu den ersten „Alien“ Filmen an. Neben einer neuen Spezies, dem sogenanten „Neomorph“, wird auch die Vorgeschichte vom Prequel „Prometheus“ nicht außer acht gelassen und im Verlaufe des Films immer mehr zusammengewoben. Von Anfang an ist Michael Fassbender dabei, der wieder einen Androiden mimt und quasi eine neuere Version seines Alter Egos „David“ aus dem Film „Prometheus“ spielt.

Das Produktions Design und die damit erschaffene Welt sieht sehr überzeugend aus und man merkt in vielen Szenen die Liebe zum Detail, gleiches gilt auch für die Visuellen Effekte die bis auf ein paar Großaufnahmen einzelner Aliens absolut glaubwürdig sind und durch ihre Unauffälligkeit, die Story des Films sehr gut unterstützen. „Alien:Covenant“ erzählt stellenweise die gleiche Geschichte aus den bisherigen „Alien“ Filmen und auch der Endkampf erinnert stark an das Finale von „Alien 2“, dennoch bietet die Story einige überraschende Wendungen die den Zuseher bis zum Schluss im Unklaren lassen, über die wahren Hintergründe und Motive einiger Charaktere. Das Ende wurde sehr offen gestaltet, bietet aber eine solide Grundlage für eine weitere Fortsetzung und viel Potenzial um an die zeitlich späteren Alien Filme perfekt anzuknüpfen.

Während einige Fragen der bisherigen Alien Reihe „Woher die Aliens, Menschen und ihre Schöpfer eigentlich kommen?“ bisher fast immer offengelassen wurden, bietet „Alien: Covenant“ schon fast zu viele Antworten dafür, was diesem Mysteriösen Erscheinungsbild der Aliens sogar schon fast etwas schadet. Zum Abschluss bleibt nur zu sagen, alle Liebhaber der Alien Saga dürfen sehr gespannt auf diesen Film sein, die Vorgeschichte von „Prometheus“ und der bisherigen „Alien“ Saga wurde geschickt vernetzt und man erkennt ansatzweise schon das große Gesamtbild obwohl noch eine weitere Fortsetzung für den nahtlosen Übergang fehlt. Vielleicht übertrifft er nicht den zweiten Teil der „Alien“ Filme von James Cameron, aber ansonsten bietet der Film jeden „Alien“ Fan was er erwartet, einen düsteren und teilweise klaustrophobisch wirkenden Horror Film, gespickt mit unzähligen Action Elementen, dessen Spannung einen bis zum Schluss mitfiebern lässt und definitiv Lust auf mehr macht. Ridley Scott hat einmal mehr seine Klasse unter Beweis gestellt, obwohl er nur altbewährtes wieder aufgewärmt hat, aber diese Tatsache tut zum Glück dem Unterhaltungswert des Filmes keinen Abbruch. Für mich also eine absolute Empfehlung für jeden „Alien“ Liebhaber!

Werner Reifberger

http://www.reifberger.eu/

Hier die INDAChs Kritik von Kay Delventhal zu Marvels „Guardians of the Galaxy Vol.2“

„Guardians of the Galaxy VOL. 2“ – ein würdiger Nachfolger des ersten Teils. Ich hatte schon einige Trailer gesehen und war insofern „vorbelastet“. Dennoch hat der Film meine Erwartungen mehr als erfüllt. Die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil, die Bösen, sowie einige neue, auch Böse, kommen einem Familien treffen gleich (Vorsicht Spoiler). Die bunte, detailreiche, actiongefüllte und vor allen Dingen humorvolle Story macht einfach Spaß. Die ständige Erweiterung des Marvel-Universums in alle Richtungen, Dimensionen und Ziellinien ist auch hier gelungen. Es ist ein Fantasie-Action-Film und wenn man möchte, könnte man an einigen Stellen auch gerechtfertigte Kritik üben … Könnte, man muss man aber nicht. Eine übermäßig tiefgründe Story sollte man aber nicht erwarten. Man kann sich aber gut auf das Spektakel einlassen und es genießen. Die „Guardians of the Galaxy“ gehören auf jeden Fall zu meinen Marvel-Favoriten.

Mir gefielen die verschieden und andersartigen Charaktere sowie deren unterschiedliche Art von Humor, passten zur jeweiligen Persönlichkeit, am besten. Ich mag die bunten, fantasievollen Welten und die atemberaubenden Kamerafahrten – und möchte den Film unbedingt noch mal in IMAX 3D sehen. Ich kann den Film guten Gewissens als „sehenswert“ empfehlen.

Vielen Dank INDAC und Johannes für die tolle Gelegenheit und die Organisation!

Kay Delventhal

http://www.delventhal.com/

Die INDAChs Kritik von Markus Müller zu J. A. Bayonas „Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster Calls)“

Danke für die Gelegenheit den Film vorab zu sehen. Wie immer toll organisiert und mit der Fragerunde mit dem Autor am Ende ein wirklich toller Einblick in den Entstehungsprozess.
Die Flucht aus der Einsamkeit
 
Das Fantasydrama von J.A. Bayona, das uns vorab in der Kulturbrauerei vorgestellt wurde, nahm uns mit in eine englische Kleinstadt und den traurigen Alltag eines Jungen, der unter der Krankheit seiner Mutter und den damit einhergehenden Verlustängsten leidet. Sein Vater hat auf einem anderen Kontinent eine neue Familie gegründet und ist nur noch sporadisch für ihn da. Seiner verhassten Großmutter, die sich widerwillig um ihn kümmern will, versucht er aus dem Weg zu gehen. In der Schule wird der als Freak geltende Conor gemobbt, da er sich in seine (gezeichneten)Traumwelten zurückzieht. Was dann geschieht ist fantastisch, surreal und herzzerreißend zugleich. 
 
Die Darstellerriege ist durchweg toll. Das Setting ist notwendig trist und stellt einen wohldosierten Kontrast zu den einfallsreich animierten Zwischensequenzen dar, in denen man sich in die Träume von Conor begibt. Fantasievoll umgesetzt wecken diese Einschübe Erinnerungen an die Animationszwischensequenzen aus dem letzten Harry Potter Film. Das Monster wiederum erinnert an eine Mischung aus Baumbart (Herr der Ringe) und Groot (Guardians) und hat mit Liam Neeson den passenden stimmlichen Charakter. 
 
Der junge Conor wird hierbei von Lewis MacDougall (eingen vielleicht bekannt aus Pan, 2015) dargestellt, von dem man in Zukunft sicher noch mehr hören wird. Ich würd’s mir wünschen! Seine Darstellung eines innerlich zerrissenen Jungen ohne Freunde und einer sich in seine Bestandteile auflösenden Familie hat den kompletten Film getragen und sorgte zum Schuss dafür, dass kein Auge trocken blieb.
 
Schön war es auch den Autor der Romanvorlage Patrick Ness ein paar Hintergründe zur Arbeit an seinem (Dreh)Buch erläutern zu hören, seine Erklärungen zur unterschiedlichen Wahrnehmung von Büchern und Filmen (und der damit einhergehenden Abweichung bei Drehbüchern zu den Romanvorlagen) oder auch seiner Erkenntnis, dass ein solcher Film von Kindern und Erwachsenen mitunter komplett anders wahrgenommen wird. 
 
Ein sehr schöner Film: traurig, fantasievoll, mit einer hinreissend aufspielenden Darstellerriege und gut gemachten Effekten.

Hier die INDAChs Kritik von Anna Hybsier zu Marvels „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Guardians of the Galaxy Vol. 2 ist einer der Filme auf die ich mich dieses Jahr besonders freue bzw. gefreut habe. Es war also mit hohen Erwartungen mit denen ich zur Pressevorstellung gegangen bin. Nicht künstlerisch-wertvoll-gewinnt-den-Oscar-für-Drama Erwartungen aber ich wollte schon einen lustigen, visuell schönen und einfach coolen Film sehen; na ja wie Guardians of the Galaxy Vol. 1 eben. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Guardians of the Galaxy 2 bringt unsere Helden aus Teil 1 wieder zusammen und schon bei der ersten Szene wird klar dass dieser Film sich nicht zu ernst nimmt. Es ist eindeutig das die Schauspieler sehr viel Spaß bei dem Dreh hatten. Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt; Starlord (Chris Pratt) trifft endlich auf seinen Vater (brillant gespielt von Kurt Russel) aber nicht alles was glänzt ist immer Gold. Es wäre aber nicht fair die Geschichte jetzt einfach nur so abzuschreiben denn sie ist, gerade für eine ‚Blockbuster‘, relativ komplex und hat überraschend viel Herz.  Visuell ist der Film sehr beeindruckend, aber das ist ja schon fast zu erwarten bei Marvel Studio Filmen.

Für Kinobesucher die den ersten Teil nicht gesehen haben würde ich empfehlen es nachzuholen. Nicht nur ist es ein lustiger und sehenswerter Film aber er hilft auch die Figuren einzuordnen.  Denn Guardians of the Galaxy Vol. 2 nimmt sich nur wenig Zeit die auf die Beziehungen der Figuren untereinander einzugehen. Dies könnte durchaus als Schwäche gesehen werden da manche Figuren, wie z.B. Drax, schon falsch verstanden werden könnten.

Am Ende aber ist das nur eine kleine Schwäche die durch die Stärken des Filmes weggemacht werden. Guardians of the Galaxy Vol.2 ist den Kinobesuch auf alle Fälle wert, sowohl für Comic Nerds (zu denen ich mich selbst auch zähle) für die vielen kleinen ‚Easter Eggs‘ als auch für ‚normale‘ Kinobesucher die einfachen einen guten, lustigen Film sehen wollen der, obwohl er sich nicht zu ernst nimmt, immer noch genügend Substanz hat. Und wie immer, sitzen bleiben und den Abspann schauen!  Viel Spaß und I am Groot!

Anna Hybsier

http://www.ahybsier.com/

 

Die INDAChs Kritik von Pauline Kortmann zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Juan Antonio Bayona

Bei allem, in was man in „A Monster Calls“ eintaucht – visuell, erzählerisch und vor allem emotional -, ist es schwer einen Anfang zu finden, um davon zu berichten. Der ehrlichste Einstieg ist ganz einfach: ich bin immernoch ganz aufgelöst.

Eigentlich kein Wunder bei dem Setup: im Film folgen wir dem Jungen Conor, dessen alleinerziehende Mutter schwer krank ist. Mit seiner Großmutter versteht er sich eher schlecht als recht und in der Schule wird er tagtäglich zum Punching Ball. Allzu nachvollziehbar, dass sich Conor am liebsten in Parallelwelten aus Bleistift und Aquarellfarbe flüchtet. Bis eines nachts, um 7 Minuten nach Mitternacht, ein gigantisches Monster aus einer Eibe entsteigt, um… nunja, zu helfen.

Regisseur J.A. Bayona gelingt das wundervolle Kunststück, ein hoch emotionales Familiendrama mit rumpelnden Visual Effects UND künsterlischer Animation im Wasserfarbenlook zusammenzubringen zu einer bemerkenswerten inneren Reise eines Jungen (die nur die abgestumpftesten Augen trocken lässt).
Das Herausragende an diesem Film ist der unmittelbare emotionale Wumms, den er permanent aufrecht erhält, und der ist gewaltig. Connors Gefühle fallen einem von der Leinwand direkt in den Schoß, und beim Verlassen des Kinos nimmt man eine feine, empathische Portion Monster-Weisheit unter den Arm geklemmt mit hinaus.

Auch wenn am Ende der Geschichte ein klein bisschen weniger mehr gewesen wäre, hinterläßt A Monster Calls mich persönlich sehr berührt und emotional irgendwie fast kathartisch gereinigt. So sehr, dass es einen neuen Indachs braucht.

Oder um es mit des Monsters Worten zu sagen: „Stories are wild creatures. When you let them loose, who knows what havoc they might wreak?“

Pauline Kortmann

DIESER FILM WIRD VOM INDACHS UNBEDINGT EMPFOHLEN!

Paulines neuer INDACHS

ES GIBT KEINE ENTSCHULDIGUNG, DIESEN FILM NICHT ZU SEHEN!
BITTE, BITTE WEITERSAGEN!
Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster calls) startet am Donnerstag, den 4. Mai in den deutschen Kinos!

Die INDAChs Kritik von Norbert Kerkhey zu „Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster Calls)“

Eine sehr persönliche Rezension

Achtung: diese Rezension enthält Spoiler!!! Ich hasse Spoiler, aber sie waren in diesem Fall nicht zu vermeiden!

Ja, es ist ein sehr guter Film, gewaltiges, überwältigendes Gefühlskino. Und: Nein, ich werde ihn kein zweites Mal ansehen und ihn auch niemandem, erst recht keinem Kind, empfehlen.

Vielleicht liegt es ja nur an mir, aber ich mag nun einmal keine Filme, aus denen ich todtraurig in die an sich schon nicht so lustige Wirklichkeit entlassen werde.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ erzählt eine Geschichte von der Notwendigkeit des Loslassens: Conors Mutter ist todkrank. Der 13-Jährige klammert sich an die Chance ihrer Heilung. Die uralte Eibe auf dem Kirchhof wird zum Monster, das Conor dazu auffordert, sich der Wahrheit zu stellen, die er längst kennt.

Ich möchte keine Bemerkungen über die technische, schauspielerische oder visuelle Qualität dieses Films verlieren. Vielleicht fällt anderen Rezensenten dazu etwas anderes ein als: Perfekt! Mir geht es nur um die Story.

Und die hat es in sich, sie wird perfekt erzählt, die filmische Präsentation ist (Achtung: neudeutsch!) derart immersiv, dass ich sie als überperfekt empfunden habe. Kurzum: ich empfinde Conors Weigerung, den kommenden Tod seiner Mutter als unausweichlich hinzunehmen, als meine eigene Weigerung, etwa 60 Minuten lang kämpfe ich um meine Hoffnung, diese Story könne against all odds doch noch gut ausgehen, dann siegt mein filmanalytischer Sachverstand, und ich gebe auf – Conor gibt erst viel später auf. Den Rest des Films bin ich todtraurig über die Unausweichlichkeit und stinksauer über den Film, der mir diesen Gefühlscocktail antut.

Zum Glück hat die Produktion an die schweren Abschlussakkorde, die auf dem beginnenden Abspann weiter klingen, noch für den Rest des Abspanns ein nettes Liedchen aufgepackt, so dass ich meine Stimmung nicht mit in die Wirklichkeit retten konnte. Vermutlich eine Idee der Marketing-Abteilung. Danke, ihr gefühllosen Ignoranten!

Norbert Kerkhey

Http://www.zone5.info

 

Die INDAChs Kritik von Helena Barbie zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Juan Antonio Bayona

Sieben Minuten nach Mitternacht, fesselt den Zuschauer 108 Minuten lang, mit einer ergreifenden Geschichte über den Verlust und das Loslassen. Dabei gibts es keinen Punkt der nicht stimmt, jeder Schauspieler passt haargenau, die Sets und Kostüme sind bis in kleinste Detail durchdacht, und die visuellen Effekte perfektionieren das Bild. Generell wie hier im Film Emotionen vermittelt werden, und die Vermischung von Realfilm und Trickfilm sind einfach gelungen.

Ein Film, bei dem es sich lohnt, ihn mehrfach anzuschauen, wenn man bereit ist, diese traurige Geschichte zu durchleben.

Denn das Leben des jungen Protagonisten „Conor“ ist alles andere als sorglos, seine Mutter ist schwer krank, sein Vater hat die Familie verlassen und lebt sein eigenes Leben, in der Schule ist der Junge einsam und wird täglich verprügelt, und aufgrund der Lebenssituation soll er bei seiner sehr kühlen und strengen Großmutter leben. Er wird von einem Alptraum gequält, der ihn seine größte Angst durchleben lässt, und dann taucht genau sieben Minuten nach Mitternacht ein Monster auf. Das Monster entsteht aus dem Baum vor dem Fenster des Jungen und ist so alt wie die Erde selbst. Es will Conor drei Geschichten erzählen, Geschichten über das Leben und am Ende soll Conor dem Monster seine Geschichte erzählen, über die Wahrheit, die Conor nicht aussprechen will.

Danke für die Einladung zum Screening!
Helena Barbie

DIESER FILM WIRD VOM INDACHS UNBEDINGT EMPFOHLEN!

DER INDACHS SAGT: „DIESER FILM IST TOLL!“

ES GIBT KEINE ENTSCHULDIGUNG, DIESEN FILM NICHT ZU SEHEN!

BITTE, BITTE WEITERSAGEN!

Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster calls) startet am Donnerstag, den 4. Mai in den deutschen Kinos!

Die Indachs-Kritik von Scherin Rajakumaran zu Marvels „Guardians of the Galaxy Vol.2“

Absolute Begeisterung und wundervolle Welten. So lässt sich der Film für mich vermutlich am ehesten zusammenfassen. Ich muss gestehen, dass dieser Film mein erster Marvel Film war, den ich tatsächlich geschaut habe. Ja ja, viele werden sich jetzt den Kopf schütteln und die Augen verdrehen, weil ich als leidenschaftlicher VFX Producer etwas ganz anderes sagen sollte, aber dieser ganze Superhelden Hype hat mich einfach nie betroffen. Alles zu viel Action und zu absurd für mich. Als ich mich für Guardian of the Galaxy angemeldet hatte, wollte ich den wirklich witzigen Kritiken, die ich zu Teil 1 gelesen hatte damals einfach mal nachgehen und war Neugierig, ob es nicht doch etwas für mich sein könnte. Und ich muss gestehen, ich habe sehr viel und sehr laut gelacht während des Films. Die Story ist natürlich zum Teil schon sehr flach, wenn man sie auf den Kern reduziert, dass ein Sohn seinen Vater nicht kennt, ihn kennenlernt und am Ende feststellt, dass die Realität anders ist als seine Illusion und er mit seiner selbst gewählten Familie wesentlich besser dran ist.

Der Humor war unheimlich flach, was ich ganz zauberhaft fand. Es gab viele Slapstick Situationen, die wirklich sehr lustig waren und zum Mitlachen mitrissen. Der Romantik Faktor war erfrischend beiläufig, was mir sehr sehr gut gefallen hat.

Die größte Faszination galt selbstverständlich den tollen detailreichen Welten auf den verschiedenen Planeten. Die Präzision im kleinsten Detail war wie ein roter Faden, der sich durch den Film zog. Die farbenfrohen und unterschiedlichen Planeten spiegeln in jedem Detail viel Liebe und ein schlüssiges Konzept wieder; wirklich sehr beeindruckend!

Worauf ich völlig hätte verzicht

en können ist es den Film Stereo zu sehen. An vielen Stellen funktioniert die Konvertierung der 2D Daten einfach gar nicht leider und es wirkt sehr billig und schlecht gemacht. Meiner Meinung sollte man darauf verzichten, wenn es dem Ergebnis nicht hilft besser zu werden und es sogar eher nur schadet.. was es meiner Meinung in diesem Fall auch wieder tut leider.

Ich muss abschließend sagen, das es mit Sicherheit nicht mein letzter Marvel Film gewesen sein wird und ich unglaublich viel Spaß beim Gucken hatte. Ich befürchte auch mich hat der Hype nun gepackt.. 🙂

Danke liebes Indac Team für die Möglichkeit auf den Marvel Zug aufzuspringen!

Scherin Rajakumaran

Head of Film Department bei LAVAlabs Moving Images GmbH & Co KG

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